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Sanktionen gegen Russland: Was passiert mit meinem Geld?

Stand:
Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat harte Maßnahmen zahlreicher Staaten nach sich gezogen, die die russische Wirtschaft treffen sollen. Betroffen ist auch der Finanzsektor.
Ein Wörterbucheintrag zeigt das Wort "Sanktion".
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Der russische Angriff auf die Ukraine erschüttert Europa. Neben allen Sorgen um Menschenleben und die Zukunft der Ukraine stellt sich die Frage, was mit Geldern passiert, die Verbraucher:innen bei europäischen Töchtern russischer Banken angelegt haben.

Schon seit 2014 gibt es Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland – als die aktuelle Gewaltspirale mit der Unterstützung prorussischer Separatisten in Gang geriet. Betroffen ist dadurch schon länger der Finanzsektor.

Doch die Frage nach der Sicherheit von Tages- und Festgeldern bei europäischen Töchtern russischer Banken erfährt nun im Februar 2022 eine neue Brisanz. Denn in den letzten Tagen gab es diverse neue Reaktionen und Sanktionen der EU verbunden mit der Frage möglicher russischer Reaktionen darauf.

Aktuell kann niemand die weitere Entwicklung des Krieges sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen seriös einschätzen. Trotzdem lohnt es sich, die rechtliche Situation zu kennen.

Um welche Banken geht es?

Anleger:innen fragen sich, welche Auswirkungen der begonnene Krieg auf den Finanzsektor haben könnte. Ein Aspekt ist, dass verschiedene Institute mit russischen Wurzeln im deutschen Markt auftreten, vor allem mit Tages- und Festgeldkonten.

Es handelt sich dabei in der Regel um Töchter russischer Banken, etwa die VTB Austria AG mit Sitz in Wien, die mit der VTB Direktbank in Frankfurt am Main eine Zweigniederlassung für den deutschen Markt unterhält. Weitere Banken sind zum Beispiel die Sberbank, die FIBR (Amsterdam Trade) oder die East West Direkt.

Doch auch deutsche und europäische Banken können vom Krieg betroffen sein, wenn sie geschäftliche Engagements in Russland oder der Ukraine haben.

Ist mein Geld bei Instituten mit russischem Hintergrund gefährdet?

Sollte es infolge des Krieges, der Sanktionen, darauf folgender Reaktionen oder wirtschaftlicher Folgen zur Insolvenz eines Kreditinstitutes kommen, sind Kundeneinlagen bei europäischen Banken grundsätzlich durch die gesetzliche und ggf. auch eine zusätzliche freiwillige Einlagensicherung oder die Institutsgarantie geschützt.

Für Banken mit Hauptsitz in Deutschland greift die hiesige gesetzliche Einlagensicherung. Konkret gilt das für die VTB Bank und die VTB Direktbank. Für europäische Töchter russischer Banken gilt die Einlagensicherung des entsprechenden Landes:

  • Bei der Sberbank wäre es die österreichische,
  • bei der FIBR (Amsterdam Trade) die niederländische und
  • bei East West Direkt die luxemburgische.

Es sind in den genannten Fällen EU-Banken, die dem EU-Recht und der von der EU vorgesehenen Finanzaufsicht unterliegen. Das gilt auch für die in der EU vorgeschriebene Einlagensicherung.

Die Information, welche Einlagensicherung gilt, finden Sie auf der Internetseite Ihres Geldinstituts. Außerdem sind die Institute bei Kontoeröffnung verpflichtet, Sie über die Einlagensicherung zu informieren – dann finden Sie die Information in Ihren Unterlagen.

Die Internetseiten der nationalen Einlagensicherungsgesellschaften finden Sie hier.

Hat Ihre Bank beispielsweise ihren Sitz in Österreich, dann klicken Sie auf den Link über "Austria", der Sie zur Einlagensicherung ESA Austria führt. Dort finden Sie dann tagesaktuelle Informationen, sollte eine Insolvenz und ein Entschädigungsfall festgestellt werden.

