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Energiesparen mit kleinem Budget

Stand:
Wer Energiekosten senken will, sollte versuchen weniger Strom zu verbrauchen. Aber was kostet viel Energie und wo liegt das höchste Einsparpotenzial? Und: Was bringt ein Stecker-Solargerät wirklich?
Holzhäuschen vor Naturkulisse

Das Wichtigste in Kürze:

  • Elektrogeräte verbrauchen unterschiedlich viel Strom. Mit einem Strommessgerät erfahren Sie, wie viel Energie Kühlschrank, Waschmaschine und Co. brauchen.
  • Besonders Kühl –und Gefriergeräte sind in den vergangenen Jahren deutlich sparsamer geworden, vielleicht lohnt sich der Wechsel zu einem neueren Gerät. Beim Austausch von Wasch- oder Spülmaschinen ist das Sparpotenzial geringer.
  • Ein Steckersolargerät kann die Energiekosten senken – vorausgesetzt, die Sonne scheint. Je nach Standort des Geräts können Verbraucher:innen die Anschaffungskosten bereits nach wenigen Jahren wieder drin haben.
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Was verbraucht viel Strom?

Wer Strom sparen will, muss wissen, welche Geräte viel Energie verbrauchen. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft haben diese Geräte im Jahr 2021 am meisten Energie verbraucht:

  • 28 Prozent: Informations- und Kommunikationstechnik (Handys, Laptops, Spielkonsolen und Co.)
  • 14 Prozent: Waschen und Trocknen
  • 13 Prozent: Licht
  • 11 Prozent: Kühl- und Gefriergeräte
  • 9 Prozent: Kochen
  • 8 Prozent: Spülen

Das sind Durchschnittswerte – je nach Haushaltsgröße, Gerät und Nutzung kann sich der Verbrauch unterscheiden. Die Gruppe der Haushaltsgroßgeräte wie Kühlschränke, Wasch- und Spülmaschinen und Elektroherde verbraucht am meisten Strom. Stärkste Einzelverbraucher sind Wäschetrockner, die in vielen Haushalten den höchsten Stromverbrauch pro Stunde haben. Sie fallen dann ins Gewicht, wenn sie häufig laufen. Fernseher, Laptops und Co. haben zwar einen moderaten Stromverbrauch pro Stunde – werden sie aber viel benutzt, können sie auch zu einem großen Kostenpunkt werden. Kleingeräte wie Handys und Tablets verbrauchen am wenigsten Energie.

Es gibt Strommessgeräte, die den Verbrauch einzelner Geräte feststellen können. Dafür schließen Sie die Messgeräte einfach zwischen Steckdose und Stecker an. Sie können die Geräte zum Beispiel beim Baumarkt oder im Internet kaufen. Die meisten Verbraucherzentralen verleihen sie auch. Haben Sie ein Smart-Home-System, können zugehörige Steckdosen den Stromverbrauch der angeschlossenen Geräte messen.

 So können Sie Ihre Stromkosten überschlagen:

Wer die Verbrauchsangaben der Geräte nicht einordnen kann, sollte sie in Kosten umrechnen:

  1. 1 Wattstunde (Wh) sind 0,001 Kilowattstunden (kWh).
  2. 1 Kilowattstunde Strom kostet der Energiepreisbremse zufolge höchstens 40 Cent – 1 Wattstunde also 0,04 Cent.
  3. Ein Gerät, das 100 Watt leistet, kostet also 4 Cent pro Stunde – oder 4 Euro für 100 Stunden.

Wenn Sie Hilfe dabei brauchen, wenden Sie sich an die Energieberatung der Verbraucherzentralen.

Wo gibt es Einsparpotenzial?

Ein Handy verbraucht im Schnitt 3,3 kWh pro Jahr – das sind umgerechnet 1,32 Euro. Wer sein Gerät auf der Arbeit lädt, wird sich damit also nur wenig Geld sparen können. Mehr Einsparpotenzial gibt es hingegen beim Kühlschrank. Alte Kühl-Gefrierkombinationen können aufs Jahr gerechnet 400 kWh verbrauchen, während effiziente Neugeräte nicht mehr als 150 kWh ziehen. Die 250 kWh Unterschied sparen bei einem 40-Cent-Tarif also 100 Euro jährlich. Ob sich ein Austausch in Ihrem Fall lohnt, können Sie mit dem Kühlschrank-Rechner der Verbraucherzentralen ausrechnen. Aber aufgepasst: Auch neue Geräte können Stromfresser sein. Achten Sie auf das Energielabel mit der Effizienzklasse. Die Einordnung reicht von der Bestnote A bis zur untersten Stufe G.

