Verbraucherschützer warnen vor steigenden Kosten, Werbung und intransparenten Abo-Modellen – Sammelklage setzt Zeichen
Streamingdienste galten lange als einfache und vergleichsweise günstige Alternative zum klassischen Fernsehen. Seit einigen Jahren zeigt sich jedoch ein deutlicher Wandel: Aus Sicht der Verbraucherzentrale Sachsen häufen sich Entwicklungen, die für Nutzer*innen zunehmend nachteilig sind.
Besonders kritisch sehen die Verbraucherschützer*innen die Einführung von Werbung in kostenpflichtigen Abonnements. Immer mehr Anbieter setzen auf Modelle, bei denen Kund*innen trotz monatlicher Gebühren Werbeunterbrechungen hinnehmen müssen – oder für Werbefreiheit zusätzlich zahlen. „Viele Verbraucher haben sich bewusst für ein Abo entschieden, um Werbung zu vermeiden. Dieses Versprechen wird seit einiger Zeit schrittweise aufgeweicht“, meint Michael Hummel, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Sachsen.
Preise steigen, Leistungen sinken
Parallel dazu beobachten die Expert*innen eine anhaltende Welle von Preiserhöhungen. Gleichzeitig werden Leistungen eingeschränkt oder in teurere Tarifstufen ausgelagert. Für viele Haushalte bedeutet das: Wer Streamingdienste nutzt, zahlt inzwischen deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren.
Hinzu kommt eine wachsende Unübersichtlichkeit der Angebote. Unterschiedliche Preismodelle, Zusatzkosten für bessere Bildqualität oder parallele Nutzung sowie schwer vergleichbare Tarife erschweren es Verbraucher*innen, den Überblick zu behalten. „Viele wissen gar nicht mehr genau, wofür sie eigentlich bezahlen“, so Hummel.
Kündigung oft unnötig kompliziert
Auch die Vertragsgestaltung steht in der Kritik. Kündigungsoptionen sind häufig schwer zu finden oder unnötig kompliziert gestaltet. Solche Hürden können dazu führen, dass Abonnements länger laufen als beabsichtigt.
Zersplitterte Inhalte treiben Kosten weiter
Ein weiteres Problem ist die zunehmende Fragmentierung des Marktes. Filme und Serien sind exklusiv auf verschiedene Plattformen verteilt, sodass Nutzer*innen oft mehrere Abonnements gleichzeitig benötigen. „Der ursprüngliche Vorteil des Streamings – Inhalte gebündelt an einem Ort zu finden, geht damit zunehmend verloren“, so Hummel.
Klare Trennung zwischen kostenpflichtigen und werbefinanzierten Angeboten
Die Verbraucherzentrale Sachsen fordert daher mehr Transparenz, faire Vertragsbedingungen und eine klare Trennung zwischen kostenpflichtigen und werbefinanzierten Angeboten. „Das Ziel sollte es sein, die Rechte der Nutzer zu stärken und Qualitätsversprechen verlässlich einzuhalten“, sagt Hummel.
Die laufende Sammelklage gegen Amazon Prime Video könnte ein wichtiger Schritt sein und ein Signal an die Branche senden, dass Verbraucher*innen sich gegen nachträgliche Verschlechterungen ihrer Verträge zur Wehr setzen. Betroffene können sich in wenigen Minuten und völlig kostenfrei der Klage anschließen, um ihre Rechte geltend zu machen und Entschädigung zu fordern.
Weitere Informationen zur Teilnahme unter: www.verbraucherzentrale-sachsen.de/amazon-sn
Hinweis:
Derzeit gehen die Verbraucherzentralen in zwei Sammelklagen gegen den Internetkonzern Amazon EU S.à.r.l. vor. Die Verbraucherzentrale Sachsen klagt gegen die Erhöhung der Werbequote im Streaming-Dienst „Prime Video“ aus Februar 2024.
Die Verbraucherzentrale NRW klagt gegen die Preiserhöhung des Amazon-Prime-Abonnements im Sommer 2022.
Es handelt sich um zwei unabhängige Verfahren. Betroffene Verbraucher*innen können sich für beide Sammelklagen im Klageregister anmelden. Infos zur Sammelklage der Verbraucherzentrale NRW bekommen Sie auf dieser Internetseite.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes.
