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Zeolith – am besten geeignet als Katzenstreu

Stand:

Zeolith-Produkte sind keine Nahrungsergänzungsmittel. Sie wirken nicht „entgiftend“ und helfen nicht gegen Krebs oder Coronaviren.

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung ist nicht bewiesen

  • Als Zeolithe werden verschiedene silikathaltige Mineralien wie beispielsweise das Klinoptilolith bezeichnet.
  • Als Nahrungsergänzungsmittel darf Klinoptilolith in Europa nicht verkauft werden, da eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel fehlt.
  • Zeolithe wirken wie eine Art Schwamm und binden Stoffe – egal ob „gut“ oder „böse“.
  • Produkte sind häufig stark mit Aluminium und Blei belastet.
Zeolith Pulver
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Was steckt hinter der Werbung?

Klinoptilolith-Produkte werden häufig mit irreführenden Werbeaussagen beworben wie „für die natürliche Entgiftung“. Doch tatsächlich sind die Produkte weder als Unterstützung bei einer Krebstherapie, zur Vorbeugung einer Corona-Erkrankung noch als Detox-Mittel wirksam. Auch wenn auf Internetseiten oft Wunderwirkungen versprochen werden: Zeolithe oder Klinoptilolith-Produkte

  • machen keine Viren unschädlich,
  • sind keine Radikalfänger,
  • unterstützen nicht das Immunsystem,
  • stärken nicht die Darmwand,
  • sind nicht in der Lage, ganz gezielt bestimmte Giftstoffe (Toxine) wie Pestizide usw. aus dem Körper zu entfernen,
  • können keine „Schwermetalle ausleiten“,
  • reinigen weder den Verdauungsapparat noch entlasten sie die Leber,
  • sind keine ideale Quelle für Silicium oder Kieselsäure,
  • schützen nicht vor Elektrosmog,
  • verzögern nicht den Alterungsprozess,
  • unterstützen nicht die Chemotherapie und
  • wirken auch nicht leistungssteigernd.


Alle diese und auch weitere gesundheits- bzw. krankheitsbezogene Behauptungen sind wissenschaftlich nicht belegt.

Stattdessen werden mit diesem angeblichen Heilmittel gute Geschäfte gemacht: Während der Kilopreis für den Zeolith-Zusatz bei Futtermitteln (als Ballaststoff), Katzenstreu (für die Geruchsbindung), Geschirrspüler (als Ionenaustauscher) oder zur Verwendung im Straßenbau vergleichsweise niedrig ist (beispielsweise ab etwa 0,80 € pro Kilogramm für Katzenstreu), wird Zeolith bzw. Klinoptilolith in Form von Medizinprodukt-Kapseln ab 13 Euro aufwärts pro 100 g teuer vermarktet.

Als Nahrungsergänzungsmittel darf Zeolith bzw. Klinoptilolith in der EU nicht verkauft werden, da eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel fehlt.

Worauf sollte ich achten?

  • Zeolith-Produkte sind keine Nahrungsergänzungsmittel. Sie werden als neuartige Lebensmittelzutat im Sinne der Novel-Food-Verordnung eingestuft. Da die Zulassung und damit auch eine Sicherheitsbewertung fehlt, sind sie als Nahrungsergänzungsmittel nicht erlaubt.
     
  • Zeolith verfügt über eine Struktur mit Hohlräumen, sozusagen eine Art mineralischer Schwamm, und kann - ähnlich wie Aktivkohle - zwar tatsächlich Substanzen binden. Es ist aber nicht in der Lage, „schädliche“ von „unschädlichen“ Stoffen im Magen-Darm-Trakt zu unterscheiden. Es können dem Nahrungsbrei im Verdauungstrakt – und damit dem Körper - theoretisch auch nützliche Substanzen wie Vitamine oder Mineralstoffe entzogen werden.
     
  • Zeolith-Produkte fallen immer wieder einmal durch problematisch hohe Aluminium- und Bleigehalte auf. Sicherheitshalber sollten Sie beim Hersteller immer nach einer aktuellen Analyse der Produkte mit Blick auf Aluminium, Blei und Quecksilber fragen.
     
  • Wenn Sie Zeolith bzw. Klinoptilolith verwenden möchten: Besprechen Sie dies sicherheitshalber vorher mit dem Arzt. Das gilt ganz besonders für die „vorbeugende“ Verwendung bei Klein- und Schulkindern, von der wir abraten, aber auch bei der gleichzeitigen Verwendung von Arzneimitteln. Hier können Wechselwirkungen auftreten.
     
  • Mit „geprüfter Arzneibuchqualität“ darf nicht geworben werden: Es gibt keinen Eintrag im Deutschen oder Europäischen Arzneibuch für Klinoptilolith.

Was sind Zeolithe?

Als Zeolithe oder auch Vulkanmineralien werden verschiedene silikathaltige Mineralien wie beispielsweise das Klinoptilolith bezeichnet. Sie können auch synthetisch hergestellt werden.

Klinoptilolith ist natürlicher Herkunft (Naturzeolith). Als Lebensmittel ist es nicht zulässig. Zeolithe sind jedoch als Medizinprodukte (s. Kasten) erhältlich.

Zeolith bzw. Klinoptilolith ist als sogenanntes "Medizinprodukt" auf dem Markt, in Form von Pulver oder mit Pulver gefüllten Kapseln. Medizinprodukte dürfen allerdings keine pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkung im Sinne eines Medikaments haben.

Vor dem Inverkehrbringen ist keine staatliche Zulassung des Produkts nötig, der Hersteller ist für Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit verantwortlich (Konformitätsbewertung). Der Hersteller muss die behaupteten Wirkungen auch nicht mit aufwändigen klinischen Studien wie beim Arzneimittelzulassungsverfahren belegen. Grundsätzlich ist eine krankheitsbezogene Werbung erlaubt, sofern sie wissenschaftlich korrekt ist. Sie wird vor der Vermarktung aber nicht behördlicherseits kontrolliert.

 

 

Quellen:


Klartext Nahrungsergänzung: Unterschiede zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und anderen Produktgruppen, Stand: 23.04.2020, aufgerufen 18.01.2021

Neumeister L: Blei in Kieselerde, Zeolith & Co – vom staatlichen Versagen im Verbraucherschutz. Essen ohne Chemie, 14.02.2016, aufgerufen 18.01.2021

Urteil des OLG Stuttgart vom 08.06.2017 - 2 U 154/16 zu einem zeolithhaltigen, als „Detox“-Pulver in Verkehr gebrachten Pulver (Unzulässige irreführende Werbung)

Lang U: Klinoptilolith - Heilmittel oder Humbug? Pharmazeutische Zeitung online, Ausgabe 26, 26.06.2012, abgerufen am 18.01.2021

Medizin-Transparent: Zeolith: Wirkung zur Entgiftung fragwürdig. Abgerufen am 18.01.2021

Medizin-Transparent: Detox: Der Mythos vom Entgiften. Stand 2019, abgerufen am 18.01.2021

Europäisches Schnellwarnsystem RASFF , Suchwort „Zeolite“ (abgerufen am 18.01.21)

EU-Novel-Food-Katalog: Zeolite, abgerufen am 18.01.2021

Europäisches Arzneibuch, (eingesehen am 18.01.2021)

Zeolith – schwammige Versprechen. Superfoods – Beratungswissen kompakt Teil 8. Deutsche Apothekerzeitung 02.12.2020, abgerufen am 18.01.2021

Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz: Jahresbericht 2017 der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA), S. 36-38