Bisher 11 Millionen Mal Kontakt zur Verbraucherzentrale gesucht
"Haltet die Augen offen, die Einkaufsbeutel und Geldbörsen aber geschlossen", lautete der wichtigste Tipp der Verbraucherzentrale Sachsen 1990, im Jahr ihrer Gründung. Inzwischen konnte die Verbraucherzentrale am 5. April auf 20 Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken.
Statistisch gesehen hat jeder Bürger im Freistaat die Verbraucherzentrale Sachsen in den zwei Jahrzehnten ihres Bestehens schon mehr als zwei Mal besucht. Gegenüber dem Gründungsjahr 1990 ist die Zahl der Gesamtkontakte mit über 1,3 Millionen allein im letzten Jahr heute weit mehr als dreißig Mal höher als damals. Insgesamt 11 Millionen Besucher schrieben so bisher gemeinsam mit ihrer Verbraucherzentrale sächsische Verbrauchergeschichte.
Nachdem die ersten Jahre trotz Finanzierungsunsicherheiten gemeistert waren, begann die Verbraucherzentrale dann auch mutig ihr Leistungsangebot zu erweitern. Neben den vielen Rechtsfragen des Alltags wie zu ungewollten Zeitschriftenabonnements oder zu Käufen von Lamadecken auf Kaffeefahrten, zu Geld, Versicherungen und Energiefragen, kamen schließlich auch Beratungsangebote zur gesunden Ernährung und zum schonenden Umgang mit der Umwelt hinzu. Wenige Jahre später folgte die Verbraucherzentrale dem Trend der Zeit und bot aktuelle Verbraucherinformationen zusätzlich auf ihrer neu eingerichteten Homepage an.
"War es in den Anfangsjahren noch die alte DDR-Mentalität der unbegrenzten Vertrauensseligkeit, die uns besonders zu schaffen machte", so Geschäftsführer Joachim Betz, "wollen wir den Menschen heute behilflich sein, wenn Gasversorger Nebelkerzen werfen, wenn Strompreise zu überspannten Nerven führen, wenn ‚Gratis’ im Internet plötzlich teuer wird, persönliche Daten ungehindert feilgeboten werden oder Weißkittel in der Grauzone operieren und der Gesundheitsmarkt uns krank macht."
Der Slogan der Verbraucherzentrale "Wer fragt – gewinnt" steht darüber hinaus auch für engagierte Verbraucherinteressenvertretung: Neben insgesamt 160 Abmahnungen gegenüber Anbietern, die auf dem Markt übel tricksen wollten, stehen 68 Verfahren - darunter auch vor dem Bundesgerichtshof - mit denen die Verbraucherzentrale erfolgreich war.
So ist es nicht zuletzt auch dem konsequenten Handeln der Verbraucherzentrale Sachsen, die Sammelklagen hunderter Gaspreisrebellen koordinierte, zu verdanken, dass den ehemaligen Monopolisten im Energiemarkt der Saft für einseitige Preisfestsetzungen und den Wettbewerb hemmende Durchleitungsentgelte zunehmend abgedreht wurde. Mit ihrem Einsatz sorgt die Verbraucherzentrale für mehr Transparenz bei Tarifen und Wechselmodalitäten.
Ganz gleich, ob akuter Beistand oder vorausschauender Rat gefragt ist, seit zwei Jahrzehnten hat sich die Verbraucherzentrale Sachsen mit einem Mix aus Information, Beratung und Verbraucherinteressenvertretung rund um den Verbraucheralltag als unverzichtbare Anlaufstelle für Ratsuchende etabliert. Wo die Einzelfallberatung nicht ausreicht, wird auch öffentlich gewarnt – im Jahr 2009 beispielsweise mit rund 580 Pressemitteilungen und mit Hilfe von mehr als 2.000 Interviews. Hinzu kamen im letzten Jahr noch über 11.300 gut besuchte Vorträge zu brennenden Fragen im Verbraucheralltag.
