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Vitamine und Mineralstoffe - Wie lässt sich ein Nährstoffmangel feststellen?

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Immer mehr Menschen möchten wissen, wie gut es um ihre Nährstoffversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen bestellt ist. Welche Testangebote gibt es, wie sinnvoll sind diese und was kosten sie?
Ein Behälter mit Reagenzgläsern in einem Labor

Das Wichtigste in Kürze:
Auf Infos kommt es an!

  • Wenn es Hinweise auf einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel gibt, kann die Hausarztpraxis entsprechende Untersuchungen veranlassen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.
  • Wenn Sie einfach nur Ihren Versorgungsstatus kennen möchten, können Sie das in der Arztpraxis als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) beauftragen und selbst bezahlen. Alternativ  können Sie ein freies Labor beauftragen.
  • Bei frei verkäuflichen (Selbst-) Tests ist Vorsicht geboten. Die Handhabung kann fehlerhaft sein. Bei Online-Anbietern steht oft der Produktverkauf im Vordergrund.
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Grundsätzlich ist die Versorgungslage mit Vitaminen und Mineralstoffen in Deutschland gut und lässt sich in der Regel mit ganz normalen Lebensmitteln – ohne zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel – erreichen. Es gibt aber (gesunde) Personengruppen, die ein erhöhtes Risiko für eine grenzwertige Versorgung haben. Dazu gehören vor allem Schwangere und Stillende, ältere Menschen und vegan Lebende. Auch manche Leistungssportler:innen sind nicht gut versorgt. Das gilt hauptsächlich für solche, die auf ihr Gewicht achten müssen (z.B. Rhythmische Sportgymnastik, Ballett, Eiskunstlaufen, Wrestling, Judo und andere Kampfsportarten). Je höher die „erlaubte“ Kalorienaufnahme, desto leichter ist es, sich mit normalen Lebensmitteln adäquat mit Mikronährstoffen zu versorgen.

Trotz der allgemein guten Versorgungslage nehmen 57 % der Bevölkerung Supplemente - so die Daten des Verbrauchermonitors SPEZIAL 2021. Aber nur bei 16 % von ihnen wurde tatsächlich auch ein Mangel festgestellt. Weitere 18 % nehmen Produkte, weil sie selber bei sich einen Vitaminmangel vermuten.

Eine Forscherteam der Donau-Universität Krems kam zu dem Schluss, dass eine regelmäßige Bestimmung des Vitamin-B12- oder Vitamin D-Spiegels Menschen ab 50 Jahren ohne Mangelsymptome keinen gesundheitlichen Nutzen bringt

 

Welche Untersuchungsmöglichkeiten gibt es?

Um einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel festzustellen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen über die systematische Erhebung dessen, was überhaupt gegessen wird, z. B. in Form von 24-Stunden-Abfragen, oder anhand mehrtägiger bzw. mehrwöchiger Ernährungsprotokolle. Bestimmte Symptome (wie z.B. Mundwinkelrhagaden, Blässe und Müdigkeit oder ein zu geringes Wachstum bei Kindern) können Hinweise auf einen bestehenden Vitamin- oder Mineralstoffmangel geben. Wirklich belegen lassen sich diese jedoch nur anhand bestimmter Labor-Biomarker. Das Problem: Unterschiedliche Nährstoffmängel verursachen oft ähnliche, unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsmangel, Hautprobleme, Empfindungsstörungen (Kribbeln, Zuckungen o.ä.) und erhöhte Infektanfälligkeit. Diese können aber ebenso die Folge von Entzündungen oder Infektionen, Stress oder Schlafmangel sein. Eine Übersicht der jeweiligen Symptome finden Sie in unseren Tabellen zu Vitaminen und Mineralstoffen.

Das optimale Vorgehen zur Abschätzung eines Mikronährstoffmangels umfasst zunächst einmal eine detaillierte Anamnese mit Ernährungsprotokoll und eine körperliche Untersuchung, die vor allem Haut, Schleimhäute, Mund, Augen und auch Nervenstörungen (Nervenreize, Geruchsempfinden etc.) berücksichtigen sollte.

Tipp: Für eine erste Abschätzung reicht die Analyse der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten durch eine qualifizierte Ernährungsberatung.

