Stimmen aus dem Bäckerei- und Konditorenhandwerk sprechen von sehr gut geschultem Verkaufspersonal, das den Kunden jederzeit Auskunft über Zutaten und Zusatzstoffe in Backwaren geben könne. Sachsens Verbraucherschützer machten bei einer nicht repräsentativen Umfrage jedoch andere Erfahrungen.
Sie fragten in 30 sächsischen Bäckereien und Konditoreien, darunter in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Hoyerswerda und Riesa, was in den lecker anzuschauenden Kuchen eigentlich enthalten ist. Dabei ging es um Konservierungsstoffe im Obstkuchen, um Farbstoffe im Pudding oder um die Art der Geleeschicht über den Obstschnitten.
Mehr als zwei Drittel der Antworten waren unbefriedigend. Nur in zwei der 30 Bäckereien waren Informationsmappen ausgelegt, in denen interessierte Kunden mehr über die Inhaltsstoffe loser Backware erfahren konnten.
Dabei ist die Frage nach Konservierungsstoffen und nach Farbstoffen in Lebensmitteln gar nicht ungewöhnlich. "Gerade empfindliche Personen oder Allergiker müssen auf solche Zusatzstoffe achten", sagt Anne-Katrin Wiesemann, Lebensmittelrechtsexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen. "Und Vegetarier möchten schon wissen, ob das Gelee auf der Obstschnitte auch wirklich rein pflanzlich ist oder nicht."
Bei verpackten Backwaren ist das oft kein Problem, weil hier die Zutatenliste Auskunft über die Zusammensetzung der Ware gibt. Doch bei loser Ware muss man viele Ausnahmen in Kauf nehmen. So ist eine Zutatenliste nicht zwingend vorgeschrieben, und bei den Zusatzstoffen reicht der Hinweis "mit Farbstoff" oder "mit Konservierungsstoff". Deshalb mussten sich die Verbraucherschützer bei ihrer Umfrage oft mit einem Schulterzucken oder mit der allgemeinen Aussage, dass vielleicht Farb- oder Konservierungsstoffe enthalten sind, zufrieden geben, ohne zu erfahren, um welchen konkreten Stoff es sich dabei handeln könnte. Das wäre aber gerade für jene wichtig, die aus gesundheitlichen Gründen einen bestimmten Farb- oder Konservierungsstoff meiden müssen.
"Unsere Umfrage zeigt, dass die geplanten Gesetzesänderungen für eine detailliertere Kennzeichnung der Zutaten und Zusatzstoffe bei loser Ware dringend notwendig sind", meint die Verbraucherschützerin. "Deshalb unterstützen wir diese Absicht und fordern die sächsischen Bäcker und Konditoren auf, sich zukünftig stärker um die Aufklärung ihrer Kunden bei den Zutaten und Zusatzstoffen in ihren Produkten zu bemühen." Schließlich kann eine detailliertere Kennzeichnung dazu genutzt werden, auf die Vorteile der handwerklichen Lebensmittelproduktion (Sortenvielfalt, Kreativität, Ursprünglichkeit) und auf Qualitätsunterschiede zu Fertig- und Halbfertigprodukten hinzuweisen.
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