Hochwasserkatastrophe: Wichtige Fragen und Antworten für Betroffene

Stand:

In Teilen Deutschlands sind bei den Unwettern vom Juli 2021 große Schäden entstanden. Keller sind vollgelaufen, Autos davongetrieben und teils ganze Häuser zerstört worden. Wir zeigen, wo es Hilfe gibt und welche Schritte nun wichtig sind.

Menschen räumen Schlamm von der Straße.
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Wer bietet Hilfe und Informationen?

Sollten Sie von der Hochwasser-Lage betroffen sein, können Sie sich für Hilfestellungen und weitere Informationen an die folgenden Stellen wenden.

Erste Beratung und Hilfestellung

Als erste Anlaufstelle haben viele Gemeinden Beratungshotlines für Betroffene eingerichtet. Wenden Sie sich am besten an eine lokale Stelle, um weitere Informationen zu erhalten

Übersicht der Hilfsangebote

Unterkunft

Wenn Ihre Unterkunft durch das Wasser nun unbewohnbar ist und Sie nicht bei Verwandten oder Bekannten unterkommen können, versuchen viele Kommunen Notunterkünfte anzubieten.

Informieren Sie sich in Ihrer Kommune zu möglichen Notunterkünften.

Suche nach Vermissten

Können Sie Verwandte oder Bekannte seit dem 14. Juli nicht mehr auffinden?

Wenden Sie sich direkt an die Polizei, um die Person als vermisst zu melden. 

Wie melde ich einen Versicherungsfall?

Ihren Versicherungsfall können Sie telefonisch, per E-Mail, per Fax oder klassisch per Postbrief melden.

Alle Meldungen sollten Sie sorgfältig dokumentieren: Speichern Sie alle elektronischen Schreiben sehr sorgfältig an einem einzigen gemeinsamen Ort ab. Heften Sie alle schriftlichen Dokumente ebenfalls sehr sorgfältig an einem einzigen gemeinsamen Ort ab.

Bei einer telefonischen Meldung notieren Sie unbedingt Folgendes:

  • Telefonnummer, Datum und Zeitpunkt des Anrufs
  • Name der Person, die Ihren Anruf entgegennimmt
  • Name der Personen, die den Anruf für Sie bezeugen können
  • Schadensfallnummer, unter dem Ihr Fall geführt wird - lassen Sie sich diese Nummer von Ihrem Telefonpartner ausdrücklich diktieren und bestätigen

Bei einer Meldung per E-Mail:

  • Fertigen Sie eine Kopie Ihrer E-Mail an.
  • Wenn Sie eine automatisierte Antwort erhalten, speichern Sie auch diese, denn diese enthält in der Regel die erste Schadensfallnummer und den Nachweis, wann sie den Schadensfall gemeldet haben.
  • Fertigen Sie auch Kopien aller weiteren E-Mails an und speichern Sie sie sehr sorgfältig an einem Ort, an dem sie sie immer wieder finden.

Bei einer Meldung per Fax:

  • Speichern Sie eine Kopie des Faxausdrucks und fertigen sind sie dazu eine Kopie des Sendeberichts an.

Bei einer Meldung per Briefpost:

  • Dies ist die langsamste Art und Weise der Schadensmeldung und Sie sollten unbedingt zumindest die Versandart "Einwurfeinschreiben" wählen. Lassen Sie sich dazu von der Poststelle einen Kassenbeleg / eine Bestätigung über den Versand ausstellen und heften Sie diese(n) sehr sorgfältig zusammen mit allen anderen Schreiben ab.

Was tue ich, wenn ich keine Versicherungsunterlagen mehr habe?

Ihre Versicherungsverträge sind im Schlamm oder in den Fluten versunken? So erhalten Sie Kopien und/oder Ersatzverträge:

Wenn Sie den Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler noch wissen

Wenn Sie Ihre Verträge über einen Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler abgeschlossen haben, so rufen Sie in seinem Büro an und erbitten Sie Kopien aller Verträge.

Zum Nachweis Ihres Telefonats notieren Sie unbedingt Folgendes:

  • Telefonnummer, Datum und Zeitpunkt des Anrufs
  • Name der Person, die ihren Anruf entgegennimmt
  • Name der Personen, die den Anruf für Sie bezeugen können

Wenn Sie nicht mehr wissen, wen Sie ansprechen können

Wenn Sie den Namen der Versicherung nicht mehr wissen oder keine Kontaktdaten haben, lassen Sie sich von Ihrer Bank Kopien Ihrer Kontoauszüge für den Zeitraum erstellen, in welchem Sie üblicherweise Ihre Versicherungsbeträge zahlen. So haben Sie die Daten der Verträge im "Verwendungszweck" und können sich nun direkt an Ihre Gesellschaft wenden.