Bei Wäschetrocknern und Spülmaschinen ist das Einsparpotenzial durch einen Neukauf deutlich geringer als bei Kühl- und Gefriergeräten. Ein Austausch lohnt sich nur bei sehr alten Geräten, die viel Wasser verbrauchen.

Mit diesen Tipps senken Sie Ihren Verbrauch:

  • Einige Geräte verbrauchen Strom, selbst wenn sie grade nicht laufen. Manchmal können Verbraucher:innen das sofort erkennen, beispielsweise bei einer Kaffeemaschine mit Digitaluhr. Aber auch eingesteckte Wasserkocher oder Toaster können Energie ziehen, wenn sie im Stand-by-Modus sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, zieht den Stecker oder nutzt Stromsparsteckdosen mit Schalter.
  • Wechseln Sie auf LED-Leuchten. Eine normale Glühlampe (60 Watt), die jeden Tag vier Stunden brennt, verbraucht rund 88 kWh pro Jahr. Bei 40 Cent pro kWh wären das 35,20 Euro. Zum Vergleich: Die Strommenge für eine LED-Lampe, die nur 6 Watt verbraucht, kostet nur 3,52 Euro.
  • Warm zu duschen ist teuer. Je nach Wasser-Erhitzer kann ein einzelner Duschgang schon wenige Euro ausmachen. Wer lauwarm statt heiß duscht und den Duschgang nicht in die Länge zieht, spart Geld. Der Duschrechner der Verbraucherzentrale sagt Ihnen, wie viel.
  • Stellen Sie Ihren Kühl- und Gefrierschrank richtig ein: Der Kühlschrank sollte auf +7 Grad und den Gefrierschrank auf -18 Grad stehen.
  • Wählen Sie bei Ihrer Wasch- und Spülmaschine – wenn möglich – niedrige Temperaturen. Außerdem sollten Sie darauf achten, die Geräte vollständig zu befüllen.
  • Auch WLAN-Router können ziemliche Stromfresser sein. Sie haben in der Regel aber keine Verbrauchskennzeichnung. Fragen Sie bei Ihrem Internetanbieter nach, wie viel Strom Ihr Gerät verbraucht und ob es günstigere Geräte gibt, oder messen Sie den Verbrauch mit einem Strommessgerät. Stellen Sie nicht benötigte Funktionen des Routers ab. Dazu gehören beispielsweise zusätzliche WLAN-Netze oder die Netzwerkfreigaben für Festplatten und Drucker.
  • Nutzen Sie Ihren Urlaub zum Stromsparen: Sie können Kühl- und Gefrierschränke leeren, abtauen und abstellen, sodass sie nicht so viel Energie verbrauchen. Nach der Pause kühlen sie noch effizienter und energiesparsamer.

Wie kann ich meine Wohnung sparsam kühl halten?

Klimaanlagen zählen zu den Großverbrauchern. Wer trotzdem nicht darauf verzichten kann, sollte versuchen, die Temperatur um maximal vier bis fünf Grad zu kühlen. Ventilatoren verbrauchen nur einen Bruchteil der Energie. Ansonsten gilt: Jalousien und Rollläden tagsüber unten halten, morgens und abends mit Durchzug stoßlüften. Auch kalte (Hand-) Tücher über dem Ventilator oder einem Wäscheständer können dem Raum Wärme entziehen.

Was ist ein Steckersolargerät?

Ein anderer Weg, um die Energiekosten zu senken, sind Steckersolargeräte, auch Stecker- oder Plug-in-PV genannt. Das sind Solarkraftwerke im Kleinformat für Garten, Balkon oder Terrasse. Sie bestehen aus ein bis zwei Solarmodulen und sind so konzipiert, dass Verbraucher:innen sie selbst anbringen können. Auch die Anmeldeverfahren sind leichter. Der produzierte Strom fließt direkt über die Steckdose in den Haushalt.

Ein Steckersolargerät produziert nur Strom, wenn die Sonne scheint. Die Energie sollte deshalb möglichst direkt verbraucht werden, damit es finanziell interessant bleibt. Denn: Für überschüssigen Strom erhält man keine Einspeisevergütung wie bei einer großen PV-Anlage und ein Batteriespeicher lohnt sich meist nicht, weil er zu teuer ist.

Was können Steckersolargeräte leisten?