 

Dann folgen Laboruntersuchungen mit biochemischen Tests. Diese wiederum erlauben eine Bewertung der Nährstoffaufnahme in der jüngeren Vergangenheit. Je nach Nährstoff wird dafür Blut (Vollblut, Serum, Plasma), Urin oder eine Gewebeprobe benötigt. Je nach Mikronährstoff müssen unterschiedliche Biomarker herangezogen werden. Für manche Nährstoffe gibt es mehrere Tests, die unterschiedlich gut in ihrer Aussagekraft sind.

Für Fachleute: Bei diesen Tests unterscheidet man wiederum solche, die die Konzentration eines Nährstoffs oder seiner Stoffwechselprodukte (Metaboliten) in einer biologischen Flüssigkeit messen (statische Tests) oder solche, die die Auswirkungen eines Mangels messen, zum Beispiel eine reduzierte Enzymaktivität (funktionelle Tests).
Die beste, aussagekräftigste Bestimmung der Versorgungslage gelingt über die Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie) beispielsweise aus der Leber oder den Muskeln – aber das ist in den meisten Fällen deutlich über das Ziel hinausgeschossen.
Wenn Sie sich für Details interessieren, also was genau untersucht wird und welche Stoffe bzw. Biomarker dafür herangezogen werden, finden Sie in dieser Tabelle, die auf der ESPEN-Leitlinie von 2022 basiert.

Am Beispiel Zink zeigt sich, wie schwierig die Interpretation ist bzw. wodurch Werte beeinflusst werden können: Wird während einer Infektion der Zink-Wert bestimmt, liegt er möglicherweise sehr niedrig. Das heißt aber nicht, dass die Person einen generellen Zink-Mangel hat, sondern dass es durch die Infektion zu dem niedrigeren Wert gekommen ist. Dieser wird sich nach Beendigung der Infektion automatisch wieder normalisieren. Eine Kontrolle zum späteren Zeitpunkt ist dann sinnvoll. Beim Fasten dagegen ist der Zink-Wert erhöht. Auch der Ferritin-Wert – eigentlich ein Zeichen für eine Eisenmangelanämie – steigt bei einer Erkältung (oder einer anderen Infektion) an. Ein Eisenmangel wird so mitunter nicht erkannt. Zu einem erhöhten Wert kann es aber auch durch weitere Erkrankungen (Hämochromatose, Hepatitis) oder eine Überdosierung von Eisenpräparaten kommen. Wenn während einer Corona-Erkrankung ein niedriger Vitamin-D-Spiegel gemessen wird, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Erkrankung ausgebrochen ist, weil der Vitamin-D-Wert zu niedrig war. Genauso gut könnte es auch andersherum sein.
Solche Zusammenhänge werden in Diskussionen über Vitamine und Mineralstoffe oft nicht berücksichtigt.

Wie sinnvoll sind private Bluttests?

Rundum-Tests sind in der Regel wenig sinnvoll, da Deutschland kein Vitaminmangelland ist. Spezielle Untersuchungen können aber unter Umständen sinnvoll sein, z.B. zum Vitamin-D-Status bei wenig aktiven älteren Menschen, zu B12 (vegan Essende) oder auch zu Folsäure. Im Prinzip könnte auch Jod interessant sein – die Versorgungssituation in Deutschland ist insgesamt unbefriedigend – hier ist es aber viel preiswerter, einfach jodhaltiges Speisesalz zu verwenden.

Anbieter privater Tests bzw. Testlabore – die damit natürlich Geld verdienen wollen – geben viele Gründe an, warum man solche Tests durchführen sollte, z.B. zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge, bei Magen-Darm-Erkrankungen, bei Einnahme bestimmter Medikamente wie der Anti-Baby-Pille, Säureblockern oder Antidiabetika. Liegt ein solcher Fall bei Ihnen vor, fragen Sie doch einfach erstmal im Arztgespräch, ob das für Sie wirklich sinnvoll ist. Ist eine solche Untersuchung aus Gesundheitsgründen wichtig, werden Ihr Arzt oder Ihre Ärztin diese schon veranlassen. Testanbieter nennen auch Wachstumsphasen bei Kindern und Jugendlichen oder auch besonders herausfordernde Situationen (Einschulung, Umschulung in die weiterführende Schule) als Anlass zur Testung. Fragen Sie vorher auf jeden Fall erst einmal in Ihrer Kinder- und Jugendarztpraxis nach. Einige Informationen haben wir auch hier für Sie zusammengestellt. Eine weitere beliebte Zielgruppe sind Breitensportler:innen – dabei ist deren Mikronährstoffbedarf gar nicht erhöht - auch nicht der von Magnesium. Bei Leistungsportler:innen sieht das möglicherweise etwas anders aus. Aber diese werden deswegen von Sportmediziner:innen überwacht und erhalten eine Ernährungsberatung, beispielsweise an den Olympiastützpunkten.

