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Beratungsstellen

Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Sachsen

19.09.2005
Probiotische Milchprodukte – was steckt dahinter?

Verbraucherzentrale Sachsen: Konkreter Nutzen für den Einzelnen noch unklar

Die Kühlregale in Kaufhallen sind mit einer Vielzahl so genannter probiotischer Milchprodukte gefüllt, die mit Formulierungen wie „Unterstützung der natürlichen Abwehrkräfte“ oder „zur gesunden Ernährung“ werben. Was verbirgt sich dahinter?

Spezielle Milchsäurebakterien, Lactobacillus – Bakterienstämme und um Bifidobakterien, werden üblicherweise den fertigen Produkten, zumeist Jogurt, zugesetzt. Ziel dieser Zugabe ist es, mit Hilfe dieser Bakterien positive gesundheitliche Effekte zu erzielen.

Derzeit sind folgende Wirkungen wissenschaftlich nachgewiesen:
Probioten mindern sowohl die Schwere und Dauer bestimmter Durchfallerkrankungen als auch die Konzentration unerwünschter Produkte des Stoffwechsels der Darmflora. Außerdem können sie das Immunsystem beeinflussen.
Die Symptome der Milchzuckerunverträglichkeit werden abgeschwächt. Für Menschen, die Milchzucker aufgrund eines Enzymmangels nicht verarbeiten können, sind jedoch fermentierte Milchprodukte im Allgemeinen günstig, da darin ein großer Teil des Milchzuckers zu Milchsäure abgebaut ist.

Neben diesen nachgewiesen positiven Effekten bleiben eine Reihe von Fragen offen. „Die Darmflora ist ein stabiles Ökosystem. Damit überhaupt eine Wirkung eintreten kann, müssen probiotische Produkte regelmäßig und in ausreichender Menge verzehrt werden“, meint Dr. Birgit Brendel, Ernährungsreferentin der Verbraucherzentrale. Für Verbraucher ist jedoch in der Regel nicht erkennbar, welche Menge eines konkreten Produktes „ausreichend“ ist.“ Außerdem ist die individuelle Wirkung auf die konkrete Einzelperson nicht vorhersagbar, da sie sehr stark durch die Konstitution und die Verzehrsgewohnheiten des Einzelnen bedingt wird.

Problematisch ist ebenfalls, dass es weder eine verbindliche Festlegung der Mindestkeimzahlen in probiotischen Milchprodukten gibt, noch eindeutige Vorschriften dafür existieren, wie probiotische Kulturen auf der Packung zu kennzeichnen sind.
„Aktuell können also keine bündigen Aussagen über den konkreten Nutzen probiotischer Lebensmittel für den Einzelnen gemacht werden“, führt Dr. Brendel aus. Für eine intakte Immunfunktion ist das Zusammenspiel der Ernährung mit vielen Faktoren des Lebensstiles verantwortlich.
Über Milchprodukte als Bestandteil des ausgewogenen, gesunden Essens informieren die Ernährungsberaterinnen der Verbraucherzentrale während der diesjährigen Sächsischen Ernährungswoche vom 19. bis 23. September. Probiotische Erzeugnisse können ein Mosaikstein in einer vollwertigen Ernährung sein, aber Ernährungsfehler nicht ausgleichen. „Wer sich für ihren Verzehr entscheidet, sollte probiotische Milchprodukte möglichst frisch verzehren, da die Zahl der wirksamen Keime während der Lagerung abnimmt“, empfiehlt Dr. Brendel. Eine gesunde Darmflora wird grundsätzlich durch den regelmäßigen Verzehr von Sauermilchprodukten, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten gefördert.



Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Sachsen e.V., Brühl 34-38, 04109 Leipzig
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-sachsen.de/link198161A.html