Lebensmittelabfälle und Klima: Warum Verschwendung das Klima belastet
Alle Lebensmittel haben einen „Lebenslauf“ – von der Erzeugung bis zum Verzehr. Bereits bei Anbau, Bewässerung, Düngung, Verarbeitung, Verpackung und Transport entstehen Treibhausgase. Wird ein Lebensmittel weggeworfen, wurden diese Emissionen völlig umsonst verursacht.
Am Beispiel Erdbeeren zeigt sich die Klimawirkung deutlich: Mit einem Kilogramm Erdbeeren entstehen laut IFEU-Institut zwischen 300 und 400 Gramm Treibhausgase (CO₂-Äquivalente).
Besonders klimaschädlich sind tierische Lebensmittel:
- Milch: rund 980 Gramm CO₂ pro Kilogramm.
- Rindfleisch: bis zu 14.100 Gramm CO₂ pro Kilogramm.
Obwohl Fleisch- und Milchprodukte weniger als 20 Prozent der Lebensmittelabfälle in der EU ausmachen, verursachen sie über die Hälfte der Treibhausgas-Emissionen aus Lebensmittelabfällen. In Deutschland werden nahezu 10 Millionen Tonnen Lebensmittel produziert und anschließend entsorgt. Dadurch entstehen rund 22 Millionen Tonnen CO₂. Mit dem Ziel, die Lebensmittelabfälle zu halbieren, will die Bundesregierung die CO₂-Emissionen um etwa sechs Millionen Tonnen senken.
Lebensmittelverschwendung und Welternährung: Überfluss hier, Hunger dort
Lebensmittelverschwendung ist nicht nur ein Umwelt- und Klimaproblem, sondern auch ein ethisches und soziales Problem. Die weltweite Lebensmittelproduktion würde theoretisch ausreichen, um rund 12 Milliarden Menschen zu ernähren. Dennoch leiden aktuell über 783 Millionen Menschen an Hunger, und mehr als 3,1 Milliarden Menschen können sich keine gesunde Ernährung leisten.
Ein Grund: Ackerflächen in einkommensschwachen Ländern werden häufig
- für Lebensmittelexporte in wohlhabende Länder,
- für Futtermittelproduktion oder
- für Biokraftstoffe genutzt.
Diese Flächen fehlen dann für den Anbau von Nahrungsmitteln für die lokale Bevölkerung.
Wie viel Essen weltweit verschwendet wird
- 19 Prozent der für Verbraucher:innen verfügbaren Lebensmittel werden von Einzelhandel, Gastronomie und privaten Haushalten verschwendet.
- Weitere 13 Prozent gehen bereits nach der Ernte und vor dem Einzelhandel verloren.
Insgesamt landet rund 1/3 aller produzierten Lebensmittel ungenutzt im Müll – das entspricht über 1,05 Milliarden Tonnen Lebensmitteln pro Jahr weltweit.
Warum Lebensmittelverluste ein systemisches Problem sind
Das globale Lebensmittelsystem ist ein komplexes Netzwerk aus Produktion, Verarbeitung, Transport, Handel, Konsum und Entsorgung. Lebensmittelverluste und -verschwendung entstehen an vielen Stellen der Lieferkette – häufig liegt die eigentliche Ursache nicht dort, wo der Abfall anfällt, sondern an früheren oder späteren Stationen.
Um das Nachhaltigkeitsziel SDG 12.3 zu erreichen, sind daher gemeinsame, systemische Maßnahmen notwendig. Ziel ist es, Lebensmittelverluste zu reduzieren, Versorgungsketten widerstandsfähiger zu machen und Ressourcen weltweit gerechter zu nutzen.
Was Sie gegen Lebensmittelverschwendung tun können
Ein großer Teil der Lebensmittelabfälle entsteht in privaten Haushalten. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich viel vermeiden:
- Einkäufe planen: Mahlzeiten vorab überlegen, Einkaufslisten nutzen, nur benötigte Mengen kaufen (Portionsplaner nutzen).
- Richtig lagern: Lebensmittel passend aufbewahren und angebrochene Produkte kennzeichnen (interaktiven Kühlschrank nutzen).
- Mindesthaltbarkeitsdatum prüfen: Nachsehen, riechen und probieren statt vorschnell wegwerfen.
- Reste verwerten: Übrig gebliebenes weiterverarbeiten oder einfrieren.
- Bewusst konsumieren: Besonders Fleisch- und Milchprodukte gezielt einkaufen und wertschätzen.
Wenn Sie Lebensmittelabfälle reduzieren, schonen Sie Umwelt, Klima und Ressourcen – und sparen gleichzeitig Geld.