Was bieten private Labore an?

Viele Labore bieten eine Vollblutanalyse an. Damit sollen alle Vitamine und Mineralstoffe sowie Omega-3-Fettsäuren gemessen werden.

  • Meist werden Kombi-Pakete angeboten, z.B. ein Basis-Mineralstoff-Paket mit Selen, Zink, Calcium, Magnesium, Phosphor, Kupfer, Mangan und Chrom (ca. 90 €), das noch um Kalium, Natrium, Molybdän und Eisen erweitert werden kann (ca. 150 €).
  • Eine Serum-Untersuchung auf Spurenelemente (Zink, Selen, Magnesium, Eisen, Kupfer) liegt bei ca. 40 €.
  • Es gibt Antioxidantien-Pakete (Vitamin A, C, E, Selen) für ca. 90 € und spezielle Untersuchungen für Veganer:innen (Ferritin, B12, Holotranscobalamin, Folsäure, Vitamin D, TSH (schilddrüsenstimulierendes Hormon) für ca. 120 €.
  • Manche bieten auch ein Vitamin-Profil (Vitamine A, E und D, Folsäure, Vitamin B6 und B12) für ca. 117 € an, welches natürlich beliebig erweitert werden kann.
  • Die Untersuchung auf einzelne B-Vitamine kostet zwischen 15 und 35 €.
  • Es gibt aber auch Labore, die jeden Nährstoff einzeln anbieten.  Je nach Nährstoff liegen die Kosten zwischen 5 und 60 €.
  • Eine Vitamin D-Untersuchung kostet meist zwischen 20 und 35 €.

Zu diesen Kosten kommen in der Regel noch die Kosten für die Blutabnahme (ca. 10 € vor Ort oder in der Hausarztpraxis), ggf. auch für eine ärztliche Beratung.
Umfangreiche Tests, wie sie auch im Rahmen der orthomolekularen Nährstofftherapie angeboten werden, können aber auch schon mal mehrere hundert Euro kosten.
Anstatt ein solches Labor privat zu beauftragen, können Sie auch in Ihrer Hausarztpraxis nach einer solchen Untersuchung fragen.

Bei einer Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) wird die Knochenfestigkeit anhand des Mineralsalzgehaltes bestimmt. Sie dient der Untermauerung einer Osteoporose-Diagnose. Ein Calcium- oder Vitamin-D-Mangel lässt sich damit nicht feststellen.


Wer übernimmt die Kosten für die Tests?

Liegt der Verdacht eines tatsächlichen Nährstoffmangels nahe, können Ärzt:innen eine konkrete Diagnostik zu Lasten der Krankenkasse abrechnen. Ansonsten gelten Mikronährstoffuntersuchungen als individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) und müssen in der Regel selbst gezahlt werden. Einige private Krankenkassen und auch naturheilkundliche Zusatzversicherungen übernehmen dagegen die Kosten. Nahrungsergänzungsmittel (als Lebensmittel) sind in der Regel auch Privatvergnügen, im Falle eines festgestellten Mangels werden entsprechende, hoch dosierte Arzneimittel verschrieben. Mehr dazu finden Sie in unserem Artikel „Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente – wann zahlt die Krankenkasse?“.

Wie gut sind Selbsttests aus dem Internet?

