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Vitamin E zum Schutz vor Herzinfarkt und Krebs?

Stand:

Beweise, dass  Vitamin E Herzinfarkt oder Krebs verhüten kann, gibt es bisher nicht.

Das Wichtigste in Kürze:
Auf die Dosis kommt es an!

  • Vitamin E schützt die Zellen vor oxidativen Schäden
  • Mit pflanzlichen Ölen und Nüssen lässt sich der Tagesbedarf gut decken
  • Überdosierungen durch Nahrungsergänzungsmittel können bei manchen Menschen Blutungen auslösen
Olivenöl, Vitamin E
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Was steckt hinter der Werbung zu Vitamin E?

Laut Werbung soll die Einnahme von Vitamin E vor Krebs und Herzinfarkten schützen, die Leistungsfähigkeit steigern und den Alterungsprozess verzögern. Vom Gesetz her ist für Vitamin E bisher jedoch nur eine einzige gesundheits­bezogene Werbeaussage erlaubt, und zwar: "Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen".

Ob eine zusätzliche Einnahme von Vitamin E in Form von Nahrungs­ergänzungsmitteln zum Schutz vor Krebs und Herzinfarkt beiträgt, ist in der Vergangenheit vielfach diskutiert worden. Studien, die sich mit diesen Zusammenhängen beschäftigen, lieferten aber keine eindeutigen Ergebnisse. Als wahrscheinlich gilt, dass Vitamin E im Lebensmittelverbund in Kombination mit anderen Lebensmittel­inhaltsstoffen eine gesundheitsfördernde Wirkung entfaltet.

Worauf sollte ich bei der Verwendung von Vitamin E achten?

Eine Vitamin E-Überdosierung durch herkömmliche Lebensmittel ist praktisch ausgeschlossen. Auch durch die meisten Nahrungsergänzungsmittel ist eine Vitamin E-Überdosierung nicht möglich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt als Höchstmenge in Nahrungsergänzungsmitteln 30 mg Vitamin E bzw. Vitamin E-Äquivalente pro Tag vor.

Unter Vitamin E-Äquivalenten werden verschiedene Formen des Vitamins zusammengefasst. Die verschiedenen Verbindungen haben jedoch unterschiedliche Wertigkeiten, nicht jede entspricht 1:1 dem aktiven Vitamin. Allerdings wird auf der Verpackung die Vitamin E-wirksame Menge angegeben, sodass die Produkte miteinander verglichen werden können.

Beachtet werden sollte, dass es zu kritischen hohen Aufnahmemengen kommen kann, wenn hochdosierte Produkte verwendet oder mehrere Vitamin E-haltige Nahrungsergänzungsmittel eingenommen beziehungsweise zusätzlich zu den Nahrungsergänzungsmitteln noch Vitamin E-angereicherte Lebensmittel (z.B. Multivitaminsäfte) gegessen werden. Bei manchen Menschen sind dann, vermutlich durch Wechselwirkungen mit Vitamin K bedingt, Blutungsstörungen möglich. In Einzelfällen ist bei gleichzeitiger Einnahme von Blutgerinnungshemmern (Vitamin-K-Antagonisten, z.B. Marcumar) deren Wirksamkeit herabgesetzt. Bei längerer Einnahme sehr hoher Dosen Vitamin E (400 mg/Tag) ist auch eine Verminderung der Schilddrüsenhormone im Blut möglich.

Wer gleichzeitig Eisenpräparate nimmt, sollte mindestens zwei Stunden Abstand zur Verwendung von Vitamin E einhalten.

Sicherheitshalber sollte der Hausarzt immer über die Einnahme von Vitamin-E-Produkten, die mehr als 30 mg/Tag enthalten, informiert werden. Das gilt ganz besonders, wenn Erkrankungen vorliegen oder regelmäßig Medikamente eingenommen werden.

Greifen Sie bei Fetten (max. 60-80 g pro Tag) bevorzugt zu pflanzlichen Ölen wie Rapsöl. Sie enthalten nicht nur reichlich Vitamin E, sondern auch viele wertvolle ungesättigte Fettsäuren. So können Sie aktiv einen Beitrag zum Schutz Ihrer Gefäße leisten.

Wofür braucht der Körper Vitamin E?

Vitamin E bezeichnet eine Gruppe von fettlöslichen Vitaminen, die eine ähnliche chemische ringförmige Struktur aufweisen. Die bekannteste und am besten erforschte Form ist α-Tocopherol.

