Hochwasser-Schäden: Tipps zur Sanierung und Handwerkersuche

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Nach Hochwasser stehen viele Betroffene vor großen Schäden und schwierigen Entscheidungen. Die Verbraucherzentralen zeigen, welche Schritte jetzt wichtig sind, warum Sanierung keine Heimwerkerarbeit ist und wie Sie geeignete Handwerksbetriebe finden.
Kernsanierung eines Raums - Böden, Wände und Decken müssen bearbeitet werden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach Hochwasser ist schnelles, aber überlegtes Handeln entscheidend, um Folgeschäden zu vermeiden.
  • Die Sanierung von Hochwasserschäden gehört grundsätzlich in fachkundige Hände.
  • Nicht jeder Handwerksbetrieb ist für Hochwasserschäden spezialisiert – prüfen Sie Qualifikation und Erfahrung.
  • Trocknung, Schimmelvermeidung und Schadstoffprüfung sind zentrale Schritte der Sanierung.
  • Eine fachliche Dokumentation ist wichtig für Versicherungen und spätere Gewährleistungsfragen.
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Was ist nach einem Hochwasser zuerst zu tun? 

Hochwasser hinterlässt oft mehr als nur sichtbare Schäden. Schlamm, verunreinigtes Wasser und durchnässte Bauteile können die Gesundheit gefährden und die Bausubstanz langfristig schädigen. Betreten Sie überflutete Bereiche nur, wenn Strom und Gas abgeschaltet sind – Lebensgefahr durch Stromschlag! 

Beginnen Sie mit den Aufräumarbeiten möglichst bald nach dem Rückgang des Wassers. Tragen Sie dabei zum Schutz vor Verunreinigungen im Überschwemmungswasser eine Schutzausrüstung wie wasserfeste Kleidung und eine Atemschutzmaske. Entfernen Sie Schlamm, Unrat und durchnässte Materialien oder reinigen Sie diese gründlich. Je länger Schmutz und Schadstoffe eintrocknen oder in Bauteile eindringen, desto größer werden die Schäden – und der Sanierungsaufwand. 

Wichtig: Lassen Sie vorab prüfen, ob durchnässte Baumaterialien mit Schimmel, Öl, Chemikalien oder Asbest belastet sind. In solchen Fällen gelten besondere Schutz- und Entsorgungsregeln. Bringen Sie gut sichtbare Hinweisschilder an, damit alle Beteiligten geschützt sind. 

Diese Schritte sind besonders wichtig: 

1. Möglichst unmittelbar, sobald alle Räume wieder zur Begutachtung begehbar sind, sollten Sachverständige das Gebäude auf mögliche Schäden untersuchen und dies dokumentieren. Sind bereits Risse oder Verformungen am Gebäude deutlich sichtbar, sollte vor dem Betreten unbedingt die Standsicherheit überprüft werden.

Sachverständige prüfen frühzeitig:

  • Schäden am Mauerwerk und der Tragkonstruktion,
  • Putzschäden, Risse und Setzungen,
  • Belastungen durch Schadstoffe, Fäkalien und Schimmelbefall,
  • Zustand von Heizungs-, Sanitär- und Elektroanlagen. 

Im Sachverständigenverzeichnis der IHK oder den Architekten- und Ingenieurkammern finden Sie die richtigen Ansprechpartner. 

2. Planen Sie das Sanierungs- und Trocknungskonzept vor allem bei größeren Schäden mit Hilfe von sachverständigen Fachleuten. 

3. Dokumentieren Sie Schäden in Form von Fotos und Gutachten. Das ist wichtig für Versicherungen.

Auf der Website des Bundesverbandes Schimmelpilzsanierung e.V. finden Sie 10 hilfreiche Tipps für Sofortmaßnahmen

Warum sind Hochwasserschäden nichts für Heimwerker:innen? 

Viele Schäden nach Hochwasser sind nicht sofort sichtbar. Feuchtigkeit steckt oft tief in Wänden, Böden und Dämmstoffen. Unsachgemäße Eigenleistungen können dazu führen, dass Schimmel wächst, Materialien dauerhaft geschädigt werden oder die Statik leidet. 

