Sonne nutzen, Kosten senken: Photovoltaik verständlich gemacht
Photovoltaik lohnt sich, wenn sie richtig geplant ist. Erfahren Sie, ob Ihr Dach geeignet ist, welche Anlagengröße sinnvoll ist und ob sich ein Speicher rechnet. Die unabhängige Beratung der Verbraucherzentrale Sachsen hilft, fundierte Entscheidungen zu treffen und typische Fehler zu vermeiden.

Unsere drei zentralen Beratungsangebote
Unterstützung bei Problemen mit Netzbetreibern
Ihre PV-Anlage ist installiert, aber es kommt nicht zur Einspeisung oder Vergütung? Solche Fälle treten in der Praxis häufiger auf als erwartet. Wir unterstützen Sie dabei, Ihre Ansprüche zu verstehen und gegenüber dem Netzbetreiber durchzusetzen.
- fehlende Einspeisevergütung
- Verzögerungen beim Netzanschluss
- Probleme beim Zählertausch
Photovoltaik-Beratung (für Hauseigentümer*innen)
Sie überlegen, eine PV-Anlage zu installieren? Wir unterstützen Sie dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen, bevor Sie investieren. Gerade in der Planungsphase lassen sich viele spätere Fehler vermeiden.
- Einschätzung der Eignung Ihres Gebäudes
- sinnvolle Anlagengrößen
- Bewertung von Angeboten
- Einordnung von Speicherlösungen
Unterstützung bei Balkonkraftwerken (für Mieter*innen)
Sie möchten ein Balkonkraftwerk installieren, stoßen aber auf Widerstand? Gerade im Mietverhältnis kommt es häufig zu Unsicherheiten oder überzogenen Anforderungen. Wir helfen, die Situation realistisch einzuordnen und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
- Anforderungen von Vermieter:innen einordnen
- unzulässige oder überzogene Forderungen erkennen
- konkrete nächste Schritte ableiten
1. Wie funktioniert eine Photovoltaikanlage?
Solarmodule auf dem Dach wandeln Sonnenlicht in Gleichstrom um. Damit dieser Strom im Haushalt nutzbar ist, übernimmt der Wechselrichter die Umwandlung in Wechselstrom.
Solarmodule
Kristalline Siliziumzellen wandeln Licht direkt in elektrischen Gleichstrom um. Hochwertige Module erzielen heute Wirkungsgrade von 20–23 %.
Wechselrichter
Das Herzstück der Anlage wandelt Gleichstrom in netzkonformen Wechselstrom um. Typische Garantiedauer: 5–10 Jahre (Herstellerabhängig).
Netzanschluss
Überschussstrom wird automatisch ins öffentliche Netz eingespeist. Bezugsstrom aus dem Netz ergänzt den Eigenverbrauch bei Bedarf.
Batteriespeicher (optional)
Speichert tagsüber erzeugten Überschussstrom für die Nutzung in den Abendstunden und steigert so den Eigenverbrauch erheblich.
Hinweis zu Garantiezeiten:
Solarmodule haben häufig Produktgarantien von 10–12 Jahren und Leistungsgarantien von 25–30 Jahren. Wechselrichter hingegen bieten meist nur 5–10 Jahre Herstellergarantie, laufen in der Praxis aber oft ebenfalls deutlich länger.
2. Lohnt sich Photovoltaik für mein Haus in Sachsen?
In vielen Fällen sind die Voraussetzungen in Sachsen sehr gut. Ob sich eine Anlage für Ihre konkrete Situation lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab.
Dachfläche und Ausrichtung
Ideale Bedingungen bieten Dächer mit Süd-, Südost- oder Südwestausrichtung, möglichst geringer Verschattung und ausreichend nutzbarer Fläche. Auch Ost-West-Ausrichtungen erzielen heute gute Ergebnisse und ermöglichen eine flachere, gleichmäßigere Stromerzeugung über den Tag.
In Sachsen sind je nach Standort, Dachausrichtung und Verschattung häufig spezifische Jahreserträge in einer Größenordnung von etwa 950 bis 1.050 kWh pro kWp erreichbar: der Freistaat gehört damit zu den sonnenreicheren Bundesländern.