Im Internet werden Selbsttests z.B. für den Vitamin-D-Status angeboten, für die man sich selbst einen Blutstropfen aus der Fingerkuppe (Kapillarblut) entnimmt und dann an ein Labor schickt. Mal abgesehen davon, dass das sicherlich Überwindung kostet und man damit auch einiges falsch machen kann, zeigen bisherige Vergleiche, dass die Ergebnisse von Anbieter zu Anbieter doch sehr schwanken, die Auswertungen oft nicht wirklich hilfreich sind und häufig direkt mit Kaufempfehlungen für Produkte einhergehen. Die Preise für Tests liegen bei ca. 30 € für Vitamin D und Eisen, ca. 40 € für B12 und etwa 70-80 € für ein Mineralstoff-Paket. Die Bestimmung der Omega-3-Fettsäuren kostet ca. 60-90 €.

Alternative Testmethoden für Mikronährstoffe

Außer den genannten Untersuchungsmethoden werden auch noch weitere Methoden z.B. in Apotheken, Reformhäusern, Naturheilkunde-, aber auch Arztpraxen angeboten, „um den individuellen Bedarf an Nährstoffen zu ermitteln“. Meist werden in der Folge Kaufempfehlungen gegeben.

  • Bioresonanz-Diagnostik: Hierbei misst das Bioresonanz-Gerät elektromagnetische Schwingungen, wodurch man auf biochemische Vorgänge im Körper schließen können soll. Angeblich lässt das magnetische Feld der menschlichen Zellen Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand und auch den individuellen Mikronährstoffbedarf zu.
    Für diese Methode gibt es keine wissenschaftlichen Beweise, Experten halten die Messungen für unseriös. Auch ein Reutlinger Gericht stellte fest, dass die Geräte Betrug sind.
     
  • Kinesiologische Diagnostik: Hier soll ein bestimmter Muskeltest zeigen, welche Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente der Körper momentan vermehrt benötigt. Es handelt sich grundsätzlich um ein wissenschaftlich nicht anerkanntes alternativmedizinisches Diagnose- und Therapieverfahren ohne belegte Wirksamkeit.
    Wie ausgerechnet Muskeltests Hinweise auf eine Unterversorgung mit bestimmten Mikronährstoffen geben sollen, bleibt ein Rätsel. 
     
  • Antioxidantien-Scanner: Ein solcher Scanner misst den Gehalt von Antioxidantien (vor allem Carotinoide) in der inneren Handfläche. Genutzt wird ein optisches Messverfahren, das antioxidativ wirkende Vitamine im menschlichen Gewebe bestimmen soll. Dazu wird LED-Licht in die Haut eingestrahlt und das aus der Haut zurück gestreute Licht analysiert. Das reflektierte Licht soll dann detaillierte Informationen über Art und Menge der im Gewebe befindlichen "Gesundheitsmarker" enthalten. Mit Hilfe spezifischer Algorithmen wird dann die Konzentration der Antioxidantien in der Haut bestimmt und es werden daraus Rückschlüsse auf das antioxidative Niveau gezogen. Ein Test der Verbraucherzentrale NRW vor einigen Jahren hat allerdings keine nachvollziehbaren Ergebnisse gebracht. Möglicherweise reicht es schon aus, Möhren zu putzen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Diese Geräte haben keine Zulassung als Medizinprodukt und dürfen nicht zu medizinischen Diagnosen genutzt werden. Hinzu kommt, dass es sehr viel mehr antioxidativ wirkende Stoffe im Körper gibt als nur Carotinoide. Mehr zu Antioxidantien erfahren Sie hier.
     
  • Haar-Mineral-Analysen: Haaranalysen sollen angeblich Mineralstoffmängel und damit mögliche Ursachen von Gesundheitsproblemen aufdecken. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest erbrachte ein ernüchterndes Ergebnis: Die Analysewerte für ein und dieselbe Person schwanken von Labor zu Labor, bei Calcium gab es Unterschiede von fast 300 %. Ein Anbieter ermittelte normale Magnesium-Werte, der nächste zu niedrige und empfahl dringend die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels. Gleiches Ergebnis bei Selen. Außerdem arbeiteten die Labore mit ganz unterschiedlichen Normalwerten. Bewährt haben sich Haaranalysen nur zum Nachweis von Drogenkonsum und für kriminaltechnische Nachweise, z.B. einer Arsenvergiftung. Vitamine lassen sich damit gar nicht untersuchen. Haar-Mineral-Analysen sind kein anerkanntes diagnostisches Verfahren.

 

Quellen: