Nur ganz einfache Brillen ohne Zuzahlung erhältlich
Millionen Verbraucher haben sie, die „Nulltarif-Versicherung von Fielmann und der HanseMerkur“. Dass diese Versicherung nur 10 oder 50 € im Jahr kostet, wissen die meisten Kunden. Schwieriger wird es bei der Beantwortung der Frage, welche Leistung sie dafür bekommen. Wer glaubt, die Versicherung übernimmt die vollen Kosten für jedes neue Brillengestell nebst entspiegelten oder getönten Gläsern, der irrt.
„Zwar besteht nach der Werbung sofort nach Vertragsabschluss Anspruch auf eine „neue, topmodische Brille“, jedoch nur aus der „Nulltarif-Collection“, macht Andrea Hoffmann, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen aufmerksam. Damit wird die Auswahl deutlich eingeschränkt. Früher sprach man diesbezüglich häufig von „Kassengestellen“. Wem diese Auswahl - trotz aktuellem Modetrend - nicht zusagt und ein anderes Gestell wählt, muss zuzahlen. Markenbrillen von Gucci gibt es also nicht zum Nulltarif. Dann werden auf den Preis lediglich 15 oder 70 € angerechnet. Ähnlich verhält es sich mit den Brillengläsern. Vom Umfang der Versicherung ist nur die einfachste Ausführung erfasst. Selbst für eine einfache Entspiegelung, die heute quasi selbstverständlich ist, muss zugezahlt werden. Eine Gutschrift in Höhe von insgesamt 70 Prozent auf den Kaufpreis der neuen Zuzahlungsbrille, erhält man nur bei Bruch, Beschädigung oder Sehstärkenveränderung ab 0,5 Dioptrin bis zwei Jahre nach Erwerb der versicherten alten Brille. Dies ist eine Sonderleistung von Fielmann, nicht jedoch vom Versicherer.
Summa summarum kann trotz Nulltarifversicherung die neue Brille mehrere hundert Euro kosten. „Darüber wird noch mancher Verbraucher erstaunt sein“, vermutet Hoffmann, „denn viele verstehen die Nulltarifwerbung so, dass sie generell nichts zuzahlen müssen.“
Fazit der Verbraucherzentrale Sachsen: Für eine ganz einfache Brille, die auch so wenig kostet, kann auf die Versicherung verzichtet werden. Wer freie Auswahl beim Brillengestell bevorzugt, stets mit der schnelllebigen Mode mitgehen will und auch bei den Gläsern höhere Ansprüche stellt, sollte das Geld dafür mit Zinsen ansparen und kann ebenfalls auf die Versicherung verzichten. Allein wer auf die zusätzliche Sonderleistung setzt, kann Geld sparen. Somit ist dieses Produkt in erster Linie ein Marketinginstrument für den Optiker und für die Versicherungsgesellschaft zur Gewinnung neuer Kunden.
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