App-Test »ARbor«: Auf der Schulbank in Sachen Klimaschutz

Stand:
"ARbor" wendet sich an ältere Kinder und Jugendliche, die ihren Alltag in Schule und Freizeit besonders nachhaltig gestalten möchten. Wir testen, ob das spielerische Angebot der App diese anspruchsvolle Zielgruppe erreicht.
Stilisiertes "A" als Logo der App "ARbor - Gemeinsam fürs Klima!"

Noch vor dem Testen der ersten Funktion von ARbor hat das Angebot rund um Klimaschutz im Alltag alle Sympathien auf ihrer Seite: Entwickelt von Schülerinnen und Schülern des Karlsgymnasium München-Pasing hat die App zum Ziel, Menschen jeden Alters Ansätze für ein nachhaltigeres Leben zu liefern. Dies geschieht in Form sogenannter Daily Tasks, also täglicher Aufgaben, um den Klimawandel auszubremsen. Dabei handelt es sich meist um kleine Handgriffe und das Überdenken altgedienter Gewohnheiten. Mit Quizzes kann man sich zusätzliche Punkte erspielen, um sich in ARbor hochzuleveln. Und noch mehr Nährstoffe für die kleinen grauen Zellen bietet eine umfangreiche Wissensdatenbank rund um Mobilität, Müll, Lebensmittel und andere für das Anliegen der App wichtige Themen.

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Name: ARbor - Gemeinsam fürs Klima!
Anbieter: Reissl.com (Info-Webseite)
Kategorie: Digitale WeltUmwelt & Haushalt
Zielgruppe: Kinder & Jugendliche ab 10 Jahren
Betriebssystem: iOS
Preis: kostenlos
Links: Apple App Store

Schulnote 1 in Datensicherheit

Gerade im Zusammenhang mit digitalen Medien bringt die Zielgruppe Kinder und Jugendliche besonders große Herausforderungen mit sich. Zum einen gilt es natürlich, typische Verbraucherschutzaspekte wie Datensicherheit und Vermeidung ungewollter Ausgaben und kostenpflichtiger Abonnements zu beachten. Gerade für junge Menschen sind beispielsweise die Weitergabe oder Veröffentlichung persönlicher Daten und finanzielle Belastungen aufgrund unseriöser Angebote besonders schmerzhaft. Dazu gesellt sich das Risiko, dass gerade bei Apps mit einem gemeinnützigen oder pädagogischen Ansatz ein erhöhtes Risiko besteht, das junge Publikum an die nächstbeste Gaming- oder Social-Media-App zu verlieren. Umso erfreulicher, dass ARbor - Gemeinsam fürs Klima! diesen möglichen Stolpersteinen erfolgreich aus dem Weg geht. Die grafische Gestaltung und Handhabung der App sind zeitgemäß und können mit Angeboten kommerzieller Anbieter mithalten. Abonnements und In-App-Käufe sind in der kostenlosen, im Rahmen eines Schulprojekts entstandenen App selbstverständlich kein Thema. Auch die Nutzungs- und Datenschutzbedingungen werden von uns als rundum unkritisch bewertet. Und der völlige Verzicht auf Standort- oder Werbetracking und sonstige Datenfreigaben sind vorbildlich. Selbst auf die in 90 Prozent aller von uns geprüften Apps obligatorische Registrierung wird hier verzichtet. Aber können Spaßfaktor und Mehrwert von ARbor mit seinen Qualitäten in Sachen Verbraucherschutz mithalten?

 

Beispielhafte Screenshots der App ARbor - Gemeinsam fürs Klima!
Das Tutorial vermittelt eindringlich den Handlungsbedarf in Sachen Klimaschutz. Auf dem Startscreen ist nicht nur der individuelle Avatar zu sehen, sondern auch der aktuelle Punktestand und die tägliche Challenge. Wer diese hinter sich gebracht hat, kann sich einem der 18 Wissensbeiträgen mit dazugehörigen Quizzes widmen. (Quelle: Screenshots)

Klein, aber oho!

Der Funktionsumfang von ARbor ist übersichtlich, die gebotenen Features aber umso durchdachter. Nach einem kurzen Tutorial zum Anliegen der App kann der digitale Avatar benannt und durch Wahl verschiedener Frisuren, Haar- und Hautfarben individualisiert werden. Die freundlich lächelnde Illustration dient aber nicht, wie man vermuten könnte, für Community-Funktionen oder Challenges mit Mitspieler:innen, sondern nur der eigenen App-Erfahrung. Zum Austausch mit anderen ARbor-Nutzerinnen und -Nutzern und den Anbietern wird auf den zugehörigen Instagram Channel verwiesen, der allerdings seit 2022 nicht mehr aktualisiert wurde. Man ist in Sachen Motivation und Spielspaß also auf sich allein gestellt, was aber kritischer klingt als es ist. Denn die App hält jeden Tag eine neue Klimaschutz-Challenge bereit und bietet unter dem Menüpunkt "Akademie" Wissensinhalte und Quizzes zu gerodeten Regenwäldern, CO2-Emissionen, Müll, fossilen Brennstoffen und anderen Bedrohungen für das globale Klima. Je nach bestehender Vorbildung in diesem Themenfeld erschöpft sich die Möglichkeit, hier Neues zu erfahren, mehr oder weniger schnell. Für ältere Jugendliche und Erwachsene bietet ARbor insgesamt circa ein bis zwei Stunden Motivation beim Lesen und Erspielen von Erfahrungspunkten ("XP"). Nutzer:innen unter 14 Jahren werden sich länger mit den Inhalten und Spielmechaniken auseinandersetzen können, bei Bedarf mit Unterstützung der Erziehungsberechtigten. Aber egal, in welchem Alter man die App nutzt, zur Erfüllung des "Daily Tasks" zugunsten von Klima und Umwelt motiviert die ansprechende App in jedem Fall. 

Fazit

ARbor punktet mit durchdachten Funktionen und einem attraktivem Erscheinungsbild, die angesichts seiner Entstehung innerhalb eines Schulprojekts größte Hochachtung verdienen. Mit dem Umfang inhaltlich vergleichbarer Apps größerer Anbieter, die sich meist an erwachsene Verbraucherinnen und Verbraucher wenden, kann (und will) das Angebot nicht konkurrieren. Kleine Kritikpunkte wie das Fehlen einer Android-Variante und die in der von uns getesteten iOS-Version fehlerhafte 3D-Ansicht des eigenen Spielfortschritts sind mutmaßlich der recht kurzen Entwicklungszeit und fehlender Updates in den letzten zwei Jahren geschuldet. Und ehrlich gesagt wäre uns das Fehlen dieser Augmented Reality-Funktion gar nicht aufgefallen, wäre die App nicht teils nach ihr benannt. Empfehlenswert ist ARbor dennoch für alle Einsteiger:innen ins Thema digitaler Klimaschutz, die sich um die Sicherheit ihrer Daten, Werbung und Kostenfallen keine Sorgen machen möchten. 

Handhabung 4 Sterne
Spaß 4 Sterne
Mehrwert 4 Sterne
Motivation 3 Sterne
Datensparsamkeit 5 Sterne
Gesamtwertung 4 Sterne

Haben Sie Hinweise, Korrekturen oder sonstiges Feedback zu unserem App-Test? Ich freue mich über Ihre E-Mail an lohmeier[at]vz-bln.de. Danke für Ihr Interesse! (Patrick Lohmeier)

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