Zinsansprüchen droht Verjährung: Die wichtigsten Infos für Prämiensparer

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Für sächsische Prämiensparer tickt die Uhr. Zum Jahresende verjähren viele Ansprüche auf Zinsnachzahlung. Die Sparkasse muss ihren Kunden dann nichts mehr nachzahlen – ein gefundenes Fressen für die betroffenen Kreditinstitute. Von alleine werden sie sich voraussichtlich nicht bei Ihnen melden und Sie auf das Thema hinweisen. Sie kassieren auf Kosten der Sparer, die jetzt nicht handeln. Denn für die sächsischen Prämiensparer geht es durchschnittlich um 4.000 Euro.

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Um welches Sparprodukt geht es?
Es geht dabei um das Langzeitsparprodukt mit dem Namen Prämiensparen flexibel, das im Jahr 2017 von den Sparkassen gekündigt wurde und eine der folgenden Klauseln beinhaltet:

  • „Die Spareinlage wird variabel, z. Zt. mit.... % verzinst“
  • „Die Spareinlage wird variabel, zur Zt. mit …% p.a. verzinst.“
     

Bei welchen sächsischen Sparkassen droht die Verjährung der Ansprüche?
Die Verjährung droht bei allen sächsischen Sparkassen, die Prämiensparverträge im Jahr 2017 gekündigt haben. Mit Sicherheit sind das die Sparkasse Leipzig, Sparkasse Zwickau, Sparkasse Meißen und die Sparkasse Muldental. In Einzelfällen sind aber auch andere Sparkassen betroffen. Ab 01.01.2021 sind dann die Nachzahlungsansprüche verjährt.

Welche Sparer*innen sind betroffen?
Betroffen sind Prämiensparende, die sich bisher keiner der sechs Musterklagen der Verbraucherzentrale Sachsen gegen sächsische Sparkassen angeschlossen haben. Wer sich bereits einer der jeweiligen Musterfeststellungsklagen angeschlossen hat, hat die Verjährung bereits gehemmt und braucht aktuell keinen weiteren Schritt einleiten. Insbesondere aber die Kunden der Sparkassen Leipzig und Zwickau, die sich der Musterfeststellungsklage nicht angeschlossen haben, sollten jetzt handeln. Denn hier ist das Klageregister bereits geschlossen und die Möglichkeit, sich der Musterklage anzuschließen vertan.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Verjährung zu hemmen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die unterschiedliche Vor- und Nachteile haben:

  • Offenen Musterfeststellungklagen anschließen

Aktuell gibt es für Kunden der Sparkassen Vogtland, Meißen und Muldental die Möglichkeit, sich einer Musterfeststellungsklage anzuschließen.
Dafür können Sie sich jederzeit kostenfrei selbst in das Register auf der Internetseite des Bundesamtes für Justiz eintragen. Um die Eintragung rechtssicher zu gestalten, bietet die Verbraucherzentrale Sachsen zum Preis von 38,99 Euro an, die Eintragung für Sie vorzunehmen Sobald die Eintragung erfolgt ist, schickt das Bundesamt für Justiz Ihnen darüber eine Information. Ab diesem Zeitpunkt ist die Verjährung erfolgreich gehemmt.

  • Schlichtungsverfahren einleiten (Ombudsmann)

Das Schlichtungsverfahren soll einer außergerichtlichen Beilegung eines Rechtsstreits zwischen streitenden Parteien dienen. Diese Beilegung erfolgt in der Regel in Form  eines Kompromisses, welcher von einer neutralen Instanz vorgeschlagen und von den Parteien akzeptiert wird oder auch nicht. Verfahren vor anerkannten Schlichtungsstellen hemmen die Verjährung. Die zuständige Schlichtungsstelle für die sächsischen Sparkassen ist die Schlichtungsstelle des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Die Schlichtungsstelle empfiehlt, dass die Kund*innen auf ihre Sparkasse vorab zugehen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Das heißt, es sollte ein Brief mit der Bitte um Nachzahlung der ausstehenden Zinsen inklusive angemessener Antwortfrist versendet werden. Da die Zeit dafür jedoch knapp wird,  können Sie sich allerdings auch gleich an die Schlichtungsstelle wenden. Wer sich das Einleiten eines Schlichtungsverfahrens nicht selbst zutraut, kann auf die Unterstützung der Verbraucherzentrale Sachsen zählen. Zum Preis von 38,99 Euro leiten wir das Schlichtungsverfahren für Sie ein.

