LEIPZIG +++ VORTRAG: HITZE, FLUT & TIGERMÜCKE: Fast alles zum Klimawandel +++ Hier direkt anmelden!

Ist Reisen buchen online immer günstig? So sparen Sie wirklich

Stand:
Bei der Online-Reisebuchung kann man echte Schnäppchen machen. Oder jede Menge draufzahlen. Erfahren Sie, wie Reiseanbieter ihre Preise berechnen und wie Sie beim nächsten Urlaub Geld sparen können.
Rumpf eines Flugzeugs, das in die Morgenröte startet.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Preise für Flug, Hotel, Mietwagen und Co. sind nicht stabil.
  • In der Tourismusbranche steigern die Anbieter mit dem Ertragsmanagement ihren Umsatz.
  • In unseren Tipps erfahren Sie, wie Sie Reisen günstig online buchen können.
On

Warum Airlines ihre Preise ändern

Vermutlich haben Sie auch schon die Erfahrung gemacht: Bei Reisebuchungen lassen sich echte Schnäppchen machen. Für 40 Euro nach Palma und zurück? Geht. Zumindest manchmal. Wenn Sie schon mal kurzfristig irgendwohin reisen wollten, haben Sie aber wahrscheinlich saftigere Preise bezahlt.

Wie kommt das? Warum sind Reisen mal günstig und mal teuer? Warum hat der eine Passagier auf Platz 3F im Flugzeug 60 Euro für sein Ticket bezahlt und der Sitznachbar auf 3D 280 Euro? Die Antwort auf diese Frage lautet: Dynamische Preisgestaltung. Das ist eine Strategie, die Anbieter einsetzen, um den Ertrag zu steigern.

Der Grund, warum das gleiche Flugticket mal 40 und mal 120 Euro kostet, hängt damit zusammen, dass Airlines – genau wie Hotel- oder Mietwagenanbieter – ihre Preise im Lauf der Zeit verändern. Die Preise in der Tourismusbranche sind nicht unbeweglich, sondern sie schwanken. Der Grund: Über den Preis möchten die Anbieter die Nachfrage regulieren. Sie wollen ihre Käufer lenken. Das nennt man "Yield Management" oder deutsch "Ertragsmanagement".

So kalkulieren Airlines ihre Preise

Auch Airlines wissen, dass nicht alle Menschen bereit oder in der Lage sind, den gleichen Preis für ein Flugticket zu bezahlen. Die Zahlbereitschaft bei  Studierenden mit wenig Einkommen ist deutlich geringer als bei Geschäftsleuten, die kurzfristig einen Termin in München wahrnehmen muss. Da leere Flugzeuge (und auch leere Hotels) teuer sind, möchten Airlines alle an Bord holen. Sie wollen ihre Plätze sowohl an Studierende als auch an Geschäftsleute verkaufen. Dabei möchten sie möglichst großen Gewinn machen.

Wie das klappen kann? Über schwankende Preise. So kann der preissensible Studierende vorausschauend buchen und dadurch sparen. Geschäftsleute hingegen müssen bei ihrer kurzfristigen Buchung mehr zahlen.

Reisekosten: Diese Faktoren sind bei der Preisberechnung wichtig

Wann ein Ticket wie viel kostet, wird in der Regel von einem Algorithmus berechnet. Der wertet viele unterschiedliche Faktoren aus und stellt dann den aktuellen Preis. Der Algorithmus schaut sich zum Beispiel an:

  • Wie viele Plätze in einem Flugzeug überhaupt vorhanden sind
  • Wie voll ein bestimmter Flug schon ist
  • Was die Preise der Konkurrenz machen
  • Welche Saison es ist und wie viele Buchungen zu erwarten sind
  • Wie die Auslastung in der vergangenen Saison war

Noch wichtiger als anonym surfen? Ihr Timing!

Der Algorithmus wertet beim Onlinebuchen auch Informationen aus, die er von Ihrem Gerät bekommt. Diese Informationen können dem Unternehmen dabei helfen, Ihre Zahlbereitschaft besser einzuschätzen.