Stromverbrauch im Haushalt
Je mehr Solarstrom Sie selbst nutzen können, desto wirtschaftlicher wird die Anlage. Besonders interessant ist Photovoltaik deshalb für Haushalte mit:
- Mehreren Personen und entsprechend hohem Grundverbrauch
- Wärmepumpe im Einsatz oder geplant
- Elektroauto, das tagsüber oder flexibel geladen werden kann
- Homeoffice oder elektrischer Warmwasserbereitung
Anlagengröße
Moderne Anlagen werden in der Regel größer dimensioniert als früher; nicht zuletzt, weil sinkende Modulpreise dies wirtschaftlich attraktiv machen. Eine unabhängige Beratung hilft, die passende Größe für Ihr Gebäude und Ihren Verbrauch zu bestimmen.
Faustregel für Sachsen
Eine 10-kWp-Anlage erzeugt in Sachsen im Jahresmittel etwa 9.500 bis 10.500 kWh. Ein typischer Vier-Personen-Haushalt verbraucht ca. 3.500 bis 4.500 kWh pro Jahr; die Anlage deckt damit theoretisch den Jahresbedarf mehrfach ab.
Baurechtliche Hinweise
In Einzelfällen (z. B. Denkmalschutz, Bebauungspläne) kann eine Baugenehmigung erforderlich sein. Wenden Sie sich an Ihre Stadt- oder Gemeindeverwaltung.
3. Eigenverbrauch und Netzeinspeisung
Der selbst erzeugte Solarstrom wird vorrangig im Haushalt verbraucht. Erst der Überschuss fließt ins öffentliche Netz.
Situation: Anlage ohne Speicher, kein Energiemanagement
- Typischer Eigenverbrauchsanteil: ~30 %
- Wirtschaftlicher Vorteil: Ca. 30 Ct/kWh gespart statt 7–8 Ct/kWh Vergütung
Situation: Anlage ohne Speicher, mit Energiemanagement und/oder E-Auto / Wärmepumpe
- Typischer Eigenverbrauchsanteil: 35–50 %
- Wirtschaftlicher Vorteil: Spürbar höhere Einsparung ohne Speicherinvestition
Situation: Anlage mit Batteriespeicher
- Typischer Eigenverbrauchsanteil: ~60 %
- Wirtschaftlicher Vorteil: Deutlich reduzierter Netzbezug; Wirtschaftlichkeit prüfen
Warum Eigenverbrauch so wichtig ist
Selbst erzeugter Solarstrom aus dem Dach erspart Ihnen den Kauf von Netzstrom zu derzeit etwa ~30 Cent pro kWh. Für eingespeisten Überschussstrom erhalten Sie nach EEG lediglich 6,73 bis 7,78 Cent pro kWh (für Anlagen bis 40 kWp, Stand 02/2026) – also etwa viermal weniger. Je mehr Sie selbst verbrauchen, desto besser die Wirtschaftlichkeit.
Einspeisevergütung im Überblick (EEG, Stand 02/2026)
- Anlagengröße: Bis 10 kWp
- Einspeisevergütung: 7,78 Ct/kWh
- Vergütungsdauer: 20 Jahre
- Anlagengröße: 10 bis 40 kWp
- Einspeisevergütung: 6,73 Ct/kWh
- Vergütungsdauer: 20 Jahre
Für Anlagen mit Inbetriebnahme vom 1. Februar 2026 bis 31. Juli 2026 beträgt die feste Einspeisevergütung bei Überschusseinspeisung 7,78 ct/kWh für die ersten 10 kWp und 6,73 ct/kWh für den Anlagenteil über 10 bis 40 kWp. Der jeweils bei Inbetriebnahme geltende Satz bleibt für den Förderzeitraum maßgeblich. Die Förderung läuft über 20 Kalenderjahre zuzüglich des Inbetriebnahmejahres. Für neue Anlagen sinken die Vergütungssätze derzeit halbjährlich um 1 Prozent. Maßgeblich ist der Satz zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme Ihrer Anlage.
Für neue PV-Anlagen gelten seit Februar 2025 zusätzliche Vorgaben zur Steuerbarkeit. Bei Anlagen ab 7 kWp sind ein intelligentes Messsystem und eine Steuerungseinrichtung relevant; bis zu deren Einbau kann eine Begrenzung der Einspeiseleistung auf 60 Prozent gelten.
4. Lohnt sich ein Batteriespeicher?
Batteriespeicher werden inzwischen bei vielen Neuinstallationen eingeplant. Ob sich dies für Sie rechnet, hängt von Verbrauch, Anlagengröße und den Systemkosten ab.