Für Einlagen bei Kreditinstituten, die im EU-Ausland abgesichert sind, kann ein zusätzliches Risiko bestehen. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass im Krisenfall die Mittel der Einlagensicherung nicht ausreichen. Dann stellt sich die Frage, ob die jeweiligen Staaten finanziell in der Lage sind und ein Interesse daran haben, diese Sicherheit zur Not aus Steuermitteln zu gewährleisten. Damit sind die Sicherungssysteme nur so sicher wie die Staaten, die sie implizit decken. Bei der Bonität (Kreditwürdigkeit, Finanzkraft) der Staaten gibt es im Euroraum allerdings große Unterschiede. Der Bundesrepublik Deutschland wird hier die höchste Bonität zugeschrieben.

Auf Basis dieser Überlegungen raten wir grundsätzlich zu Anlagen mit deutscher Einlagensicherung, wenn ein hohes Maß an Sicherheit angestrebt wird. Unabhängig davon raten wir zu einer breiten Diversifikation über verschiedene Anlageklassen.

Hat der Krieg schon konkrete Auswirkungen bei europäischen Töchtern russischer Banken?

Am 1. März 2022 hat die österreichische FMA-Finanzaufsicht der Sberbank Europa AG den Geschäftsbetrieb untersagt und sie damit faktisch geschlossen. Kund:innen werden bis zu 100.000 Euro über die Einlagensicherung zurück erhalten.

Ausführlichere Informationen zur Situation bei der Sberbank haben wir hier zusammengestellt.

Was würde passieren, falls eine europäische Tochter mit Sitz in Deutschland insolvent ginge?

Den grundsätzlichen Ablauf in einem Insolvenzfall beschreibt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Für die Bundesrepublik Deutschland liefe die Abwicklung der Ansprüche in einem Insolvenzfall grundsätzlich über die Entschädigungseinrichtung Deutscher Banken.

Einlagen im Sinne der gesetzlichen Einlagensicherung sind zum Beispiel die Guthaben auf Girokonten und Sparbüchern, Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefen. Pro Institut mit eigener Lizenz und Kunde sind 100.000 Euro geschützt. Hier haben Anleger einen Rechtsanspruch.

Alle Einlagen bei Kreditinstituten in der EU sind im Rahmen der jeweiligen nationalen Einlagensicherung des Landes, in dem das Kreditinstitut seinen Sitz hat, bis zur Höhe von 100.000 Euro je Kontoinhaber abgesichert.

Die Rückzahlung von Einlagen im Entschädigungsfall soll innerhalb von maximal sieben Arbeitstagen nach der schriftlichen Meldung des Geschädigten erfolgen. Weitergehende Informationen zur Einlagensicherung finden Sie in unserem zugehörigen Artikel.

Je nach Kreditinstitut kann die abgesicherte Summe in der gesetzlichen Einlagensicherung noch um freiwillige private Einlagensicherungssysteme ergänzt werden. In Deutschland wäre dies der Bundesverband Deutscher Banken (BdB). Beispielsweise ist die VTB Bank (Europe) SE als russische Tochter Mitglied im BdB. Im Insolvenzfall beträgt der Schutz pro Anleger daher (Stand 28.02.2022) mindestens 750.000 Euro pro Anleger.

Würde also die VTB Bank (Europe) SE insolvent werden und die BaFin den Entschädigungsfall feststellen, würden beide Einlagensicherungssysteme greifen.

Können die Finanz-Sanktionen andere Auswirkungen haben?

Das ist denkbar, aber bisher ungewiss, weil Umfang und konkrete Ausgestaltung der Sanktionen noch nicht vollständig ersichtlich sind.

So könnte die Abschaltung des internationalen Zahlungsverkehrssystems Swift für russische Banken Auswirkungen auf deren europäischen Tochterbanken haben. Dürfen auch diese nicht mehr an Swift teilnehmen, ist zum Beispiel denkbar, dass Kunden nicht mehr täglich über ihr Tagesgeld verfügen können.

