Verbraucherzentrale Sachsen rät von fragewürdigen Schönheitsoperationen auf Kredit ab
Schöne Menschen haben mehr Erfolg - sagt man. Unabhängig von der Fragwürdigkeit dieser Aussage, haben Brustvergrößerungen, Lid- und Bauchdeckenstraffungen oder Faceliftings wohl auch deshalb Konjunktur.
Interessierte müssen dafür tief in ihre Geldbörse greifen. Zu Recht übernehmen Krankenkassen grundsätzlich nicht die Kosten für solche Schönheitsoperationen. Da der angesprochene Personenkreis das erforderliche Geld oft nicht zur Verfügung hat, wird von den Anbietern gleich eine Finanzierung mit offeriert. "Dass der Deutsche ÄrzteService in diesem Zusammenhang für eine Kreditaufnahme Werbung macht, können wir nicht gutheißen", kritisiert Andrea Hoffmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen.
"Traumbusen für 2999 Euro oder für bequeme 78 Euro im Monat – Ein schöner Busen ist keine Frage des Preises. Schönheits-Chirurgie muss auch in Sachsen nicht teuer sein", so warb die DS Deutscher Ärzte Service GmbH (Würzburg) jüngst in der Hoyerswerdaer Ausgabe des kostenlosen Wochenkuriers. "Als Partnerbank fungiert die Karstadt Quelle Bank, die in diesem Zusammenhang mit Zinsen über 9 Prozent nicht gerade günstig ist", schätzt Andrea Hoffmann ein. So verlangt sie beispielsweise für ein Darlehen über 3000 Euro bei einer Laufzeit von 48 Monaten aktuell einen effektiven Jahreszins von 9,9 Prozent pro Jahr. Das heißt, dass der "Schönheitskredit" insgesamt 537 Euro Zinsen und 110 Euro Bearbeitungsentgelt kosten würde. Außerdem würde wohl meistens noch ein Betrag von 156 Euro für eine Restschuldversicherung anfallen. Schließlich werden sich auf die Frage "Wünschen Sie einen Kreditschutz nur im Todesfall oder komplett inklusive Arbeitsunfähigkeit?" nur wenige Antragsteller für die Auswahloption "Ich trage alle Risiken selbst" entscheiden. Dabei ist eine solche Restschuldversicherung in erster Linie ein gutes Geschäft für die Bank und den Versicherer.
"Ärzte sollten Wünsche nach medizinisch nicht notwendigen Schönheitsoperationen weder direkt noch indirekt über Vermittler wecken", sagt Hoffmann. Gerade junge Leute hängen oft fragwürdigen Schönheitsidealen nach und wischen die Risiken, die mit einem solchen Eingriff einhergehen, leicht vom Tisch. Die Kreditaufnahme ist immer ein weiteres, finanzielles Risiko. "Außerdem wird - von vielleicht einer Branche abgesehen - beruflicher Erfolg nicht von einem Traumbusen abhängen", denkt Hoffmann. Dafür ist es sicher sinnvoller, in Bildung zu investieren, notfalls auch mit einem Bildungskredit.
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