Steckersolargeräte kosten zwischen 600 und 900 Euro. Damit das vereinfachte Anmeldeverfahren gilt, dürfen sie maximal 600 Watt Einspeiseleistung haben. Je nach Ausrichtung und Wetter kann ein Standardsolarmodul mit 380 Watt Leistung bis zu 280 kWh pro Jahr erzeugen. Zum Vergleich: Ein Zwei-Personen-Haushalt in einem Einfamilienhaus verbraucht laut Stromspiegel etwa 3.000 kWh Strom pro Jahr. Die Geräte können über 20 Jahre halten. Die Anschaffungskosten haben Verbraucher:innen also nach 7,5 bis 9,5 Jahren wieder drin.

Aufgepasst: Doppelt hält in diesem Fall nicht besser. Sie sollten maximal ein Gerät beziehungsweise einen Wechselrichter an eine Steckdose anschließen.

Checkliste: Lohnt sich ein Steckersolargerät für mich?

  1. Die Ausrichtung des Balkons ist entscheidend: Am meisten Sonne scheint im Süden, aber auch PV-Module auf nach Osten oder Westen gerichteten Balkonen können viel Strom produzieren. Im Norden lohnt sich ein Steckersolargerät nur auf Flachdächern.
  2. Ein Steckersolargerät rechnet sich umso mehr, desto höher der eigene Grundverbrauch ist, weil die Energie in der Regel nicht gespeichert wird. Bei einem Ein-Personenhaushalt ist die Einsparung also geringer als bei mehreren Personen mit höherer Grundlast. Das heißt auch: Wenn die Sonne scheint, Wasch-, Spülmaschine und Trockner laufen lassen, die viel Strom verbrauchen.
  3. Nutzen Sie den Stecker-Solar-Simulator der Forschungsgruppe Solarspeichersysteme. Er hilft Ihnen ausrechnen, ob sich eine Anschaffung in Ihrem Fall lohnt.

Das richtige Gerät finden

Es gibt viele Anbieter am Markt. Achten Sie darauf, dass der mitgelieferte Wechselrichter nicht mehr Leistung als 600 Watt in den Stromkreis einspeist. Bei höherer Leistung verkompliziert sich das Anmeldeverfahren.

Die Bundesnetzagentur warnt zudem vor Steckersolargeräten, die nicht zertifiziert sind. Geräte, die das DGS-Logo tragen, erfüllen besonders hohe Sicherheitsstandards. Mindestens sollten die Produkte aber eine CE-Kennzeichnung haben. Der Wechselrichter sollte eine Konformitätserklärung gemäß VDE AR 4105 haben.

Steckersolargeräte gibt es mit Wieland- und Schuko-Steckern. Schuko-Stecker passen in klassische Steckdosen, Wieland-Stecker muss ein:e Elektriker:in anschließen. Deshalb empfiehlt die Verbraucherzentrale die Nutzung von Schuko-Steckern, die Sie selbst anbringen können.

Vier Schritte zum Steckersolargerät

Schritt 1: Prüfen Sie den Denkmalschutz: Sie dürfen die Geräte nicht an oder in der Nähe von Gebäuden mit Denkmalschutz anbringen. Ob das für Ihr Gebäude gilt, erfahren Sie bei der Denkmalschutzbehörde, die bei Ihrer Kommune oder der Kreisverwaltung angesiedelt ist.

Schritt 2: Sprechen Sie mit Ihrem Vermieter: Wenn Sie das Gerät an Balkonbrüstung oder Hauswand anbringen wollen, verändern Sie damit die Fassade. Das geht nicht ohne Erlaubnis des Vermieters. Bei Wohnungseigentümergesellschaften (WEG) brauchen Sie eine mehrheitliche Erlaubnis.

Schritt 3: Suchen Sie Fördermittel: Bundesweite Fördermittel sind rar, allerdings profitieren Sie davon, dass die Umsatzsteuer auf Steckersolargeräte seit Jahresbeginn auf null Prozent herabgesenkt wurde. Vielleicht führt Ihr Bundesland oder Ihre Kommune ein aktuelles Förderprogramm, in dem noch Mittel verfügbar sind. Falls ja, prüfen Sie welche konkreten Anforderungen Ihr Steckersolargerät erfüllen muss.

Schritt 4: Melden Sie Ihr Steckersolargerät an: Sie müssen Steckersolargerät beim Netzbetreiber anmelden und ins Marktstammdatenregister eintragen lassen. Es kann sein, dass Ihr Netzbetreiber auf ein neues Messgerät besteht. Die Kosten dafür muss er aber selbst tragen.

Gut zu wissen: Derzeit sind Gesetzesvorhaben in Abstimmung begriffen, die das Aufstellen und die Nutzung von Steckersolargeräten vereinfachen sollen. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

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