Es ist nicht völlig auszuschließen, dass russische Banken versuchen könnten, Gelder ihrer europäischen Töchter abzuziehen.

Kann ich Festgeldanlagen und Sparbriefe vorzeitig auflösen?

Nein. Hier ist eine feste Laufzeit vereinbart, deshalb können Sie das Geld vor Ablauf der Vereinbarung nicht abziehen. Sollte allerdings aufgrund einer Insolvenz der Bank ein Entschädigungsfall festgestellt werden, erhalten Sie Ihr Geld im Rahmen der abgesicherten Beträge automatisch vorzeitig ausgezahlt.

Tagesgeld hingegen ist jederzeit verfügbar.

Finanziere ich mit meinem Geld den Krieg?

Man kann in der derzeitigen Situation nicht ausschließen, dass angelegte Gelder aktuell direkt oder indirekt Kriegszwecken dienen. Dies gilt auch, aber eben nicht nur, bei russischen Tochterbanken.

Die Aktienmärkte sind in Aufregung – sollte ich nun handeln?

Insbesondere Aktienmärkte und der Wechselkurs des Rubels haben auf den Krieg und die Sanktionen mit starken Kursschwankungen reagiert. Die weitere Entwicklung der politischen Lage ist nicht absehbar – und damit auch nicht, wann die Aktienmärkte sich wieder beruhigen.

Anleger sollten eher Geduld haben: Sie laufen mit eiligen Entscheidungen Gefahr, Geld zu verlieren. Langfristige Trendänderungen kann ohnehin niemand vorhersehen.

Häufiges Handeln auf Basis des aktuellen Nachrichtengeschehens verursacht nur zusätzliche Kosten und birgt das Risiko geringerer Renditeaussichten. Unabhängig davon, ob diese Entscheidung sich als richtig herausstellt, kosten die Transaktionen erneut Gebühren.

Geldanlage Gold: Lohnt sich eine Investition als Sicherheit bei Krisen?

Gold ist alles andere als eine sichere Geldanlage. Die Preise schwanken teils heftig. Eine Anlage lohnt sich also allenfalls mit kleinen Anteilen des gesamten Vermögens.

In den letzten 20 Jahren schwankte der Goldpreis zwischen rund 300 und 1750 Euro. Hier sind also enorme Verluste möglich und eine Anlage in Gold keinesfalls sorgenfrei.

Mehr zu Gold als Geldanlage lesen Sie in unserem Artikel zu dem Thema.

Grundzüge einer sicheren Geldanlage-Strategie erklären wir in einem separaten Artikel.

Was taugen Kryptowährungen oder das gute alte Sparbuch?

In der aktuellen Niedrigzinsphase bekommt man für sichere Geldanlagen wie Tagesgeld, Festgeld, Sparbrief oder das gute alte Sparbuch nur einen Habenzins, der den Namen eigentlich nicht mehr verdient. Dieser liegt schon seit vielen Jahren unterhalb der Inflationsrate. Mit sicheren Geldlagen macht man daher in der Praxis einen realen Verlust. Die seit einigen Monaten höher liegende Inflation – aktuell liegen wir bei ca. fünf Prozent – verstärkt dieses Problem noch. Dies ist auch ein Grund, warum viele Anleger:innen nach Produkten suchen, mit denen man nach Kosten und unter Berücksichtigung der Inflation noch eine Nettorendite erzielen kann – diese Ausgangslage hatten wir also schon vor dem Krieg in der Ukraine.

Es gibt "typische Geheimtipps", die in echten oder vermeintlichen Krisenzeiten oft verstärkt nachgefragt werden, weil man sich Werterhalt erhofft. Neben physischem Gold in Form von Barren oder Münzen (siehe vorheriger Abschnitt) werden in den letzten Jahren immer wieder Anlagemöglichkeiten angepriesen, die unserer Sicht in den Bereich der Spekulation fallen. Hier geht es zum Beispiel um Kryptowährungen wie Bitcoin.