Die Informationen, die Geräte über Sie verraten, machen aber zumindest bei der Reisebuchung den Preis sehr wahrscheinlich nicht fett. Denn im Internet-Handel ist die individuelle Preisgestaltung noch nicht weit verbreitet. Zu groß ist möglicherweise noch die Sorge vor einem Ansehensverlust.

Auf dem Papier verhindern das auch die Datenschutzgesetze. Das hilft aber nichts, wenn sich Anbieter die Einwilligung zur Datenauswertung erschleichen. Ihre Privatsphäre-Einstellungen machen beim Surfen also möglicherweise ein paar Euro aus. Aber sie entscheiden in der Regel (noch) nicht darüber, ob Sie ein Schnäppchen machen oder 40 Euro mehr als die Sitznachbar:innen bezahlen.

Um den Algorithmus beim Reisekauf bestmöglich für sich zu nutzen, brauchen Sie momentan vor allen Dingen eins: etwas Zeit, um sich einen Marktüberblick zu verschaffen. Und Vorlauf. In unseren Tipps erfahren Sie alles Wichtige, um bei Ihrer nächsten Urlaubsreise Geld zu sparen.

Regelungen zu individuellen Preisen

Preise dürfen von Unternehmen unterschiedlich gestaltet werden. Das bedeutet, dass Kunden verschiedenen Preisen ausgesetzt sein können. Seit Mai 2022 müssen alle Online-Shops und Online-Marktplätze angeben, ob die Preise durch einen Algorithmus unter Verwendung von personenbezogenen Daten oder Merkmalen personalisiert werden. Das sieht eine europäische Richtlinie vor, die deutsches Recht umsetzt. Ziel dieser Regelung ist es, dass Sie die Kaufrisiken abschätzen können.

Tipps für Ihre Online-Reisebuchung

  1. Beobachten Sie! 
    Ohne Fleiß kein günstiger Preis. Wenn Sie wirklich günstig buchen möchten, ist es sinnvoll, wenn Sie die Preise erst mal eine Weile beobachten. Denn nur wenn Sie wissen, was eine Sache im Schnitt so kostet, können Sie einschätzen, was günstig ist und was nicht. Dann laufen Sie auch nicht Gefahr, auf ein Werbebanner zu klicken und ein vermeintlich großartiges Supersonderangebot zu kaufen.
  2. Vergleichen Sie!
    Unterschiedliche Quellen nutzen. Denn manchmal gibt es die gleiche Dienstleistung zum gleichen Zeitpunkt zu sehr unterschiedlichen Preisen. Während Vergleichsportal 1 ordentlich was drauflegt, gibt es bei Vergleichsportal 2 oder beim Anbieter selbst das gleiche Angebot für deutlich weniger. Hinschauen lohnt sich. Und Vergleichsportal ist nicht gleich Vergleichsportal. Während manche recht hohe Provisionen von den Anbietern kassieren, nehmen andere nur kleine Vermittlungsgebühren. Das macht sich auch im Angebotspreis für Sie als Nutzerin oder Nutzer bemerkbar. Noch mehr zur Nutzung von Vergleichsportalen erfahren Sie in unserem Artikel zu Vergleichsportalen.
  3. Der frühe Vogel fängt den Wurm
    Früh sein! Fakt ist: In der Tourismusbranche sind viele Angebote günstiger, wenn der Reisetermin noch weiter weg ist. Das können Sie für sich ausnutzen. Wenn es Ihnen möglich ist, Ihre Reise mit Vorlauf zu planen, können Sie bares Geld sparen. Dabei sollten Sie natürlich auch beachten, unter welchen Bedingungen Sie stornieren dürfen. Es kann schließlich auch mal etwas dazwischen kommen.
  4. Gegen den Strom
    Wann anders fahren. Am besten auch woanders hin. Denn wer am ersten Tag der Sommerferien mit allen anderen auf die Kanaren fliegt, zahlt mehr. Die Nachfrage ist hoch, die Plätze sind knapp und die Anbieter können es sich leisten, deutlich mehr zu verlangen. Sie werden jemanden finden, der den Preis bezahlt. Dass das Flugzeug leer bleibt, ist – außerhalb von Pandemiezeiten – in den Sommerferien keine Gefahr. Wenn Sie es günstiger haben möchten, dann fahren Sie lieber im Herbst. Oder wählen Sie den nächsten Flughafen im Nachbarbundesland, das noch keine Ferien hat.
  5. Coupons für Sie!
    Rabatte nutzen! Viele Unternehmen verschicken Coupons und Rabatte, die beim Reisen einen deutlichen Preisvorteil ergeben können. Bevor Sie sie einsetzen, sollten Sie die Konditionen genau ansehen. Ein Haken könnte zum Beispiel sein, dass der Rabatt erst zwölf Monate nach Ihrer Reise ausgezahlt wird. Wenn kein Haken da ist, lösen Sie die Coupons ein und sparen Sie Geld.
  6. Cookies löschen
    Machen Sie sich rar! In Deutschland haben individualisierte Preise noch nicht den großen Einzug gehalten. Bedeutet: Meistens zahlen alle Käufer:innen zu einem bestimmten Zeitpunkt X alle den gleichen Preis Y für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Nur in Ausnahmefällen berechnet der Algorithmus den Preis individuell für eine Person auf der Basis von individuellen Profilmerkmalen. Das besagt: Es kann nicht schaden, wenn Sie immer wieder Ihre Cookies löschen. So erfahren die Verkäufer:innen möglichst wenig über Sie. Das macht es insgesamt schwerer, Ihre Kauf- und Zahlbereitschaft einzuschätzen und kann am Ende des Tages finanzielle Vorteile für Sie bedeuten.
  7. Anonym surfen
    Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kann auch anonym surfen. Zum Beispiel mit dem TOR-Browser. TOR steht englisch für "The Onion Router", der "Zwiebel-Router". Das Projekt bietet jedem die Möglichkeit anonym im Netz zu surfen, indem es die Anfrage nicht direkt an den Server schickt, sondern über mindestens drei Knotenpunkte umleitet. Cookies werden nach jeder Session automatisch gelöscht. Alles, was Sie dafür tun müssen, ist den Browser installieren. Allerdings haben die Datenumwege auch ihren Preis. Im TOR-Browser müssen Sie mit spürbaren Zeit-Einbußen rechnen.

