Lebensmittelverschwendung: Folgen für Umwelt, Klima und Welternährung

Stand:
Ein Drittel aller Lebensmittel weltweit landet im Müll. Die Verbraucherzentralen beleuchten, wie Lebensmittelverschwendung Umwelt, Klima und Welternährung belastet – und was jeder dagegen tun kann.
Ein Teller mit dem Planet-Bild auf dem Tisch mit Löffel, Gabel und Messer

Das Wichtigste in Kürze:

  • Jährlich gehen weltweit rund 1/3 aller produzierten Lebensmittel verloren – über eine Milliarde Tonnen.
  • Weggeworfene Lebensmittel verursachen unnötige Treibhausgase und verschlechtern die Klimabilanz.
  • Besonders Fleisch- und Milchprodukte sind ressourcen- und emissionsintensiv.
  • Durch Überproduktion und Exportstrukturen leiden ärmere Länder trotz globalem Überfluss weiter an Hunger.
On

Warum Lebensmittelverschwendung ein globales Problem ist

Lebensmittelverschwendung hat gravierende Folgen für Umwelt, Klima, Ressourcenverbrauch und die globale Welternährung. Verluste und Verschwendung von Nahrungsmitteln bereiten weltweit und auch in Deutschland große Probleme. Rund 1/3 der globalen Nahrungsmittelproduktion wird nicht gegessen, sondern geht entlang der Lieferkette verloren oder wird weggeworfen.

Umweltfolgen der Lebensmittelverschwendung

Mit jedem weggeworfenen Lebensmittel ist ein hoher Verbrauch an Energie, Wasser, Düngemitteln und landwirtschaftlichen Flächen verbunden. Diese Ressourcen werden vergeblich eingesetzt, wenn Lebensmittel nicht verzehrt werden.

Beispielsweise werden für die Menge der weggeworfenen Lebensmittel rund 30 Prozent der weltweit verfügbaren landwirtschaftlichen Anbauflächen unnötig genutzt. Wäre die Lebensmittelverschwendung in der EU ein eigener Staat, läge sie nach Italien auf Platz 5 der größten Treibhausgas-Emittenten der EU.

Wertvoller Ackerboden, Wasser und Dünger sowie Energie für Anbau, Ernte, Verarbeitung, Transport, Lagerung und Entsorgung – jedes Lebensmittel verbraucht kostbare Ressourcen. Alle Lebensmittel, die in Deutschland hergestellt werden, benötigen Acker- oder Weideland. Der WWF Deutschland schätzt, dass durch vermeidbare Lebensmittelverluste über 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche eingespart werden könnten. Das entspricht fast 15 Prozent der gesamten Fläche, die in Deutschland für unsere Ernährung benötigt wird.

Besonders flächenintensiv sind tierische Produkte:

  • Rund 1,6 Mio. Hektar entfallen auf Fleisch- und Molkereiprodukte.
  • Etwa 0,5 Mio. Hektar auf Getreideprodukte.

Lebensmittelabfälle und Klima: Warum Verschwendung das Klima belastet 

Alle Lebensmittel haben einen „Lebenslauf“ – von der Erzeugung bis zum Verzehr. Bereits bei Anbau, Bewässerung, Düngung, Verarbeitung, Verpackung und Transport entstehen Treibhausgase. Wird ein Lebensmittel weggeworfen, wurden diese Emissionen völlig umsonst verursacht.

Am Beispiel Erdbeeren zeigt sich die Klimawirkung deutlich: Mit einem Kilogramm Erdbeeren entstehen laut IFEU-Institut zwischen 300 und 400 Gramm Treibhausgase (CO₂-Äquivalente). 

Besonders klimaschädlich sind tierische Lebensmittel: 

  • Milch: rund 980 Gramm CO₂ pro Kilogramm.
  • Rindfleisch: bis zu 14.100 Gramm CO₂ pro Kilogramm. 