Auch Handwerksbetriebe verfügen nicht automatisch über die nötige Spezialkenntnis. Hochwasserschäden erfordern Erfahrung mit:

  • kontaminiertem Wasser,
  • Schimmel- und Schadstoffsanierung,
  • spezieller Gebäudetrocknung,
  • bauphysikalischen Zusammenhängen. 

Wer ohne Fachplanung zu früh trocknet oder Bauteile entfernt, riskiert Setzrisse, Verformungen oder erneute Durchfeuchtung. Besonders kritisch ist das zu frühe Auspumpen von Kellern: Steht außen noch Wasser an, kann der Druck von außen zu schweren Gebäudeschäden führen. 

Faustregel: Sanierung nach Hochwasser ist kein Renovierungsprojekt, sondern eine technische Wiederherstellung

Wie finde ich geeignete Handwerker und Sachverständige? 

Trocknung und Sanierung nach Hochwasser gehören in die Hände von Fachfirmen, denn dafür ist spezielles Wissen nötig. Auch ist nicht jedes Angebot seriös oder fachlich geeignet. Nutzen Sie mehrere Quellen und prüfen Sie Qualifikationen sorgfältig. 

Hilfe bei der Suche nach entsprechend spezialisierten Firmen und Sachverständigen finden Sie unter anderem bei

Achten Sie bei der Auswahl auf: 

  • nachweisbare Erfahrung mit Hochwasserschäden,
  • klare Leistungsbeschreibungen und schriftliche Angebote,
  • keine Sofortzusagen ohne Besichtigung,
  • Dokumentation der Maßnahmen und Messungen.

Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Seriöse Betriebe erklären die nächsten Schritte verständlich und raten nicht vorschnell zu Komplettabriss oder pauschalen Lösungen.

Wie läuft die Sanierung nach einem Hochwasserschaden ab? 

Nach dem Abpumpen des Wassers folgt die Entfernung von Schlamm und Schmutz – oft mit Industriesaugern. Unrat und nasses Mobiliar muss ausgeräumt werden. Stark durchfeuchtete Materialien wie Tapeten, Gipsputze, Bodenbeläge oder Holzwerkstoffe müssen entfernt werden, da sie Schimmelwachstum begünstigen und die Trocknung behindern. Sind auch Dämmstoffe betroffen und stark durchnässt, zum Beispiel in Fußbodenaufbauten, müssen diese ebenfalls häufig ersetzt werden.

Gleichzeitig muss auch die gesamte betroffene Haustechnik, wie Elektro-, Gas-, Heizungs- und Wasserinstallationen auf Schäden und Funktionstüchtigkeit geprüft werden. Installationen und Leitungen, die unterhalb des Hochwasserstandes lagen, sind meist nicht mehr zu retten und müssen erneuert werden.

Anschließend muss die Bausubstanz so schnell wie möglich trocknen. Erst danach kann der Wiederaufbau beginnen. Dabei sollten Sie auch bedenken, welche vorbeugenden Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser möglich und sinnvoll sind. 

Besonders überflutungsgefährdet sind Häuser in Tälern, in Hanglagen oder in der Nähe von Bächen, Flüssen und Seen. Doch durch die Klimaveränderung und Starkregen kann Hochwasser heute nahezu überall auftreten. 

Deshalb sollte auch untersucht werden, wie das Wasser ins Gebäude gelangt ist – etwa über Kellerfenster. Solche Stellen sollten gegebenenfalls nachträglich abgedichtet werden. 

Vorbeugende Maßnahmen können sein:

  • druckwasserdichte Kellerfenster,
  • Rückstauklappen,
  • Abdichtungen an gefährdeten Stellen. 

Wichtige Tipps zur Schadensbeseitigung nach einem Hochwasser bekommen Sie auf der Website des Bundesverbandes Schimmelpilzsanierung e.V..

Welche Möglichkeiten der Gebäudetrocknung gibt es? 