Wenn Sie nur noch den Namen Ihrer Versicherung wissen, aber keine Kontaktdaten haben, so finden Sie unter https://www.gdv.de/de/ueber-uns/unsere-mitglieder/versicherungsunternehmen die Adressdaten aller Gesellschaften, die im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft organisiert sind. So können Sie den Kontakt zu "Ihrer" Gesellschaft aufnehmen und Kopien Ihrer Verträge anfordern.

Wie weise ich den entstandenen Schaden nach?

  1. Zuerst sollten Sie die Schäden mindern – soweit dies möglich ist: Betroffene sind verpflichtet, den Schaden so gering wie möglich zu halten und alles zu unternehmen, was möglich und zumutbar ist, um Hausrat und Gebäude vor weiteren Schäden zu bewahren. Vor dem Aufräumen sollten Sie alles fotografieren, besser noch filmen.
  2. Erstellen Sie dann eine Schadensliste und dokumentieren Sie Schäden: Unmittelbar nach dem Schadensfall sollten Sie eine vollständige Liste aller zerstörten oder beschädigten Gegenstände erstellen. Falls vorhanden, sollten Sie Einkaufsbelege hinzufügen. Falls Sie keine mehr haben, können Sie den Zeitpunkt der Anschaffung und den ungefähren Neupreis aus dem Gedächtnis aufschreiben. Soweit das möglich ist, sollten Sie keine beschädigten Sachen wegwerfen. Auf jeden Fall sollten Sie vor dem Wegwerfen alle Beschädigungen, Zerstörungen etc. fotografieren oder filmen.
  3. Kontaktieren Sie den Versicherer und fragen Sie nach dem weiteren Vorgehen: Der Kontakt zur Versicherung sollte möglichst schriftlich erfolgen. Eine E-Mail oder ein Fax genügen. Wichtig ist, dass der Versicherer eine Eingangsbestätigung sendet - bitten Sie ihn in Ihrem Schreiben darum. Als Betroffener sollten Sie die Schadensmeldung sorgfältig dokumentieren. Bewahren Sie bei einem Fax unbedingt den Sendebericht auf. Müssen die Verhandlungen ausnahmsweise doch telefonisch erfolgen, sollten Sie am besten vor Zeugen telefonieren. Bei telefonischen Leistungszusagen ist es wichtig, den Namen des Sachbearbeiters, seine telefonische Durchwahl sowie Tag und Zeitpunkt des Anrufs zu notieren. Es ist ratsam, alle Unterlagen, die an die Versicherung gesendet werden, vorher zu kopieren.
  4. Schadensbegutachtung durch die Versicherung: Der Versicherer wird Ihnen mitteilen, ob Sie selbst einen Handwerker beauftragen sollen oder ob die Versicherung erst jemanden vorbeischicken will. Oft wird der Versicherer einen "Regulierer" vorbeischicken, der sich den Schaden anschaut: Sie sollten wissen, dass dieser kein unabhängiger Gutachter ist, sondern vom Versicherer bezahlt wird und dessen Interessen vertritt.
  5. Auf Abschlagszahlung drängen: Betroffene sollten sich mit der Schadensregulierung nicht vertrösten lassen. Wenn alle Unterlagen vorgelegt sind, können Sie spätestens einen Monat nach Schadensanzeige eine Abschlagszahlung verlangen. Dies ist in Paragraf 14 Absatz 2 des Versicherungsvertragsgesetzes geregelt. Übrigens: Die Hausrat- und Wohngebäudeversicherung übernimmt bei beschädigten Gegenständen die Reparaturkosten. Sollte der vorherige Zustand nicht vollständig wiederhergestellt werden können, gibt es außerdem noch einen Anspruch auf Ausgleich der verbliebenen Wertminderung.

Inzwischen hat der erste Versicherer mitgeteilt, dass er unkompliziert Abschlagszahlungen vornehmen wird, die Anforderungen an die Schadensdokumentation reduziert und Meldefristen aufhebt. Das zerstörte Hab und Gut könne sofort entsorgt werden. Falls noch nicht geschehen, sprechen Sie dies mit Ihrem Versicherer ab.

Was mache ich, wenn der Gutachter nicht kommt?