Und wer sich gern selbst informiert, findet in einer Auswahl von derzeit rund 130 Ratgebern genau die Informationen zu Fragen, die ihm auf den Nägeln brennen – darunter auch zu Themen, die nicht zum Beratungsangebot der Verbraucherzentrale gehören.
Herzstück der erfolgreichen Verbraucherarbeit ist das stabile Netz von insgesamt 13 Beratungseinrichtungen, 5 Beratungsnebenstellen und 28 Energieberatungsstützpunkten.
Verbraucherschutz berührt heute viele, im Grunde alle Lebensbereiche der Konsumenten und macht das Verbraucherdasein zum Vollzeitjob, aber Verbraucher nicht automatisch zu Experten auf allen Märkten. Verbraucherschutz richtig verstanden, zielt darauf ab, Konsumenten in die Lage zu versetzen, selbstständig souveräne Entscheidungen am Markt zu treffen – im Idealfall auf Augenhöhe mit der Wirtschaft. "Aber dieses marktwirtschaftliche Gleichgewicht stellt sich nicht von selbst ein", so Betz. "Ohne starke Verbraucherorganisationen, die Konsumenten mit Rat und Tat zur Seite stehen, sind häufig Fehlentscheidungen vorprogrammiert, die dem privaten Geldbeutel aber auch dem Gemeinwohl schaden." Immerhin verlangte die Finanzmarktkrise erst jüngst nach akuter Brandbekämpfung. Am Kundenbedarf vorbei und getrieben vom eigenen Provisionsinteresse brachten Bankberater und Finanzdienstleister viele Menschen um ihr Erspartes und ihre Altersvorsorge.
Nach einer Studie des Bundesverbraucherschutzministeriums setzen Verbraucher aufgrund mangelhafter Finanzberatung jährlich bis zu 30 Milliarden Euro in den Sand. "Verbraucher sollten weniger überfordert werden, Märkte müssten aktiv kontrolliert und politische Maßnahmen auf die Folgen für die Verbraucher hin überprüft werden, dann würde die Welt anders aussehen", so der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale. "Deshalb ist es gut, dass wir in Vorbereitung neuer gesetzlicher Regelungen in Sachsen auch ein gefragter Ansprechpartner für die Politik im Freistaat sind."
Nach einer im Jahre 2008 im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes durchgeführten repräsentativen Verbraucherbefragung können die rund 80 Mitarbeiter der Verbraucherzentrale Sachsen vor allem mit Kompetenz und Freundlichkeit punkten und belegen damit unter den Verbraucherzentralen bundesweit den 2. Platz. Bei der Kategorie "Zufriedenheit mit dem Ergebnis der Beratung" wurde der Spitzenplatz erreicht. "Das ist zugleich Ausdruck für die hohe Wertschätzung unserer Dienstleistung Verbraucherberatung", so Betz.
An neuen Themen und Aufgaben wird es auch künftig nicht mangeln. Im Fokus stehen dabei vor allem Probleme mit der digitalen Welt. Auch auf dem Gesundheitsmarkt wird es für Verbraucher nicht leichter. Patienten werden immer stärker zu Kunden, die zunehmend selbst entscheiden müssen, ob sie für medizinische Leistungen zahlen oder nicht. Außerdem wird sich im zweiten Halbjahr dieses Jahres die Homepage der Verbraucherzentrale Sachsen in einem neuen Gewand und mit neuem Anspruch zeigen. Im Verbund mit den anderen Verbraucherzentralen in Deutschland bietet sie dann auf einer Plattform nicht nur fachlich fundierte, tagesaktuelle Informationen an, sondern ermöglicht auch Beteiligungen und Interaktionen für Verbraucher.
"Die Verbraucherzentrale ist Marktwächter, Kontrolleur und Lotse im Verbraucheralltag", informiert Betz. "Aufgrund zunehmend intransparenter und unübersichtlicher Märkte ist ein Ausbau der Verbraucherzentrale Sachsen auch weiterhin auf der Tagesordnung."
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