13.03.2009 / Sitzende Gesellschaft sollte wieder in Fahrt kommen
Heutzutage hat "jeder sein Kreuz zu tragen" und bekommt dabei nicht selten Rückenschmerzen. Etwa 80 Prozent der deutschen Bevölkerung klagt über Beschwerden im Kreuz. Somit gehören Rückenbeschwerden mittlerweile zur Volkskrankheit Nummer 1 und zu den häufigsten Ursachen für Krankschreibungen.
Ein wesentlicher Grund für Rückenbeschwerden ist die einseitige oder falsche Belastung. Dies kann durch das fehlerhafte Tragen schwerer Lasten, durch eine falsche Matratze und vor allem durch mangelnde Bewegung der Fall sein.
"Letzteres ist vor allem darauf zurückzuführen, dass wir uns in einer sitzenden Gesellschaft befinden", meint Dr. Katharina Kitze von der Beratungsstelle Leipzig der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland. So verbringen rund 17 Millionen Menschen in Deutschland ihren Arbeitsalltag im Büro am Schreibtisch. Doch das ist noch nicht alles: Vom Arbeitsplatz geht es dann - ebenfalls sitzend - mit dem Auto oder mit der Bahn nach Hause. Und zu Hause sitzen wir unsere Freizeit vor dem Fernseher oder dem Computer ab. So kommen pro Tag schnell 14 Stunden im Sitzen zusammen.
Warum verbringen wir gern und viel Zeit im Sitzen? Weil es uns so bequem erscheint. Ein trügerischer Eindruck, denn Sitzen bedeutet für den menschlichen Körper, vor allem für die Wirbelsäule, harte Arbeit. Das Sitzen beansprucht die Wirbelsäule erheblich mehr als Stehen oder Gehen, weil sie dadurch aus der "Form" kommt und nicht mehr die natürliche Doppel-S-Form beibehält. Der Mensch ist eigentlich für Bewegung geschaffen, also für den Wechsel zwischen Gehen, Stehen, Liegen und Sitzen.
"Wichtig ist es deshalb, sich Bewegungspausen zu verschaffen", empfiehlt Kitze. So sollte man – wenn möglich – mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Im Büro können das Telefonieren oder eine Besprechung auch im Stehen erledigt werden. Und die Mittagspause lädt bei schönem Frühlingswetter zu einem Spaziergang an der frischen Luft ein.
Um Rückenschmerzen zu vermeiden, sollte man aber besonders im Sitzen darauf achten, dass die Wirbelsäule ihre natürliche Form einnimmt. Möglich wird diese Haltung, indem man im Sitzen das Becken leicht nach vorn kippt, wodurch sich der Brustkorb aufrichtet und die Halswirbelsäule streckt – man also gerade sitzt. Wichtiger noch ist das aktive und dynamische Sitzen. Empfehlenswert ist es deshalb, öfter die Sitzposition zu wechseln. Jede noch so kleine Bewegung ist für die Bandscheiben, unsere Stoßdämpfer zwischen den Wirbeln gut. Denn nur durch Bewegung können sie Wasser aufnehmen und sich selbst ernähren.
Noch ein Tipp: Von den meisten Krankenkassen werden Bewegungskurse oder Seminare zur Rückenschule angeboten. Auch weitere Gesundheitskurse wie Entspannungsverfahren und Abnehmkurse können in Anspruch genommen werden. An den Kosten beteiligen sich viele Krankenkassen auf Antrag durch einen Zuschuss.
Weitere Informationen gibt die Unabhängige Patientenberatung in Leipzig. Die Beratungen sind kostenlos.
Die Verbraucherzentrale Sachsen und der Sozialverband VdK Sachsen sind die Träger der Regionalen Beratungsstelle Leipzig der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland.
