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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Sachsen

13.03.2009
Abschied vom Rollmops?

Seefisch: Lösung zwischen Überfischung und Ernährungsempfehlung gesucht

"Liest man den neu erschienenen Bericht der Welternährungsorganisation FAO zum Zustand der weltweiten Fischerei, möchte man keinen Seefisch mehr essen", meint Dr. Birgit Brendel, Ernährungsreferentin der Verbraucherzentrale Sachsen. Die meisten Bestände der zehn wichtigsten Fischarten, die etwa 30 % der Seefischereiproduktion ausmachen, werden bis an die Grenzen ihrer biologischen Belastbarkeit und darüber hinaus befischt. Dazu gehören neben dem Atlantischen Hering, Thunfisch- und Sardellenarten und Stachelmakrele. Im Nordostatlantik, im westlichen Indischen Ozean und im Nordwestpazifik sind bis zu 80 % der Fischbestände bis an das biologische Limit ausgebeutet. Insgesamt beziffert die FAO den Anteil der überfischten bzw. erschöpften Seefischbestände mit 25 – 30 % und die voll ausgeschöpften Populationen mit etwa 50 %. Nur noch ein Fünftel der wirtschaftlich genutzten Bestände werden moderat genutzt.

"Dem gegenüber steht die Empfehlung, wöchentlich 150 – 200 g Seefisch zu verzehren, da vor allem fetter Seefisch reich an lebensnotwendigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist", bekräftigt Brendel. Noch wichtiger ist aber, dass Fisch in weiten Teilen der Welt ein unersetzlicher Lieferant für tierisches Eiweiß ist. Die Nachfrage nach Fisch hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt.

Einen Lösungsansatz für das Dilemma, in dem sich gesundheits- und umweltbewusste Konsumenten befinden, bietet das Marine Stewardship Council. Diese international tätige Organisation erarbeitet Standards zur nachhaltigen, bestandserhaltenden Fischerei. Unternehmen, die diese Standards einhalten, können sich zertifizieren lassen und ihre Produkte mit dem blauen MSC-Siegel kennzeichnen. Damit haben Verbraucher einen verlässlichen Hinweis darauf, dass der Fisch aus umweltschonender Fischerei stammt.

"Das verantwortungsbewusste Verhalten der Konsumenten allein genügt jedoch nicht", meint Brendel, "zielgerichtetes Handeln der politisch Verantwortlichen ist gefordert, ökologisch nachhaltiger Fischerei oberste Priorität einzuräumen." Das gilt sowohl für die gegenwärtig diskutierte Reform 2012 der Gemeinsamen Fischereipolitik in der europäischen Union als auch für die weltweite Umsetzung der FAO Empfehlungen. Fischereipolitik muss sowohl den Schutz und die Erhaltung der marinen Umwelt sicher stellen als auch ein Fischereimanagement, das nachhaltig für Nahrung und Existenzsicherung sorgt. Schließlich sollen unsere Enkel und Urenkel "Rollmops" nicht im Lexikon untergegangener Wörter nachschlagen müssen.


Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Sachsen e.V., Brühl 34-38, 04109 Leipzig
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-sachsen.de/link548641A.html