Nach Hochwasser ist gründliches Lüften wichtig, reicht aber allein nicht aus. Feuchtigkeit sitzt oft tief in Wänden, Böden und Dämmstoffen fest. Daher ist fast immer eine technische Trocknung notwendig. 

Zum Einsatz kommen unter anderem:

  • Kondensationstrockner für Feuchtigkeit in Boden und Wänden,
  • zusätzlich Turbogebläse zur Oberflächen- und Wandtrocknung,
  • Dämmschichttrocknung bei schwimmendem Estrich mit Bohrungen und Schlauchsystemen,
  • Vakuumverfahren bei belasteten Materialien. 

Welche Methode geeignet ist, hängt vom Aufbau des Gebäudes und dem Schadensausmaß ab. Fachfirmen überwachen den Erfolg mit Feuchtemessungen und dokumentieren den Trocknungsverlauf. Informationen, wie Sie eine qualifizierte Fachfirma für die Gebäudetrocknung erkennen, bekommen Sie auf der Internetseite des Umweltbundesamtes. 

Wichtig zu wissen: Schimmel kann bereits nach wenigen Tagen entstehen. Eine zu späte oder falsche Trocknung erhöht Gesundheitsrisiken und Sanierungskosten erheblich. 

FAQ: Hochwasser, Sanierung und Handwerker 

Was sollte ich nach Hochwasser auf keinen Fall selbst machen?

Nach Hochwasser sollten Sie keine tragenden Bauteile entfernen oder beschädigte Bereiche eigenständig umbauen. Besonders gefährlich ist es, einen Keller zu früh leer zu pumpen, wenn außen noch Wasser ansteht, da dies schwere Gebäudeschäden verursachen kann. Auch schimmel- oder schadstoffbelastete Materialien dürfen nicht ohne Schutzmaßnahmen entfernt werden. Unsachgemäßes Vorgehen kann die Schäden vergrößern und die Gesundheit gefährden. 

Wie erkenne ich einen seriösen Handwerksbetrieb?

Ein seriöser Handwerksbetrieb kann Erfahrung mit Hochwasserschäden nachweisen und nimmt sich Zeit für eine gründliche Besichtigung vor Ort. Er erklärt verständlich, welche Maßnahmen nötig sind, und legt ein schriftliches, nachvollziehbares Angebot vor. Vorsicht ist geboten bei Sofortzusagen oder pauschalen Lösungen ohne Untersuchung des Schadens. Wichtig ist auch eine Dokumentation der Arbeiten und der Feuchtemessungen. 

Wann muss ein Gutachten erstellt werden?

Bei größeren oder unklaren Schäden sollte möglichst früh ein Gutachten durch Sachverständige erstellt werden. Es hilft, das tatsächliche Schadensausmaß festzustellen und die richtigen Sanierungsmaßnahmen zu planen. Zudem ist ein Gutachten oft wichtig für die Schadenregulierung mit der Versicherung. Auch spätere Streitigkeiten über Mängel lassen sich so besser vermeiden. 

Wie lange dauert die Trocknung nach Hochwasser?

Die Dauer der Trocknung hängt vom Ausmaß des Schadens und vom Aufbau des Gebäudes ab und kann mehrere Wochen bis Monate betragen. Entscheidend ist nicht das Gefühl von trockener Luft, sondern die gemessene Restfeuchte in Wänden, Böden und Dämmstoffen. Eine zu frühe Beendigung der Trocknung erhöht das Risiko von Schimmel und Folgeschäden. Fachfirmen kontrollieren den Erfolg mit geeigneten Messverfahren. 

Übernimmt die Versicherung alle Kosten?

Ob und in welchem Umfang eine Versicherung die Kosten übernimmt, hängt vom individuellen Versicherungsvertrag ab. Nicht alle Policen decken Hochwasser- oder Starkregenschäden ab. Wichtig ist eine lückenlose Dokumentation der Schäden und der Sanierungsmaßnahmen. Lassen Sie sich im Zweifel vor größeren Arbeiten beraten, um keine Ansprüche zu verlieren.

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