Ein Speicher ermöglicht es, den tagsüber erzeugten Solarüberschuss für die Abend- und Nachtstunden zu nutzen. Damit steigt der Eigenverbrauchsanteil von typischerweise ~30 % auf rund ~60 %.
- Höherer Eigenverbrauch und geringerer Netzbezug
- Bessere Nutzung der eigenen Solaranlage
- Etwas mehr Unabhängigkeit von Strompreisschwankungen
Achtung: Batteriespeicher verursachen zusätzliche Anschaffungskosten von typischerweise ca. 4.000 bis 7.000 Euro. Beim Laden und Entladen entstehen unvermeidliche Energieverluste (Wirkungsgrad ca. 90–95 %). Ob sich ein Speicher wirtschaftlich lohnt, hängt vom Einzelfall ab auch wenn sie heute vielfach mit verbaut werden. Modular erweiterbare Speicher können eine Möglichkeit sein, Kapazitäten nachträglich zu erweitern.
Richtige Speicherdimensionierung
Ein häufiger Fehler ist die nicht optimale Dimensionierung des Speichers. Orientieren Sie sich an Ihrem Jahresstromverbrauch:
~3.000 kWh/Jahr → 3–5 kWh
~4.500 kWh/Jahr → 5–7 kWh
~5.000 kWh/Jahr oder WP/E-Auto → 7–10 kWh
Größere Speicher sind sinnvoll, wenn eine Wärmepumpe betrieben wird, das E-Auto überwiegend nachts geladen wird oder der Nachtverbrauch überdurchschnittlich hoch ist.
Hinweis: Hausbatteriespeicher sind für das direkte Laden von Elektroautos weniger geeignet – Fahrzeugbatterien haben eine deutlich höhere Kapazität. Nutzen Sie hierfür besser eine intelligente Ladestation, die direkt aus dem Solardirektüberschuss lädt.
5. Was kostet eine Photovoltaikanlage und rechnet sie sich?
Die Anschaffungskosten sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Trotzdem ist eine sorgfältige Wirtschaftlichkeitsprüfung unerlässlich.
Orientierungsrahmen Investitionskosten
- PV-Anlage 10 kWp (inkl. Montage, Wechselrichter)
- ca. 12.000–25.000 €
- Batteriespeicher (je nach Kapazität)
- ca. 4.000–7.000 €
Seit 2023 gilt für viele Photovoltaikanlagen auf Wohngebäuden ein Nullsteuersatz bei der Umsatzsteuer (0 % MwSt.), was die Anschaffung erleichtert. Klären Sie dies mit Ihrem Installationsbetrieb.
Einflussfaktoren auf die Wirtschaftlichkeit
- Eigenverbrauchsanteil: Je höher, desto schneller amortisiert sich die Anlage
- Aktueller Strompreis: Derzeit ca. 30 Ct/kWh – jede selbst genutzte kWh spart diesen Betrag
- Anlagenkosten und Finanzierung: KfW-Darlehen können die Vorfinanzierung erleichtern
- Einspeisevergütung: Aktuell 6,73–7,78 Ct/kWh (20 Jahre garantiert)
- Speicher: Erhöht Eigenverbrauch, erfordert aber eigene Wirtschaftlichkeitsprüfung
CO₂-Wirkung konkret gerechnet
Der CO₂-Effekt hängt vom jeweils aktuellen Strommix ab. Nach Angaben des Umweltbundesamtes verursachte eine Kilowattstunde Strom im deutschen Strominlandsverbrauch 2025 durchschnittlich 344 g CO₂. Ein Haushalt, der durch Eigenverbrauch rund 1.800 kWh Netzstrom pro Jahr ersetzt, spart damit grob rund 620 kg CO₂ jährlich ein. Das entspricht etwa einer Autofahrt von 4.000 km (Mittelklasse-Benziner).
6. Photovoltaik kombinieren: Wärmepumpe, E-Auto, Energiemanagement
Photovoltaik entfaltet seinen größten wirtschaftlichen Nutzen, wenn möglichst viel selbst erzeugter Strom im Haus verbraucht wird. Andere Technologien können dabei helfen.
Wärmepumpe
Wärmepumpen nutzen Strom zum Heizen mit einem Wirkungsgrad-Vielfachen (COP). Ein Teil dieses Stroms kann direkt aus der eigenen PV-Anlage stammen – das senkt Heizkosten deutlich. Kombination besonders empfehlenswert bei Neubau und Kernsanierung.