Obwohl Fleisch- und Milchprodukte weniger als 20 Prozent der Lebensmittelabfälle in der EU ausmachen, verursachen sie über die Hälfte der Treibhausgas-Emissionen aus Lebensmittelabfällen. In Deutschland werden nahezu 10 Millionen Tonnen Lebensmittel produziert und anschließend entsorgt. Dadurch entstehen rund 22 Millionen Tonnen CO₂. Mit dem Ziel, die Lebensmittelabfälle zu halbieren, will die Bundesregierung die CO₂-Emissionen um etwa sechs Millionen Tonnen senken.

Lebensmittelverschwendung und Welternährung: Überfluss hier, Hunger dort 

Lebensmittelverschwendung ist nicht nur ein Umwelt- und Klimaproblem, sondern auch ein ethisches und soziales Problem. Die weltweite Lebensmittelproduktion würde theoretisch ausreichen, um rund 12 Milliarden Menschen zu ernähren. Dennoch leiden aktuell über 783 Millionen Menschen an Hunger, und mehr als 3,1 Milliarden Menschen können sich keine gesunde Ernährung leisten. 

Ein Grund: Ackerflächen in einkommensschwachen Ländern werden häufig 

  • für Lebensmittelexporte in wohlhabende Länder,
  • für Futtermittelproduktion oder
  • für Biokraftstoffe genutzt. 

Diese Flächen fehlen dann für den Anbau von Nahrungsmitteln für die lokale Bevölkerung. 

Wie viel Essen weltweit verschwendet wird 

  • 19 Prozent der für Verbraucher:innen verfügbaren Lebensmittel werden von Einzelhandel, Gastronomie und privaten Haushalten verschwendet.
  • Weitere 13 Prozent gehen bereits nach der Ernte und vor dem Einzelhandel verloren.

Insgesamt landet rund 1/3 aller produzierten Lebensmittel ungenutzt im Müll – das entspricht über 1,05 Milliarden Tonnen Lebensmitteln pro Jahr weltweit. 

Warum Lebensmittelverluste ein systemisches Problem sind 

Das globale Lebensmittelsystem ist ein komplexes Netzwerk aus Produktion, Verarbeitung, Transport, Handel, Konsum und Entsorgung. Lebensmittelverluste und -verschwendung entstehen an vielen Stellen der Lieferkette – häufig liegt die eigentliche Ursache nicht dort, wo der Abfall anfällt, sondern an früheren oder späteren Stationen. 

Um das Nachhaltigkeitsziel SDG 12.3 zu erreichen, sind daher gemeinsame, systemische Maßnahmen notwendig. Ziel ist es, Lebensmittelverluste zu reduzieren, Versorgungsketten widerstandsfähiger zu machen und Ressourcen weltweit gerechter zu nutzen. 

Was Sie gegen Lebensmittelverschwendung tun können 

Ein großer Teil der Lebensmittelabfälle entsteht in privaten Haushalten. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich viel vermeiden: 

  • Einkäufe planen: Mahlzeiten vorab überlegen, Einkaufslisten nutzen, nur benötigte Mengen kaufen (Portionsplaner nutzen).
  • Richtig lagern: Lebensmittel passend aufbewahren und angebrochene Produkte kennzeichnen (interaktiven Kühlschrank nutzen).
  • Mindesthaltbarkeitsdatum prüfen: Nachsehen, riechen und probieren statt vorschnell wegwerfen.
  • Reste verwerten: Übrig gebliebenes weiterverarbeiten oder einfrieren.
  • Bewusst konsumieren: Besonders Fleisch- und Milchprodukte gezielt einkaufen und wertschätzen.

Wenn Sie Lebensmittelabfälle reduzieren, schonen Sie Umwelt, Klima und Ressourcen – und sparen gleichzeitig Geld.

Ratgeber-Tipps

Das Vorsorge-Handbuch
Wer sich wünscht, selbstbestimmt zu leben und Entscheidungen zu treffen, und sich wünscht, das auch am Lebensabend zu…
Fit und gesund - für Frauen ab 50
Menopause, Knochenhaushalt, Nährstoffbedarf, Ernährung, knackende Knochen - der Körper von Frauen ab 50 ist vielen…