In Schadensfällen mit einer Vielzahl von Betroffenen, kommt es immer wieder zu Verzögerungen bei der Bearbeitung, weil zum Beispiel keine Gutachter vor Ort sind. Es ist Ihnen aber nicht zuzumuten, etwa wochenlang ohne Warmwasserversorgung auszuharren. In diesem Fall sollten Sie selbst folgende Schritte unternehmen:

Beauftragen Sie eine Fachfirma, den Schaden sorgfältig festzustellen und schriftlich zu dokumentieren. Wichtig ist, dass bestätigt wird, dass der Schaden durch das versicherte Ereignis hervorgerufen wurde. Dass also zum Beispiel die Schlammmassen den Heizofen zerstört haben.

Die Rechnung für diese Feststellungen können Sie später im Rahmen der Abwicklung mit der Versicherungsgesellschaft geltend machen.

Wenn Sie diesen Schadensnachweis in Händen haben, können Sie auf jeden Fall die unaufschiebbaren Notreparaturen durchführen lassen.

Wenn eine Notreparatur nicht möglich ist bzw. nur eine Vollreparatur Sinn ergibt, sollten Sie dies der Versicherungsgesellschaft mitteilen.

Beschwerdepostfach-Banner

Wurde Ihr berechtigter Schadensanspruch von der Versicherung abgelehnt? Schildern Sie uns Ihren Fall.

Natürlich kann es bei der Bearbeitung der Versicherungsfälle derzeit zu Verzögerungen kommen. Sollte Ihre Versicherung aber aus Ihrer Sicht berechtigte Schadensersatz-Ansprüche ablehnen, können Sie sich gerne über unser Beschwerdepostfach an uns wenden.

Nutzen Sie unser kostenloses Beschwerdeformular >>


Was mache ich, wenn ich keine Elementarschadenversicherung bekommen habe?

Bekommen Sie keine Versicherung, sollten Sie grundsätzlich die Ablehnungsschreiben der Versicherungsunternehmen aufheben. Häufig erhält man im Falle eines solchen Schadensereignisses Staatshilfen nur dann, wenn kein Versicherungsschutz zu bekommen war.

Falls Sie Ablehnungsschreiben von früheren Versuchen nicht mehr haben, sollten Sie es nochmals versuchen und ablehnende Schreiben aufbewahren.

Einige Versicherungen haben nach der aktuellen Hochwasserkatastrophe mitgeteilt, dass sie betroffenen Kunden keine Kündigungen aussprechen werden. Sie wollen außerdem möglichen Neukunden trotz eines aktuellen Vorschadens Angebote für einen Versicherungsschutz abgegeben. Wie hoch die Beiträge für eine solche Versicherung ausfallen, sollten Sie sich dann allerdings genau ansehen.

Was können Sie tun bei Unwetterschäden am Auto?

Hat das Unwetter Schäden am Auto verursacht, muss zumindest eine Teil-Kaskoversicherung vorhanden sein. Da die Vollkaskoversicherung eine Teilkaskoversicherung beinhaltet, sind die Schäden darüber auch abgedeckt.

Falls der Wagen „weggeschwommen“ ist oder abgeschleppt wurde, fragen Sie beim Ordnungsamt Ihrer Gemeinde, bei der Verbandsgemeindeverwaltung oder bei der örtlichen Polizei nach, ob dort eine Liste der Fahrzeuge vorhanden ist bzw. wohin die Autos verbracht worden sind.

So gehen Sie bei Schäden am Auto vor:

  1. Melden Sie Schäden schnellstmöglich
    Wie bei allen anderen Versicherungsfällen, sollten Sie den Schaden als solchen schnellstmöglich der Versicherung melden. Einzelheiten müssen Sie bei dieser ersten Meldung noch nicht kennen und auch nicht angeben. Lassen Sie sich unbedingt die Schadensnummer geben. 
  1. Organisieren Sie einen Ersatzwagen
    Prüfen Sie anhand Ihrer Versicherungsunterlagen, ob und wie lange Sie im Schadensfall Anspruch auf einen Ersatzwagen haben. Dies ist nicht einheitlich geregelt. Einen Ersatzwagen während der Reparaturdauer bekommt man oft, wenn die Reparatur in einer Partnerwerkstatt der Versicherung stattfindet! Lassen Sie sich von Ihrem Versicherer hierfür eine Kostenzusage geben.
    Müssen Sie selbst aktiv werden, sollte das Fahrzeug kleiner sein als Ihr Wagen. Dann wird er zumeist bezahlt, wenn diese Leistung mit der Versicherung vereinbart ist. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Ihre Versicherung Ihnen eine Firma nennt, bei der Sie ein Fahrzeug leihen können.
  1. Lassen Sie den Schaden begutachten
    Fragen Sie zunächst bei Ihrer Versicherung nach, ob und wann ein Gutachten beauftragt werden kann. Wenn sich das Verfahren wegen der Vielzahl an Fällen über Wochen hinziehen könnte, sollten Sie selbst aktiv werden. Beauftragen Sie vereidigte Sachverständige, zum Beispiel vom TÜV, der Dekra oder anderen Prüfdiensten. Sie können auch bekannte Fahrzeughändler:innen oder Ihre Werkstatt beauftragen, falls diese direkt mit vereidigten Sachverständigen zusammenarbeiten. Informieren Sie darüber Ihre Versicherung und stimmen Sie es mit ihr ab.
    Lassen Sie sich auf keinen Fall auf „fliegende Gutachter:innen“ oder Gutachten gegen Vorkasse ein.