Elektroauto
Das Laden während der Sonnenstunden erhöht den Eigenverbrauch erheblich. Am effizientesten: eine intelligente Wallbox lädt das E-Auto direkt aus dem Solarüberschuss. Der Hausbatteriespeicher ist für das Laden von E-Autos weniger geeignet.
Energiemanagement
Energiemanagementsysteme steuern Verbraucher (Waschmaschine, Spülmaschine, Warmwasserspeicher) automatisch so, dass möglichst viel Solarstrom direkt verbraucht wird – auch ohne Batteriespeicher.
7. Balkonkraftwerke – Solarstrom auch für Mieter*innen
Wer kein eigenes Dach hat, kann mit einem Stecker-Solargerät (Balkonkraftwerk) trotzdem eigenen Solarstrom erzeugen. Die kleinen Anlagen lassen sich an Balkonen, Terrassen, Fassaden oder Gartenhäusern befestigen und direkt in eine Steckdose einspeisen.
Wichtige Regelungen für Balkonkraftwerke
Balkonkraftwerke mit bis zu 800 Watt Ausgangsleistung und 960 Watt Leistung der angeschlossenen Module dürfen ohne Fachhandwerker an einer haushaltsüblichen Schuko-Steckdose in Betrieb genommen werden. Voraussetzung ist die Anmeldung beim Marktstammdatenregister. In Miet- und Eigentumswohnungen ist zudem die Zustimmung der Eigentümer:innen bzw. der Eigentümergemeinschaft erforderlich.
Ausführliche und aktuelle Informationen zu Anforderungen (DIN VDE V 0126-95) und Rechtsfragen finden Sie auf der Bundeswebseite der Verbraucherzentrale
8. Planung: Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden
Bei der Planung einer PV-Anlage passieren immer wieder ähnliche Fehler. Eine sorgfältige Vorbereitung und unabhängige Beratung helfen, teure Fehlentscheidungen zu vermeiden.
- Nur ein Angebot einholen: Holen Sie mindestens drei Angebote ein und lassen Sie diese durch eine unabhängige Stelle prüfen.
- Wirtschaftlichkeitsrechnung des Verkäufers ungeprüft übernehmen: Lassen Sie Renditeversprechen und Amortisationszeiträume immer von unabhängiger Seite prüfen – insbesondere bei Vollkostenpaketen mit Speicher.
- Speicher ohne Bedarfsanalyse wählen: Ein zu großer Speicher kostet mehr, als er einbringt. Dimensionieren Sie den Speicher an Ihrem tatsächlichen Verbrauch.
- Baurechtliche Anforderungen ignorieren: In Denkmalschutzzonen oder mit Bebauungsplan können besondere Auflagen gelten. Informieren Sie sich bei Ihrer Gemeinde.
- Garantiezeiten nicht differenzieren: Module haben oft 25–30 Jahre Leistungsgarantie, Wechselrichter aber häufig nur 5–10 Jahre. Fragen Sie explizit nach Wartungs- und Ersatzkosten.
9. Finanzierung & Förderung
So hilft der Staat – Förderung und rechtliche Rahmenbedingungen
Photovoltaikanlagen profitieren von verschiedenen gesetzlichen Regelungen, die den Ausbau erneuerbarer Energien unterstützen.
Bundesebene
EEG-Einspeisevergütung
20 Jahre gesetzlich garantierte Vergütung für eingespeisten Strom. Sätze: 6,73–7,78 Ct/kWh für Anlagen bis 40 kWp (Stand 02/2026).
Steuerrecht
Nullsteuersatz (0 % MwSt.)
Seit dem 1. Januar 2023 gilt für viele typische Photovoltaikanlagen auf Wohngebäuden ein Umsatzsteuersatz von 0 Prozent. Der Nullsteuersatz erfasst in der Regel auch wesentliche Komponenten wie Wechselrichter, Batteriespeicher, Energiemanagementsysteme sowie erforderliche Arbeiten am Zählerschrank.
KfW
KfW-Finanzierung
Für die Errichtung einer PV-Anlage können zinsgünstige Darlehen der KfW in Anspruch genommen werden. Aktuelle Konditionen prüfen Sie bei der KfW direkt.
Sachsenspezifische Förderung
Zusätzlich zur Bundesförderung können in Sachsen kommunale oder landesseitige Förderprogramme für PV-Anlagen oder Speicher existieren. Da sich diese Angebote regelmäßig ändern, prüfen Sie aktuelle Programme in der persönlichen Beratung oder bei Ihrer Gemeinde.