Studienergebnisse legen Verzicht nahe
Schneller als die Wissenschaft versucht die Industrie die Wirksamkeit von ACE-Produkten zu belegen. Angeblich sollen sie vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, das Immunsystem stärken, vorzeitiges Altern verhindern und sogar Krebs vorbeugen. Eine umfangreiche britische Langzeitstudie (Heart Protection Study) mit über 20.000 Teilnehmern hat allerdings schon 2000 gezeigt, dass eine ACE-Aufnahme zwar nicht schadet, aber auch nach fünfjähriger Einnahme wirkungslos blieb.
Eine neuere Auswertung von sehr vielen Interventionsstudien (Metaanalyse, JAMA 297, 842ff, 2007) mit über 230.000 Teilnehmern ergab jedoch signifikante Unterschiede in der Sterberate. Danach kann sich die Lebenszeit durch die regelmäßige Einnahme von Vitamin A, Beta-Carotin und Vitamin E in Form von Nahrungsergänzungsmitteln verkürzen. Die Untersuchung ermittelte keine schädliche, aber eben auch keine nützliche Wirkung bei Vitamin C und Selen.
In einer
Studie der Universität Jena wurde 2009 sogar festgestellt, dass die Einnahme von Antioxidantien in Form von Vitamin C und E die gesundheitsfördernde Wirkung von körperlicher Bewegung unterdrückt. Die Verfasser befürchten zudem, dass das Risiko steigt, an Diabetes zu erkranken. Bei einem Vergleich von ACE-Drinks mit nicht angereicherten Säften, stellten Forscher der Bonner Universität fest, dass viele Säfte von Natur aus gleich hohe oder sogar höhere Antioxidantien-Werte aufwiesen. Spitzenreiter waren Johannisbeernektar und roter Traubensaft.
Erhöhtes Risiko für Raucher
Antioxidativ wirkende Vitamine haben die Eigenschaft, aggressive Stoffe im Körper, so genannte "freie Radikale", unschädlich zu machen. Bestehende Krankheiten können jedoch durch sie nicht geheilt werden. Vor allem Rauchern kann die Aufnahme von ACE-Getränken nicht empfohlen werden, da sich das Lungenkrebsrisiko nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (bfr) durch das zugesetzte Betacarotin noch erhöht. Besser ist es, zu jeder Mahlzeit reichlich Gemüse und Obst zu essen. Fertigprodukte sollten nach Meinung des Bundesinstituts für Risikobewertung überhaupt nicht mit Beta-Carotin angereichert werden.
Von großer Bedeutung: Sekundäre Pflanzenstoffe
Übrigens weiß man inzwischen, dass die sekundären Pflanzenstoffe die antioxidative Wirkung der genannten Vitamine noch um ein Vielfaches übertreffen und steigern können. Sekundäre Pflanzenstoffe haben in Gemüse, Obst oder Getreide häufig die Funktion von Botenstoffen, sind aber auch als Abwehrstoffe, zum Beispiel gegen Insekten, bekannt. Für den Menschen können einzelne Stoffe kreislaufanregend, verdauungs- oder gesundheitsfördernd sein. Nach gängiger wissenschaftlicher Meinung ist dafür aber nicht allein die Aufnahme einzelner sekundärer Pflanzenstoffe entscheidend, sondern die gesamte Ernährungsweise, also eine an Getreide, Gemüse und Obst reiche Kost. Wahrscheinlich sinkt bei hohem Konsum von Gemüse und Obst die Häufigkeit bestimmter Krebserkrankungen.
➜ Tipp: Der Gehalt an wertvollen Nährstoffen ist übrigens bei Freilandgemüse höher als bei Treibhausware. Deshalb: Gemüse und Obst der Saison bevorzugen!