Klären Sie einen eventuell notwendigen Verkauf Ihres Fahrzeugs unbedingt mit Ihrer Versicherung ab.

Podcast: Das Wichtigste zum Nachhören

Wie schützt man sich vor Hochwasserschäden, wie fängt man da überhaupt an? In unserem Podcast spricht Dorian Lötzer mit Andrea Heyer, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen.

Der Podcast ist im Rahmen eines vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz geförderten Projekts entstanden.

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Was muss ich beachten, wenn ich ein P-Konto habe und "Fluthilfe" erhalte?

Die vom Hochwasser betroffenen Bundesländer stellen finanzielle Soforthilfen für Flutopfer bereit. Wer ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) besitzt, benötigt für das Geld die Freigabe durch das Vollstreckungsgericht oder die Vollstreckungsstelle (bei Pfändung durch einen öffentlichen Gläubiger). Details dazu lesen Sie in diesem Artikel im Abschnitt P-Konto-Bescheinigung bei "Fluthilfe".

Was muss ich beachten bei verschmutztem Trinkwasser und Lebensmitteln?

Bei den Aufräumarbeiten in Häusern, Kellern und Gärten nach der Überschwemmung können sich hygienische Probleme durch den Kontakt mit verschmutztem Wasser ergeben. Das Wasser kann z.B. mit Fäkal-Erregern kontaminiert sein, was zu Magen-Darm-Erkrankungen oder Hepatitis A führen kann. Möglich ist auch eine Verunreinigung des Wassers durch Chemikalien oder Öle.

Deshalb grundsätzlich mit Schutzhandschuhen und Schutzkleidung arbeiten. Auf persönliche Handhygiene achten, insbesondere im Zusammenhang mit Essen und Trinken und im Umgang mit betroffenen Lebensmitteln.

Trinkwasser

  • Es ist davon auszugehen, dass das Trinkwasser aus der Leitung vor Ort laufend kontrolliert wird. Hinweise und Anordnungen über Radio, Zeitungsberichte oder Apps wie z.B. Abkochgebote für das Trinkwasser sollten unbedingt befolgt werden. Das gilt auch für Wasser zum Zähneputzen oder zum Abwaschen von Obst und Gemüse. Auch wenn Sie unsicher sind, besser das Wasser 5 Minuten abkochen. Im Zweifel fragen Sie bei Ihrem Wasserversorger bzw. Stadt-/Gemeindeverwaltung oder Ihrem zuständigen Gesundheitsamt nach. Übrigens sollten Sie auch aufs Duschen verzichten, bis die Warnung vor Leitungswasser aufgehoben ist.
  • Beim erstmaligen Nutzen (nach offizieller Freigabe) der Wasserhähne/Wasserleitungen im Haushalt der zentralen Wasserversorgung nach dem Hochwasser alle Wasserausläufe und deren Siebe reinigen und vorsichtshalber desinfizieren oder 5 Minuten auskochen. Anschließend das Wasser mehrere Minuten aus dem Hahn ablaufen lassen.
  • Gartenbesitzer sollten nicht betroffene Obst- und Gemüseanbauflächen (z.B. Hochbeete) nicht mit Überschwemmungswasser aus Teichen und Bächen wässern.