  • Individuell klagen

Neben dem recht neuen Instrument der Musterfeststellungsklage besteht weiterhin für jeden Betroffenen, die Möglichkeit mit Hilfe eines Anwaltes eine individuelle Klage gegen die Sparkasse einzureichen. Dabei ist zu beachten, dass Prozess- und Anwaltskosten für Sie entstehen können – je nachdem wie das Urteil des Gerichtes ausfällt. Deshalb ist dieser Weg insbesondere für Betroffene, die für diesen Bereich eine Rechtsschutzversicherung haben zu empfehlen. Die erste Instanz ist bei Forderungen unter 5.000,00 Euro das Amtsgericht, so dass sich ein langes Verfahren ergeben könnte, wenn eine zweite und dritte Instanz angerufen werden muss. Die Verjährung der Ansprüche ist gehemmt, sobald der von Ihnen beauftragte Anwalt die Klageschrift beim zuständigen Gericht eingereicht hat.

Bis wann muss ich aktiv werden?

Die Ansprüche verjähren zum Ende des Jahres. Wer also bis zum 31. Dezember um 24 Uhr die Verjährung nicht erfolgreich gehemmt hat, wird wohl keine Zinsnachzahlung bekommen.

Was bringt es mir, die Verjährung der Ansprüche um ein halbes Jahr zu verschieben?

Auch wenn beispielsweise ein Schlichtungsverfahren nur einen Zeitaufschub von 6 Monaten nach Beendigung des Verfahrens bringt, haben Sie Zeit gewonnen, um zu überlegen, welche weiteren Schritte für Sie passend wären. Außerdem kann es passieren, dass der Bundesgerichtshof in dieser Zeit ein Urteil fällt von dem Sie profitieren oder die Sparkasse aufgrund des anstehenden Urteils einlenkt und allen Betroffenen ein Vergleichsangebot macht.

Habe ich sonst keine Chance, an meine Zinsnachzahlungen zu gelangen?

Sind die Ansprüche einmal verjährt, Ist der Anspruch zwar noch vorhanden, aber nicht mehr rechtlich durchsetzbar. Es spricht aus heutiger Sicht wenig dafür, dass Sparkassen dann freiwillig Nachzahlungen leisten werden.

Woher weiß ich, wie viele Zinsen mir die Sparkasse nachzahlen muss?

Die Nachberechnung der Zinsen ist ein recht komplexes Unterfangen. Für jeden Sparmonat muss ein Referenzzinssatz angelegt werden und verglichen werden, ob die Sparkasse die Zinsen korrekt angepasst hat. Diese Berechnung ist etwas für echte Experten. Wir übernehmen diese Berechnung für Sie, wenn Sie sich dafür entscheiden. Zum Preis von 82,86 Euro berechnen wir in Kooperation mit Finanzsachverständigen, welche Zinsen Ihnen nach bisheriger BGH-Rechtsprechung zustehen. Sie bekommen von uns im Anschluss ein ausführliches Gutachten.

Ich möchte mich einer Musterfeststellungsklage anschließen oder habe mich einer Musterklage gegen die Sparkasse angeschlossen. Muss ich trotzdem noch aktiv werden?

Ganz klare Antwort: Nein. Wer sich einer Musterfeststellungsklage angeschlossen hat, hat auch die Verjährung erfolgreich gehemmt.

Warum verjähren meine Zinsansprüche?

Zweck der Verjährung ist es, Rechtsfrieden und Rechtssicherheit herbeizuführen. Die Verjährung ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt und die Frist beträgt in der Regel drei Jahre. Entscheidend ist, wann diese 3-jährige Frist beginnt. Dies bestimmt sich nach § 199 BGB.