Schlüsseldienste: Tipps gegen überzogen hohe Rechnungen

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Abzocke bei Schlüsseldiensten? Wir geben Tipps für den Umgang mit solchen Dienstleistern.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Generell gilt bei Schlüsseldiensten: Bevorzugen Sie ortsansässige Firmen, um die Fahrtkosten gering zu halten.
  • Vergleichen Sie die Preise der Anbieter und achten Sie auf Wochenend- und Nachtzuschläge.
Ein Schlüsseldienstmitarbeiter öffnet eine Tür.

Teure Schlüsseldienste sind ein häufiges Ärgernis für Verbraucher.

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Die Tür fällt ins Schloss und der Schlüssel liegt in der Wohnung: Jetzt muss ein Schlüsseldienst ran und die Tür öffnen. Eine Verbraucherin bezahlte fast 800 Euro für so eine einfache Türnotöffnung. Als sie deswegen später gegen den Schlüsseldienst vorgehen wollte, stellte sich heraus, dass die Angaben auf der Rechnung frei erfunden waren. Ein Fall aus der Beratungspraxis der Verbraucherzentralen, der sich so oder so ähnlich immer wieder zuträgt. Unseriöse Schlüsseldienste verlangen mitunter drei- bis vierstellige Beträge, nachdem sie die Tür aufgesperrt haben.

Unsere Tipps für den Umgang mit Schlüsseldiensten:

1. Vergleichen Sie die Preise

Bewahren Sie trotz der Notsituation einen kühlen Kopf. Vergleichen Sie vorab die Angebote und Preise der ortsansässigen Schlüsseldienste. Bedenken Sie, dass ein lokaler Notdienst kürzere Anfahrtszeiten hat als überregionale Unternehmen. Erfragen Sie gleich beim ersten Anruf, von wo der Monteur kommen wird. Haben Sie einen Notdienst unter Ihrer örtlichen Vorwahl erreicht, so brauchen Sie auch nur die Kosten für An- und Abfahrt innerhalb der Ortsgrenzen zu bezahlen. Darüber hinausgehende Beträge können Sie später von der Rechnung streichen.

2. Vereinbaren Sie einen Festpreis

Fragen Sie vor der Auftragsvergabe nach einem verbindlichen Komplettpreis für die Türöffnung. Vereinbaren Sie einen Festpreis, der bereits die Anfahrtskosten und eventuelle Zuschläge enthält.

Die Öffnung einer lediglich zugefallenen Tür kostet z.B. in Nordrhein-Westfalen inklusive Anfahrt tagsüber und an Werktagen circa 90 Euro. Für einen Akut-Einsatz in der Nacht, an Sonn- oder Feiertagen werden im Schnitt 140 Euro berechnet. Das variiert je nach Bundesland etwas - die Werte können aber als Anhaltspunkt dienen.

3. Schildern Sie dem Schlüsseldienst genau, was passiert ist

Ist die Tür nur zugefallen oder ist sie abgeschlossen? Welche Art von Schloss ist betroffen – zum Beispiel ein Sicherheitsschloss? So kann der Notdienst genau kalkulieren.

4. Definieren Sie, was genau gemacht werden soll

Legen Sie in Ihrem Auftrag fest, dass nur die verschlossene Tür wieder geöffnet werden soll. Eine Auswechslung des ganzen Schlosses ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Führen Sie das Gespräch unter Zeugen. So können Sie getroffene Vereinbarungen im Nachhinein beweisen.

5. Zahlen Sie nur, was Sie vereinbart haben

Bevor Sie die Rechnung unterschreiben, sollten Sie die einzelnen Posten genau prüfen. Streichen Sie Passagen, die Sie nicht wünschen oder nicht vereinbart haben. Niemand kann Sie zwingen, nicht vereinbarte Regelungen zu akzeptieren.

Viele Firmen verlangen eine Barzahlung. Dies kann nur verlangt werden, wenn Sie vor Arbeitsbeginn eine Barzahlung vereinbart haben. Zahlen Sie nur, wenn eine detaillierte Rechnung vorliegt und diese der Vereinbarung entspricht.

Fahren Sie nicht mit dem Monteur zum nächsten Geldautomaten!

6. Lassen Sie sich nicht nötigen

Sollte der gerufene Schlüsseldienst Sie unter Druck setzen, etwa indem er droht, die Tür wieder zu verschließen, zögern Sie nicht, die Polizei über den Notruf 110 zu rufen. Nötigung ist strafbar! Bitten Sie um Hilfe aus der Nachbarschaft.

Es ist Ihr gutes Recht, jemanden aus Ihrer Wohnung oder von Ihrem Grundstück zu verweisen. Kommt der Notdienstmitarbeiter Ihrer Aufforderung nicht nach, können ihm strafrechtliche Konsequenzen drohen. Haben Sie den Verdacht, Opfer eines unseriösen Notdiensts geworden zu sein, dann scheuen Sie sich nicht, Ihre örtliche Polizei darüber zu informieren. Schildern Sie den Sachverhalt und erstatten Sie, wenn nötig, eine Anzeige.

Und natürlich: Beugen Sie rechtzeitig vor

Damit Sie erst gar nicht vor verschlossener Tür stehen und auf die Hilfe eines Notdienstes angewiesen sind, sollten Sie rechtzeitig vorbeugen.

  • Hinterlegen Sie einen Zweitschlüssel bei einer Person Ihres Vertrauens.
  • Suchen Sie sich bereits im Vorfeld einen seriösen Schlüsseldienst in Ihrer Nähe.  Achten Sie darauf, dass dieser Türöffnungen auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten zu fairen Preise anbietet. Speichern Sie seine Telefonnummer in Ihrem Mobiltelefon oder verwahren Sie sie in Ihrem Geldbeutel.
  • Überlegen Sie sich rechtzeitig Alternativen zur Türnotöffnung: Können Sie bei einem Freund oder Bekanntem übernachten? Gibt es ein günstiges Hotel in der Nähe? Denn selbst eine Nacht im Hotel ist häufig günstiger als eine Türnotöffnung.
In den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen erreichen uns auch von Geflüchteten, Flüchtlingshelfern und Menschen mit Migrationshintergrund immer wieder Fragen und Beschwerden zum Thema Schlüsseldienste. Aus diesem Grund haben wir eine Kurzinformation in verschiedenen Sprachen für Sie zusammengestellt:

Zum Nachhören: Tipps zum Umgang mit Notdiensten

Im Podcast der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erfahren Sie, wie unseriöse Notdienste vorgehen, wie Sie sich schützen können und wo es Hilfe gibt, wenn Sie abgezockt wurden.