Lebensmittel

  • Lebensmittel, die mit Überschwemmungswasser in Berührung gekommen sind, sollten nicht verzehrt werden. Ausnahmen: unversehrte Konservendosen, Lebensmittel in Getränkekartonverpackungen, die vor der Verwendung abgekocht werden können, z.B. Milch.
    Im Hochwasser ist mit Keimbelastungen zu rechnen (zum Beispiel durch Überlaufen von Kläranlagen, verwesende Tiere) und es kann ggf. auch mit Öl, Chemikalien etc. kontaminiert sein. Betroffene Lebensmittel mit dem Hausmüll vernichten, nicht zum Kompost/Biomüll geben.
  • Unverpackte Lebensmittel und Lebensmittel aus nicht luft- und wasserdicht schließenden Verpackungen sind zu vernichten.
  • Ungeöffnete Getränkeflaschen, Metall und Glaskonserven, Einweckgläser und luftdicht verschweißte Lebensmittel in Plastikverpackungen können mit heißem Leitungswasser (nach offizieller Freigabe, sonst Trinkwasser) und Spülmittel gereinigt werden und anschließend mindestens 2 Wochen trocken gelagert werden. Danach besteht nur noch ein sehr geringes Risiko einer Keimbelastung. Personen mit eingeschränktem Immunsystem sollten diese Lebensmittel nicht mehr essen, es sei denn, diese wurden noch einmal abgekocht.
  • Der derzeit als "Flutwein" angebotene Wein aus den betroffenen Weinbaugebieten kann laut Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz verkauft und getrunken werden. Grundsätzlich seien verkorkte oder verschraubte Flaschen dicht. Es sei aber wichtig zu kontrollieren, ob sie wirklich noch intakt seien. Vor dem Öffnen solle man die Flaschen von außen gründlich mit heißem Leitungswasser (nach offizieller Freigabe) reinigen und sich danach gründlich die Hände waschen.
    Die fehlende Kennzeichnung wird in diesem Fall nicht als Mangel oder Reklamationsgrund gesehen, da jeder, der den Wein kauft, weiß, dass die Etiketten wegen des Hochwassers fehlen oder nicht mehr lesbar sind.
  • Im Zweifelsfall gilt: Lieber das Lebensmittel entsorgen, als sich und andere einem gesundheitlichen Risiko auszusetzen.
  • Geschirr und Besteck, das mit Überschwemmungswasser in Berührung gekommen ist, gründlich reinigen und desinfizieren, z.B. in der Spülmaschine mit höchstmöglicher Temperatur (65-70 °C).

Ob Obst von Bäumen aus Überschwemmungsgebieten künftig genutzt werden kann, dazu liegen noch keine aktuellen Informationen vor. Sobald es dazu Empfehlungen gibt, werden wir sie hier veröffentlichen.

Wie kann ich Hochwasser-Opfern helfen?

Viele möchten den Betroffenen der Hochwasser-Katastrophe nun helfen. Besonders bei der Unterstützung von Sachgütern sollten Sie sich aber zunächst erkundigen, ob diese noch gebraucht werden.

Geldspenden: Das Hochwasser hat Schäden in Millionenhöhe verursacht. Zahlreiche Hilfsorganisationen rufen daher gerade zum Spenden auf. Achten Sie darauf, dass Sie nur an eine seriöse Initiative spenden. Nicht jede Organisation, die verspricht mit den Euros Gutes für die Betroffenen zu bewirken, ist so seriös wie sie sich gibt. Tipps dazu:

  • Überweisung statt Sammelbüchse: Vor allem die direkte Ansprache auf der Straße oder an der Haustür kann dazu verführen, rasch und unbedacht zu spenden. Wer eine Organisation nicht kennt und unsicher ist, wie seriös sie ist, sollte sich neben Informationsmaterial auch einen Überweisungsträger von der sammelnden Organisation geben lassen. So lässt sich die Entscheidung in Ruhe überdenken.
  • Spendenwerbung im Internet: Eine eigene Homepage ist kein Garant für die Vertrauenswürdigkeit einer Organisation. Professionell gestaltete Internetseiten können zwar vordergründig einen glaubwürdigen Eindruck erwecken. Doch besser ist, hinter die Kulissen zu blicken und zu prüfen, ob z.B. im Impressum konkrete Ansprechpartner:innen und eine ordentliche Adresse genannt werden. Das gilt auch für die zahlreichen, über soziale Medien verbreiteten Spendenaufrufe.
  • Unabhängiger Wegweiser durch den Spendendschungel: Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vergibt an förderungswürdige Organisationen auf Basis einer jährlichen Prüfung ein Spenden-Siegel. Derzeit dürfen sich damit rund 230 überwiegend soziale Organisationen schmücken.

Sachspenden: Besonders bei Sachspenden sollten Sie sich im Voraus erkundigen, was benötigt wird. Denn an vielen Stellen sind die Lager bereits voll. 

  • Informieren Sie sich bei Ihrer Kommune darüber, welche Hilfeleistungen gerade benötigt werden.
  • Auch in den sozialen Medien – etwa auf den Seiten des betroffenen Ortes – könnten Sie Informationen zu benötigten Sachspenden finden.

