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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Sachsen

28.09.2010
"Ohne Zusatzstoffe" – Clean Label Werbung kritisch betrachten

Eine Untersuchung der Verbraucherzentralen zeigt: Werbung mit natürlichem Image ist oft Augenwischerei

Der Verzicht auf Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, Farb- und Konservierungsstoffe liegt in der Lebensmittelproduktion voll im Trend. Hersteller verpassen Getränken, Milchprodukten, Tiefkühlkost und Fertiggerichten durch ein weitgehendes "Nein" zur Chemie ein natürliches Image und machen dies auf ihren Produkte mit so genannten "Clean Labels" (saubere Etiketten) deutlich.
"Doch die mit knappen Verzichtserklärungen gekennzeichneten Lebensmittel sind oft nicht so sauber und ursprünglich, wie dies auf der Verpackung suggeriert wird", kritisiert Anne-Katrin Wiesemann von der Verbraucherzentrale Sachsen. Vielfach werden missliebige Zutaten kurzerhand durch scheinbar unverfängliche ersetzt. Zu diesem Ergebnis kommen die Verbraucherzentralen nach einer Überprüfung von 151 mit Clean Labels ausgezeichneten Produkten.
Spezielle Angaben auf der Verpackung - wie "ohne Geschmacksverstärker" oder "ohne Farbstoffe" - sollen Konsumenten auf einen Blick deutlich machen, dass es sich um ein möglichst natürlich hergestelltes Lebensmittel handelt. Doch bei den meisten so beworbenen Produkten werden die künstlichen Stoffe einfach durch andere Zutaten ersetzt, die eine ähnliche Wirkung haben, jedoch nicht als Zusatzstoffe gekennzeichnet werden müssen.

Beispielsweise wurde bei 74 Produkten der Verzicht auf Geschmacksverstärker deklariert. Stattdessen sorgten bei 92 % der so beworbenen Produkte andere geschmacksverstärkende Zutaten - zum Beispiel Hefeextrakte - für die erforderliche Würze. Hefeextrakte enthalten ebenfalls den Geschmacksverstärker Glutamat, was jedoch nicht angegeben werden muss.
Rund zwei Drittel der Lebensmittel, die den Verzicht auf Farbstoffe auslobten, erhielten ihr Aussehen ausdrücklich nicht durch künstliche Farbstoffe, sondern durch andere Ingredienzien - etwa durch Rote-Bete-Saft oder Spinat, stellten die Verbraucherzentralen fest.
Der Wildwuchs an verwendeten Formulierungen (59 unterschiedliche Bezeichnungen bei 151 Produkten), die allesamt auf den Verzicht von Chemie hindeuten, ist für Verbraucher höchst verwirrend.
Fazit des Clean-Labeling-Checks der Verbraucherzentralen: Es müssen klare rechtliche Regelungen für die Gestaltung und Verwendung von Clean Labels geschaffen werden. So sollte auf einer Verpackung etwa die Angabe "ohne Geschmacksverstärker" nur dann zulässig sein, wenn weder Geschmacksverstärker noch Ersatzstoffe in der Herstellung verwendet werden.
Den Bericht "Ohne Zusatzstoffe - Clean Labeling: Werbeaussagen kritisch beleuchtet" gibt es als kostenlosen Download unter www.verbraucherzentrale-sachsen.de/Ernährung/Downloads.


Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Sachsen e.V., Brühl 34-38, 04109 Leipzig
Sie finden es im Internet unter: http://www.verbraucherzentrale-sachsen.de/link805261A.html