Die Werbung
Goji-Beeren werden gerne als wahre Gesundheits- und Anti-Aging-Sensation angepriesen. Sie sollen Energie spenden, das Herz-Kreislauf-System unterstützen, das Immunsystem stärken, bei Bluthochdruck und Schlafproblemen helfen, optimalen Zellschutz bieten, Schäden durch freie Radikale neutralisieren und "im ewigen Kampf gegen zu frühes Altern durch Stress und Umwelteinflüsse" beistehen. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 10-20 Gramm getrockneter Früchte täglich.
Die Wirklichkeit
Untersuchungen kommen in der Regel aus China, beschäftigen sich vor allem mit dem antioxidativen Potenzial der Beeren. Dieses soll zirka 15mal höher sein als das von grünem Tee. Im Internet wird häufig von einem sehr hohen Vitamin-C-Gehalt, 18 enthaltenen Aminosäuren und 21 Spurenelementen berichtet. Tatsächlich ist es jedoch sehr schwierig, verlässliche Quellen für die Zusammensetzung der Nährstoffe zu finden; die großen internationalen Datenbanken führen Goji-Beeren nicht auf. Nach verschiedenen Internetquellen sollen die getrockneten Beeren 29-148 Milligramm (mg) Vitamin C pro 100 Gramm (g) enthalten; mit diesem für Trockenfrüchte sehr hohen Wert wären sie vergleichbar mit frischen Orangen (50 mg), Erdbeeren (53 mg) oder Schwarzen Johannisbeeren (177 mg). Betrachtet man den Vitamingehalt im Verhältnis zur Energiemenge - zirka 300 Kilokalorien (kcal) pro 100 Gramm für getrocknete Goji gegenüber 39 kcal/100 g bei schwarzen Johannisbeeren - so geht der Vergleich klar zugunsten der frischen hiesigen Früchte aus.
Achtung: Pestizide
Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart hat
Untersuchungen veröffentlicht, wonach Goji zu den Obstsorten mit höherer Pestizidbelastung zählt. Die Bilanz: Alle (!) Proben mussten wegen Überschreitung der Höchstmenge des Insektizids Acetamiprid beanstandet werden. Jedoch wurde bei keiner Probe die so genannte akute Referenzdosis überschritten, d.h. dass keine der untersuchten Goji-Proben aufgrund der festgestellten Rückstände als gesundheitlich bedenklich einzustufen war. Das Amt rät auch zur Vorsicht bei Qualitätsangaben: Bei 2 von 7 Proben wurden die Angaben "bio" bzw. "wilde Goji-Beeren unbehandelt" in Frage gestellt. Da in in allen 7 untersuchten Proben Rückstände von durchschnittlich zehn Wirkstoffen mit teils hohen Rückstandskonzentrationen nachgewiesen wurden, ist bei diesen Proben nicht von wild gesammelten, sondern von Beeren auszugehen, die unter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln angebaut wurden.
Unsere Empfehlung
Hier verkaufte Goji-Beeren stammen in der Regel aus China. Wer die Trockenfrüchte kaufen möchte, sollte sich vom Verkäufer zusichern lassen, dass der Importeur jede Charge auf Pestizide und Schwermetalle untersuchen lässt. Alternativ können Goji-Beeren auch im eigenen Garten angebaut und geerntet werden. Die frostresistenten Bocksdorn-Sträucher gedeihen bei uns gut – früher wurde sie viel als Heckenpflanzen eingesetzt - und sind im Fachhandel erhältlich.Bei Säften sollte vor allem auf den tatsächlichen Goji-Fruchtanteil geachtet werden; häufig ist dieser recht gering. Der hohe Preis der Produkte beruht in erster Linie aus der Vermarktung als exotisches bzw. Wundermittel.