Unterkunft anbieten: Viele Häuser wurden in den Fluten so stark beschädigt, dass die Betroffenen nicht mehr dort leben können. Wenn Sie eine Unterkunft anbieten möchten, wenden Sie sich am besten an die betroffene Stadt oder Kommune.

Wie erkenne ich möglichen Betrug?

Handwerker-Dienste, notwendige Geräte und Spenden-Aufrufe: Die Hochwasser-Katastrophe und die Nöte der Betroffenen rufen offenbar auch erste Betrüger auf den Plan. Die Polizei in Köln und Bonn meldet inzwischen erste Fälle:

  • So sollen in Fake-Shops Bautrockner angeboten worden und nicht geliefert worden sein.
  • Ein angeblicher Elektriker soll per Vorkasse kassiert haben und dann nicht erschienen sein.
  • Die Polizei ermittelt außerdem in einem Fall, in dem auf Facebook offenbar ein kopiertes Foto einer durch das Hochwasser zerstörten Wohnung veröffentlicht und daraufhin zu Spenden aufgerufen wurde.

Ausführlichere Hinweise zum richtigen Umgang mit Online-Abzocke und Spenden-Aufrufen geben wir hier:

Muss ich für meinen Festnetz- oder Mobilfunkvertrag zahlen?

Ganz grundsätzlich gilt bei Verträgen, dass man nur zahlen muss, wenn der Vertragspartner auch seine Leistung erbringt. Funktioniert also etwa Ihr Festnetzanschluss über eine längere Zeit nicht, sollten für diese Tage auch keine Grundgebühren in Rechnung gestellt werden. Bucht der Anbieter für diese Zeit weiter die vollen Entgelte ab, sollten Sie die Beträge aber nicht einfach von Ihrer Bank zurückbuchen lassen, sondern Kontakt zum Anbieter aufnehmen. Telefonrechnungen können innerhalb von acht Wochen nach Zugang beanstandet werden. Der Anbieter wird anhand Ihrer Adresse sehen, dass Sie in einem betroffenen Gebiet leben.

Der vorübergehende örtliche Ausfall des Mobilfunknetzes aufgrund technischer Störungen oder höherer Gewalt führt aber nicht zu einer verringerten Zahlungspflicht. Anders kann dies im Einzelfall allenfalls bei dauerhaften oder häufigen Störungen sein.

Muss ich weiterhin für Verträge mit dem Energieversorger zahlen?

Während einer Unterbrechung der Strom- oder Gasbelieferung kann es zu keinem weiteren Energieverbrauch kommen. Fällige Abschlagszahlungen sollten aber nicht einbehalten werden. Der konkrete Verbrauch wird spätestens nach einem Jahr mit der Jahresrechnung abgerechnet. Daneben haben viele Tarife auch einen verbrauchsunabhängigen Grundpreis. Auch dieser wird über die Jahresrechnung abgerechnet und sollte taggenau um die Zeit der Leistungsunterbrechung reduziert sein. Zu viel bezahlte Abschläge muss der Anbieter erstatten.

Welche Rechte habe ich als Mieter?

Mieter sollten unbedingt Kontakt zu ihren Vermietern aufnehmen, um zu klären, ob und wie das Mietverhältnis überhaupt fortgesetzt werden kann. Solange die Mietwohnung nicht genutzt werden kann, muss auch keine Miete gezahlt werden. "Eine Mietvertragsklausel, wonach das Mietminderungsrecht in Fällen höherer Gewalt eingeschränkt ist, ist unwirksam", schreibt der Deutsche Mieterbund. Auch für das Abpumpen des Wassers aus Kellern und Wohnungen sind Vermieter verantwortlich, genauso wie für das Trockenlegen der Wohnung.

Benötigen Sie eine individuelle Beratung zum Mietrecht, kann Ihnen zum Beispiel der Deutsche Mieterbund helfen. Auf dessen Internetseite können Sie über Ihre Postleitzahl die Kontaktdaten Ihres Mietervereins finden.

Was sollte ich tun, wenn meine Dokumente wie Personalausweis, Krankenkassenkarte oder Vertragsunterlagen im Hochwasser verloren gegangen sind?

