Verbraucherzentrale Sachsen: Neue Bestpreisangebote sind Kuckucksei
Noch bevor die sächsische Verbraucherzentrale ankündigte, zwei Gasversorger in Sachsen verklagen zu wollen, informierten die Stadtwerke Leipzig ihre Kunden über die Erhöhung der Erdgaspreise um durchschnittlich 18 % ab 1. Dezember 2005. Dabei werden wieder auch Bestpreis-Produkte angeboten, die gegenüber den Grundversorgungspreisen wesentliche Preisvorteile bringen sollen.
„Das klingt zwar ganz gut, aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail“, sagt Roland Pause, Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen. Wenn man sich das Leipziger Kuckucksei genauer anschaut, wird deutlich, dass der bisherige Bestpreis-Kunde zukünftig Einiges mehr berappen muss. „Für einen Haushalt, der ca. 20.000 kWh Erdgas im Jahr verbraucht“, sagt der Verbraucherschützer, „kommen dann schon gute 200 € Mehrkosten zusammen“.
Wer als bisheriger Bestpreis-Kunde der Gaspreiserhöhung widerspricht, läuft Gefahr, dass der Vertrag gekündigt wird und er wieder in den Allgemeinen Tarif zurückfällt. Dagegen kann man sich dann nur gerichtlich wehren.
Wer bisher noch nicht Bestpreiskunde ist und den neuen Vertrag Bestpreis Gas 2.0 abschließen will, kann diesen Status nur dann erreichen, wenn er dort auch noch den Strom kauft. Schlecht für den, der sich bisher auf dem liberalisierten Strommarkt einen günstigeren Stromversorger gesucht hat. „Hier liegt die Vermutung nahe“, sagt Pause, „dass sich die Stadtwerke einen Wettbewerbsvorteil auf dem Strommarkt verschaffen wollen.“
Die Krönung der Leipziger Produkte ist jedoch das Modell Bestpreis Gas 2.0 plus. Hier sollen sich Gaskunden durch Zahlung einer einmaligen so genannten Preis-Stabilitäts-Prämie, die abhängig vom Verbrauch ist, vor zukünftigen Preiserhöhungen absichern. Diese Option setzt einen Zweijahresvertrag voraus und verspricht eine Preisstabilität bis zum 01.11.2007. „Das ist aber nichts anderes als eine vorweggenommene Preiserhöhung“, sagt Roland Pause. Bei einem jährlichen Verbrauch von rund 20.000 kWh macht die normale Erhöhung per 01.12.2005 im Modell 2.0 plus rund 1,04 Ct./kWh aus. Durch die Stabilitätsprämie kommen nochmals ca. 0,37 Ct./kWh hinzu. Damit ergibt sich eine Preiserhöhung um mehr als 35 %.
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