Nach der „light“- und Probiotika-Welle sind jetzt prebiotische Zusätze das Nonplusultra der Lebensmittelindustrie. Prebiotika (oder Präbiotika) sind unverdauliche Stoffe, die vor allem das Wachstum und die Aktivität von Milchsäure- und Bifidusbakterien im Dickdarm positiv beeinflussen: Beispiele dafür sind komplex aufgebaute Zuckermoleküle wie Inulin und die daraus gewonnene Oligofructose. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten wahre Wunder von diesen Lebensmittelbestandteilen. Endgültige Wirkungen auf die Gesundheit sind jedoch nicht abschließend geklärt. Umfassende Ergebnisse der Forschung werden erst gegen 2005 erwartet.
Es gibt Hinweise auf folgende positive Effekte:
- Anregung der Darmtätigkeit
- Verbesserung der Zusammensetzung der Darmflora
- Stärkung des Immunsystems
- Senkung des Cholesterinspiegels
- verbesserte Calciumaufnahme.
In der Lebensmitteltechnologie ist der Einsatz von Inulin und Oligofructose auch aus anderen Gründen äußerst beliebt. Durch ihre Eigenschaft, Wasser binden zu können, werden sie vorwiegend als Verdickungsmittel eingesetzt. Zusätzlich hilft der leichte Süßgeschmack, andere Süßungsmittel zu reduzieren. Inulin vermittelt im Mund einen sahnigen Geschmackseindruck und wird daher sehr gern in entrahmten Milchprodukten wie fettarmen Joghurts oder Quarkspeisen verwendet.
Sowohl Inulin als auch Oligofructose sind bei abgepackten Lebensmitteln in der Zutatenliste zu finden. Falls auf der Verpackung eine Nährwerttabelle erscheint, werden sie unter dem Begriff „pflanzliche Ballaststoffe“ aufgeführt.
Inulin und Oligofructose kommen als natürlicher Bestandteil in über 150 Lebensmitteln wie Chicorée, Zwiebeln, Lauch, Schwarzwurzeln, Artischocken, Topinambur, Getreide und Bananen vor. Zugesetzt wird es vorwiegend Joghurts und Quarkspeisen, und so kann durch den regelmäßigen Verzehr von Joghurt die Darmflora unterstützt werden.
Der künstliche Zusatz von Oligofructose ist jedoch nicht ganz unproblematisch. Bei den bisher durchgeführten Studien wurden beispielsweise 10 Gramm Oligofructose pro Testmahlzeit verzehrt. Diese Menge verursachte zum Teil heftige Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall. Solche negativen Begleiterscheinungen sind natürlich unerwünscht. Die zugesetzte Menge wird deshalb in der Praxis erheblich reduziert. Ob diese geringen Mengen überhaupt noch wirken, ist fraglich. Zudem handelt es sich bei den mit Inulin oder Oligofructose angereicherten Produkten meist um stark verarbeitete Lebensmittel. Getränke, Bonbons, Eis, Brötchen, Mischbrot, Brotaufstriche oder Desserts werden dadurch nicht wirklich aufgewertet, sondern nur das Gewissen beruhigt. Inulin den Lebensmitteln als Pulver direkt beizumischen, ist deshalb nicht der Weisheit letzter Schluss.
Weitere Informationen halten die Ernährungsberaterinnen der Verbraucherzentrale Sachsen bereit, deren Adressen unter der Rufnummer 01805-797777 zu erfragen sind. Telefonisch sind die Beraterinnen montags, mittwochs und donnerstags in der Zeit von 10 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer 0190-797774 für 1,24 € pro Minute zu erreichen.
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