  1. Stellen Sie sicher, dass Sie erreichbar sind
    Eine verlässliche Erreichbarkeit ist die Grundvoraussetzung dafür, Fragen mit Vertragspartnern oder Behörden klären zu können. Neben einem Mobiltelefon sollten Sie auch daran denken, Ihre Post umzubestellen oder lagern zu lassen und Zugriff auf Ihr eigenes E-Mail-Postfach zu erhalten.
  2. Zugriff auf Bankkonten und Zahlungsmittel gewährleisten
    Sollten Bank- und Kreditkarten verloren gegangen sein, sollten Sie schnellstmöglich neue Karten beantragen. Wenn Sie Online-Banking nutzen, sollten Sie sicherstellen, dass Sie weiterhin auf Ihr Konto zugreifen können. Schon allein, um eventuell aus vergangenen Zahlungen in der Kontoübersicht Kunden- oder Versicherungsscheinnummern herauszulesen, wenn die Vertragsunterlagen nicht mehr vorhanden sind.
  3. Identitätsnachweise beschaffen
    Wer auch seinen Personalausweis verloren hat, sollte schnellstmöglich einen neuen beantragen, um seine Identität verlässlich nachweisen zu können.
  4. Krankenversicherungsschutz nachweisen
    Ist die Krankenversicherungskarte verloren gegangen, sollte Sie auch schnellstmöglich eine neue beantragen und für die Zeit bis zu deren Eintreffen einen sonstigen Versicherungsnachweis ausstellen lassen. Die Hotline Ihrer Krankenkasse kann da helfen.

Sind die akuten Fragen geregelt und die wichtigsten Dokumente beschafft, gilt es, nach und nach verloren gegangene Unterlagen wiederzubeschaffen.

  • Viele Vertragsunterlagen können Sie vom jeweiligen Vertragspartner anfordern, also von Versicherungen, Versorgungsunternehmen, Banken, vom Arbeitgeber und so weiter. Die meisten Unternehmen werden Ihnen die Unterlagen zusenden. Es können Kosten dafür anfallen. Da die Unterlagen personenbezogene Daten, wie z.B. Namen, Adressen, Telefonnummern, Geburtsdaten oder Kontonummern, enthalten, könnte die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) helfen, falls sich ein Unternehmen quer stellt. Nach dieser haben natürliche Personen, deren personenbezogene Daten verarbeitet werden, grundsätzlich neben einem Auskunftsanspruch auch einen Anspruch auf kostenlose Zurverfügungstellung einer Kopie der Daten.
  • Kfz-Zulassungsbescheinigungen (I und II) können Sie bei der Zulassungsstelle neu beantragen. Sie müssen dazu wahrscheinlich eine eidesstattliche Versicherung abgeben, dass Sie die Papiere verloren haben. Zudem müssen Sie den Personalausweis und ggf. auch einen Kaufvertrag vorlegen, wenn noch vorhanden. Einzelheiten sollten Sie mit der zuständigen Zulassungsstelle klären.
  • Bei behördlichen Bescheiden ist meist einfach ein erneuter Ausdruck durch die Behörde möglich. Das gilt auch etwa für Steuerbescheide. An das zuständige Finanzamt können Sie sich auch wenden, um Ihre Steuernummer in Erfahrung zu bringen.
  • Auch mit einem Kontakt zur Rentenversicherung sollte Sie nicht zu lange warten, gerade dann, wenn Unterlagen, die für den Nachweis von Rentenversicherungszeiten relevant sind, Opfer des Wassers geworden sind. Meist können solche Nachweise auch auf andere Weise erbracht werden.
  • Überprüfen Sie am besten auch Ihre Online-Accounts und schauen Sie, ob Sie darauf zugreifen können. Fragen Sie gegebenenfalls neue Zugangsdaten an oder lassen Sie nicht benötigte Accounts löschen.

Was ist bei geplanten Reisen in betroffene Regionen?

Ist der Urlaubsort unmittelbar betroffen und dadurch eine Pauschalreise nur mit erheblichen Einschränkungen bzw. gar nicht möglich, können Sie in der Regel kostenfrei stornieren. Die folgenden Fälle zeigen, wann Sie Geld zurückbekommen können. Verbraucher:innen sollten aber auch die betroffenen Betreiber:innen der Unterkünfte mit im Blick haben, die möglicherweise durch die Hochwasserkatastrophe in Ihrer Existenz bedroht sind.

Ich habe eine Unterkunft in der betroffenen Hochwasserregion individuell gebucht. Kann ich kostenlos stornieren?

  • Fall 1: Die individuell gebuchte Unterkunft ist aufgrund des Hochwassers geschlossen.
    Wenn Sie aufgrund des Hochwassers die Unterkunft nicht nutzen können, müssen Sie die Unterkunft auch nicht bezahlen bzw. können die bereits gezahlten Gelder zurückverlangen.
  • Fall 2: Die Unterkunft hat geöffnet, aber ich möchte aufgrund der aktuellen Lage nicht anreisen.
    Bei individuell gebuchten Unterkünften können Sie nur kostenfrei stornieren, wenn dies vertraglich vereinbart wurde. Andernfalls hat der Anbieter einen Anspruch auf die vereinbarte Vergütung abzüglich „ersparter Aufwendungen" – also der Kosten, die nicht mehr anfallen, weil Sie nicht vor Ort sind. Bei Unterkünften in Deutschland werden bei einer Stornierung je nach Art der Verpflegung zwischen 60 und 90 Prozent des vereinbarten Preises fällig. Die Prozentsätze der ersparten Aufwendungen sind:
    • 40 % bei Vollpension
    • 30 % bei Halbpension
    • 20 % bei Übernachtung mit Frühstück
    • 10 % bei bloßer Übernachtung.

