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Sparkasse Zwickau und Erzgebirgssparkasse erhalten Prellbock 2017

Verbraucherzentrale Sachsen verleiht Negativpreis an die verbraucherunfreundlichsten Unternehmen Sachsens

Prellbock 2017

Prellbockverleihung 2017

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Auch in diesem Jahr suchte die Verbraucherzentrale Sachsen wieder verbraucherunfreundliche Unternehmen für ihren Negativpreis. Von Februar bis Mitte November konnten Verbraucher Abzocker, Service-Nieten oder Mogelpackungen für den „Prellbock 2017“ vorschlagen. Weil zwei Unternehmen 2017 für besonders viel Frust gesorgt haben, teilen sich dieses Jahr zwei Unternehmen den ersten Platz: Die Sparkasse Zwickau und die Erzgebirgssparkasse.

Grund für den Frust der Verbraucher sind lukrative Prämiensparverträge, die beide Sparkassen unlängst gekündigt haben. Damit ist das Kartenhaus aus Werbeversprechen eingestürzt, das in den 90er Jahren viele zum Vertragsabschluss bewegte. Vom gut verzinsten und sicheren Sparprodukt ist nun nicht viel übrig. „Für viele treue Sparkassenkunden ist damit ein Weltbild zusammengebrochen. Heutige Senioren und Seniorinnen haben damals ihre Hoffnungen in die Prämiensparverträge ihrer Sparkasse gesetzt, um langfristig für das Alter oder auch für die Enkel vorzusorgen. Die Sparkasse Zwickau und die Erzgebirgssparkasse haben den hohen Vertrauensvorschuss nun mit einem Mal aufgebraucht und lassen ihre Kunden nun im Regen stehen“, erklärt Andreas Eichhorst, Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen. Für ihn spiegelt die Platzierung auch die Nachfrage in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale wider.

Die Kündigung der Prämiensparverträge hat so viele Kunden in die Rechtsberatung der Verbraucherschützer getrieben, dass es nicht nur separate Infoveranstaltungen und Sonderhotlines gab, sondern auch die Öffnungszeiten der Beratungsstellen in Aue und Zwickau erweitert wurden. „Und dann erklären Sie einem wütenden Kunden der Sparkasse Zwickau oder der Erzgebirgssparkasse mal, warum andere sächsische Sparkassen ihren Kunden trotz Kündigung ein zusätzliches, sicheres und immer noch attraktiv verzinstes Alternativangebot anbieten oder andere Sparkassen zusichern, die Prämiensparverträge erst gar nicht zu beenden“, so Eichhorst.

Damit spielt Eichhorst auf die Kündigungswelle der Prämiensparverträge an, die den sächsischen Verbraucherschutz in diesem Jahr stark forderte. So beendeten auch die Sparkassen Leipzig, Meißen und Muldental ihre lukrativen Sparverträge. Mit einem gravierenden Unterschied: Nach Einschaltung der Verbraucherschützer konnten Ex-Prämiensparer nun ein vergleichbares Produkt mit einer Laufzeit bis Ende 2018 abschließen. Und bei einigen Sparkassen stand die Kündigung noch nicht einmal zur Debatte. Die Sparkassen Chemnitz, Döbeln sowie die Ostsächsische Sparkasse Dresden sicherten im Frühjahr zu, dass Kündigungen in ihrem Haus in absehbarer Zeit kein Thema wären. „Es geht also auch anders – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Man muss eben nur wollen“, blickt Eichhorst auf die bisher unbefriedigenden Gespräche zurück, die die Verbraucherschützer sowohl mit der Sparkasse Zwickau als auch mit der Erzgebirgssparkasse geführt haben.

Und damit nicht genug: Vielen ehemaligen Prämiensparer dürften auch die geplanten Filialschließungen der Sparkassen bitter aufstoßen. „Wir machen die Erfahrung, dass die persönliche Beratung im unmittelbaren Lebensumfeld der Verbraucher ein sehr wichtiger Pfeiler unserer Beratungspalette ist, um schnell und kompetent auf die individuellen Anliegen und Probleme der Menschen einzugehen“, erklärt Eichhorst. „In einem Flächenland wie Sachsen ist es gerade der ländliche Raum, der gestärkt werden muss. Seinen Kunden weitere Wege oder einen schlechten Service zuzumuten, ist da mehr als kontraproduktiv“, kritisiert Eichhorst das Vorgehen der Sparkasse Zwickau und der Erzgebirgssparkasse.

Das neue Jahr beginnt für beide Sparkassen deshalb mit insgesamt mehr als 10 Klageverfahren.

Den dritten Platz belegt nach Juryentscheidung PŸUR. Somit scheint die Zahl verärgerter Kunden auch nach der Fusion von Primacom und TeleColumbus ungebrochen hoch. Viele der eingereichten Vorschläge kritisierten den Service des Telekommunikationsanbieters, darunter insbesondere die fehlender Erreichbarkeit und ausbleibende Reaktionen auf Widerrufe oder Kündigungen, aber auch untergeschobene Verträge und intransparente Entgelte.

Über 900 Verbraucher gaben ihren Vorschlag für den „Prellbock 2017“ ab. Im Anschluss hat nach – intensiver Diskussion – eine Fachjury aus den Vorschlägen, die am häufigsten genannt wurden, die Preisträger ermittelt. Der Negativpreis der Verbraucherzentrale Sachsen wird alle zwei Jahre gewählt. Es ist das dritte Mal, dass der Prellbock von der Verbraucherzentrale Sachsen vergeben wird. Für das Jahr 2013 ging er an den Abofallenbetreiber B2B Technologies GmbH aus Chemnitz, im Jahr 2015 wurde er an die MGN GmbH in Dresden verliehen, die Seniorinnen und Senioren mit teuren Abos für fragwürdige Nahrungsergänzungsmittel abzockt. Beide Male folgten auf den Preis gerichtliche Klagen – beide Male mit Erfolg.

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