Weitere Informationen über die Dynamische Preisgestaltung in Deutschland erfahren Sie im Algo-Was-Podcast in der Folge Dynamische Preisgestaltung - ist das überhaupt erlaubt? Dort verrät im Interview Finanzexperte Professor Dr. Michael Schleusener noch mehr Tipps und Tricks.

Das Motiv zeigt viele verschwommene Zeilen Code.

Algo...was?! - Check den Algorithmus!

Wichtige Informationen zum Datenschutz gebündelt - eine Kampagne der Verbraucherzentrale Hessen.

Ratgeber-Tipps

Ratgeber Photovoltaik
Wer ein Stück weit unabhängig von den Preiskapriolen der Energieversorger werden will, kümmert sich um die Anschaffung…
Handbuch Pflege
Als pflegebedürftig gelten Menschen, die wegen einer Krankheit oder Behinderung für mindestens sechs Monate Hilfe im…
Fernwärme

Klageregister eröffnet: vzbv verklagt E.ON und HanseWerk Natur

Seit 2020 haben E.ON und HanseWerk Natur ihre Fernwärmepreise um ein Vielfaches erhöht. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hält die Preiserhöhungen für rechtswidrig und verklagt die Unternehmen. Tragen Sie sich ins Klageregister ein, um an der Sammelklage teilzunehmen.
Justitia Gericht Urteil Recht

Klageregister eröffnet: Jetzt mitmachen bei Sammelklage gegen ExtraEnergie

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) verklagt den Anbieter ExtraEnergie. Es geht um enorme Preiserhöhungen um teilweise mehr als 200 Prozent. Mit der Sammelklage will der vzbv Rückzahlungen für Kund:innen erreichen.
Essenreste auf einem Teller

Marktcheck: kleine Portionen in der Gastronomie noch nicht Standard

Wenn Restaurantgäste zwischen verschiedenen Portionsgrößen wählen oder übriggebliebenes Essen mitnehmen könnten, würden weniger Lebensmittel als bisher im Müll landen. Doch nur wenige Restaurants nutzen bisher ihre Möglichkeiten, wie der Marktcheck der Verbraucherzentralen zeigt.