Hinweis: Wenn Sie Betroffene der Katastrophe unterstützen möchten, können Sie bei der Unterkunft vielleicht auch anregen, Ihr Zimmer für den von Ihnen gebuchten Zeitraum als Notunterkunft zur Verfügung zu stellen.

Wie sieht es aus mit Pauschalreisen in den Hochwasserregionen?

Eine kostenlose Stornierung ist immer dann möglich, wenn diese vertraglich vereinbart wurde oder wenn am Zielort oder in dessen unmittelbarer Nähe unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen. Grundsätzlich ist das eine Einzelfallentscheidung und beruht auf einer Prognoseentscheidung.

Eine erhebliche Beeinträchtigung liegt vor, wenn die Reise nicht planmäßig durchgeführt werden kann. Mögliche Aspekte, die eine erhebliche Beeinträchtigung im Einzelfall begründen können, sind:

  • Ihre persönliche Sicherheit ist durch die Reise gefährdet.
  • In der Region wurde der Katastrophenfall ausgerufen.
  • Die Freizeitaktivitäten, die mit der Reise gebucht wurden, sind nicht durchführbar.
  • Die Umgebung ist so beschädigt, dass der Urlaubszweck nicht mehr erfüllt wird.

Im Falle der Hochwasserkatastrophe liegt aus Sicht der Verbraucherzentralen ein unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstand vor, der die Durchführung der Pauschalreise erheblich beeinträchtigt. Sie können daher unserer Ansicht nach kostenlos von ihrer Pauschalreise zurücktreten.

Ich bin von der Hochwasserkatastrophe betroffen und kann meinen individuell gebuchten Flug nicht antreten. Kann ich kostenlos stornieren oder umbuchen?

Rechtlich gesehen können Sie Ihren individuell gebuchten Flug leider nur dann kostenlos stornieren oder umbuchen, wenn dies vertraglich vereinbart wurde. Andernfalls hat die Fluggesellschaft einen Anspruch auf die vereinbarte Vergütung abzüglich ersparter Aufwendungen – etwa Steuern und Gebühren sowie personenbezogene Entgelte. Suchen Sie daher zeitnah den Kontakt zur Fluggesellschaft. Möglicherweise können Sie gemeinsam eine Lösung finden oder die Fluggesellschaft hat bereits eine verbraucherfreundliche Regelung für diesen Fall getroffen.

Ich habe eine Reiserücktrittskostenversicherung. Greift diese bei einer Hochwasserkatastrophe?

Eine Reiserücktrittskostenversicherung bietet einen Versicherungsschutz in der Zeit zwischen dem Beginn des Versicherungsschutzes (in der Regel ab Vertragsschluss) bis zum Reiseantritt. Ob eine Reiserücktrittskostenversicherung greift hängt von den entsprechenden Vertragsbedingungen im Einzelfall ab.

Eine solche Bedingung könnte z.B. wie folgt lauten:

„Versicherungsschutz besteht, wenn die planmäßige Durchführung der Reise nicht zumutbar ist, weil die versicherte Person selbst oder eine Risikoperson während der Dauer des Versicherungsschutzes von einem der nachstehenden Ereignisse betroffen wird:

  • schwere Unfallverletzung;
  • Schaden am Eigentum der versicherten Person durch Feuer, Explosion, Elementarereignisse oder vorsätzliche Straftat eines Dritten, sofern der Schaden erheblich ist oder sofern die Anwesenheit der versicherten Person zur Aufklärung erforderlich ist“

Elementarereignisse sind u.a. Überschwemmungen und Erdrutsche. Im Einzelfall könnte daher ein Versicherungsfall vorliegen.

Ist diese oder eine ähnliche Formulierung in Ihren Versicherungsbedingungen enthalten, sollten Sie sich schnellstmöglich mit der Versicherung in Verbindung setzen. Wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen, ist die Versicherung zur Erstattung der unter den Versicherungsschutz fallenden Kosten bis zur Höhe der vertraglich vereinbarten Versicherungssumme verpflichtet.