Für eine strategische Geldanlage eignet sich dies aus Sicht der Verbraucherzentrale nicht. Niemand weiß, wie sich der Kurs einer Kryptowährung in Zukunft entwickeln wird. Viele Kryptowährungen zeichnen sich unter anderem durch große Kursschwankungen aus, d.h. es sind in kurzer Zeit hohe Gewinne, aber eben auch riesige Verluste bis hin zum Totalverlust denkbar. Kryptowährungen sind kein gesetzliches Zahlungsmittel.

Wer Kryptowährungen trotz der damit verbundenen Risiken kaufen will, sollte dies im Rahmen einer geeigneten Streuung nur mit einer kleinen Beimischung tun - und auch nur mit Geld, auf das er im Notfall verzichten kann. Beim Thema Kryptowährungen sollte man sich zudem über die technischen Voraussetzungen und deren Risiken im Klaren sein und ferner berücksichtigen, dass nicht alle Anbieter seriös sind und auf Trading- und Handelsplattformen leider auch Betrüger unterwegs sein können.

Wie werden sich die Zinsen für Kredite entwickeln?

Die Zinsen für Ratenkredite steigen bereits seit ca. zwei Jahren moderat. Für die Hypothekenzinsen kann man das seit Januar 2022 feststellen. Ob das eine Zinswende oder nur temporär ist, kann derzeit nicht beurteilt werden. Die Europäische Zentralbank könnte im März 2022 die Leitzinsen erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen. Einiges spricht dafür, einiges aber auch dagegen.

Sollten die Leitzinsen erhöht werden, wird sich das mit zeitlicher Verzögerung auf Soll- und Habenzinsen auswirken. Kreditzinsen würden steigen.

Für Schuldner mit Konsumentenkrediten kommt es darauf an, ob sie einen festen Zins über die Laufzeit vereinbart haben oder einen variabler Zins. Im ersten Fall bleibt alles wie gehabt. Im zweiten Fall werden die Zinsen nach oben angepasst. Das ist in der Regel bei Dispozinsen und Überziehungskrediten der Fall. In diesem Fall sollten Sie prüfen, ob Sie mit Ersparnissen zum Beispiel auf niedrig verzinsten Tagesgeldkonten den Kredit tilgen oder zumindest teilweise tilgen können. Denn: Kreditzinsen sind in den meisten Fällen höher als Sparzinsen.

Für Darlehensnehmer, die eine Immobilie finanzieren, ändert sich bei Festzinsdarlehen in den ersten zehn Jahren der Finanzierung nichts. Die monatliche Belastung bleibt konstant. Allerdings sollte man prüfen, mit einem Forwarddarlehen schon heute die Zinsen für die Anschlussfinanzierung festzuschreiben. Je nach Darlehensgeber kann eine neue Zinsfestschreibung zum Beispiel schon zwei oder drei Jahre vor dem Zinsbindungsende für weitere 10, 15 Jahre oder länger vereinbart werden.

Darlehensnehmer mit einer vereinbarten Zinsbindungszeit von mehr als zehn Jahren, zum Beispiel 15 Jahren, haben weitere Möglichkeiten. Es besteht nämlich die gesetzliche Möglichkeit, das Darlehen zehn Jahre nach der Vollauszahlung mit einer Kündigungsfrist von 6 Monaten zu kündigen. Mit einer neuen Zinsbindung kann das heutige Zinsniveau für eine weitere Zinsbindungszeit festgeschrieben werden.

Ebenso sollte man in den Vertrag schauen. Möglicherweise sind Sondertilgungen vereinbart, die man mit niedrig verzinstem Guthaben nutzen kann, um für eine spätere Anschlussfinanzierung eine geringe Restschuld finanzieren zu müssen.

Das steigende Zinsniveau sollte aber auf jeden Fall kein Anlass sein, überstürzt eine Immobilie oder zum Beispiel ein Auto zu kaufen.