Vitamin E ist als eines der wichtigsten Schutzvitamine in jeder Zelle des Körpers vorhanden. Es fängt Radikale ab, die die Fettsäuren der Körperzellen angreifen. Damit leistet es einen großen Beitrag hinsichtlich des Schutzes der Gefäße und vor Arteriosklerose. In dieser Aufgabe wird es von Vitamin C, β-Carotin und verschiedenen Enzymen unterstützt. Auch für die Funktion des Immunsystems ist Vitamin E somit ganz entscheidend.

Im menschlichen Organismus kommt Vitamin E in Leber, Fettgewebe, Nebennieren, in der Skelettmuskulatur sowie im Herz und bei Männern in den Hoden vor.

Ein Mangel führt dazu, dass das Vitamin seine Schutzfunktion nicht mehr im vollem Umfang ausüben kann. Radikale werden nicht mehr so gut abgewehrt, was zu Zellschädigungen und langfristig zu Schäden des Nervensystems und der Skelettmuskulatur führen kann. Allerdings ist ein Vitamin E-Mangel in Deutschland sehr selten. Er kommt fast nur bei Menschen vor, die das Vitamin nicht aufnehmen oder verwerten können. Das betrifft vorwiegend Personen mit einem seltenen Gendefekt sowie Menschen, denen Teile des Darms operativ entfernt werden musste. Des Weiteren kann auch bei Mukoviszidose oder schwerwiegenden Lebererkrankungen ein Vitamin E-Mangel die Folge sein.

Kann ich meinen Tagesbedarf über die Nahrung decken?

Vitamin E kann nur von Pflanzen hergestellt werden. Es schützt die pflanzeneigenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren vor Oxidation und  ist deshalb i.d.R. besonders viel in fettreichen Pflanzen zufinden. Als fettlösliches Vitamin ist es vor allem in Ölen wie Weizenkeimöl, Rapsöl, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl und Sojaöl. Aber auch über Nüsse wie Haselnüsse, Obst, Gemüse und Brot wird das Vitamin aufgenommen. In tierischen Lebensmitteln kommt Vitamin E nur in sehr geringen Mengen vor.

Da Vitamin E die ungesättigten Fettsäuren im Organismus vor Radikal-Angriffen schützt, hängt der Bedarf eng mit der aufgenommenen Menge an ungesättigten Fettsäuren zusammen. Weil aber in Lebensmitteln mit diesen Fettsäuren meistens auch jede Menge Vitamin E steckt, hält die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine zusätzliche Einnahme von Nahrungs­ergänzungsmitteln nicht für notwendig.

Um einen Plasmaspiegel von >30 µmol/l zu erreichen, der zur Vorbeugung von Erkrankungen als optimal angesehen wird, empfiehlt die DGE Frauen täglich 12 mg Vitamin E (bzw. dem aktiven Vitamin gleichwertige Verbindungen) mit der Nahrung zuzuführen. Für Männer werden 13 mg bis 15 mg je nach Alter angegeben (mit zunehmendem Alter sinkt der Bedarf). Die nationale Verzehrstudie 2008 ergab jedoch, dass knapp die Hälfte der Erwachsenen die empfohlene Zufuhr nicht erreicht. Deshalb wird empfohlen, ein Augenmerk in der Ernährung auf die Vitamin E-Aufnahme zu legen.

Besonders wichtig ist der Einbau von pflanzlichen Ölen in den Speiseplan. In einem Esslöffel Rapsöl (12 g) steckt beispielsweise fast 3 mg Vitamin E, also etwa 1/5 des Tagesbedarfes. Mit einem Löffel Weizenkeimöl (12 g) nimmt man sogar 20 mg Vitamin E auf, was den Tagesbedarf weit übersteigt. Allerdings sollte man Keimöl und Sonnenblumenöl nur in kleinen Mengen verwenden, denn sie enthalten zwar viel Vitamin E, aber weniger von den wichtigen Omega-3-Fettsäuren.

Diese Vitaminverbindungen sind gemäß EU-Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (Fassung vom 13.3.2015) für Vitamin E in Deutschland und anderen EU-Ländern in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen:

  • D-α-Tocopherol
  • DL-α-Tocopherol
  • D-α-Tocopherylacetat
  • DL-α-Tocopherylacetat
  • D-α-Tocopherylsäuresuccinat
  • Gemischte Tocopherole
  • Tocotrienol-Tocopherol

 

 

Quellen:


Weißenborn A. et al.: Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. J Consum Prot Food Saf (2018). Online publiziert am 04.01.2018

Biesalski, H., Bischoff, S., Puchstein, C. 2010. Ernährungsmedizin. Georg Thieme Verlag: Stuttgart/New York.

DGE/ÖGE/SGE. D-A-CH. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. (2015)

Max-Rubner-Institut. Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 2. (2008) abgerufen am: 04.07.2019