Eigenheim: Warum die Finanzierung nach zehn Jahren teurer wird
Läuft die Zinsbindung der Baufinanzierung aus, können deutlich höhere Kosten auf Eigentümerinnen und Eigentümer zukommen - was bei der Anschlussfinanzierung wichtig ist und worauf Verbraucherinnen udn Verbraucher jetzt achten sollten.

Wer sein Haus oder seine Wohnung vor zehn Jahren finanziert hat, muss sich jetzt auf deutlich höhere Finanzierungskosten einstellen. Damals lagen die Bauzinsen oft unter zwei Prozent. Läuft die Zinsbindung aus, kann die Anschlussfinanzierung mit knapp vier Prozent deutlich teurer werden. Die Verbraucherzentrale Sachsen rät Eigentümerinnen und Eigentümern deshalb, sich frühzeitig mit der Anschlussfinanzierung zu beschäftigen und unterstützt mit unabhängiger Beratung.
Zinssätze mehr als verdoppelt
Wie stark sich die höheren Zinsen auf die monatliche Belastung auswirken können, zeigt ein Beispiel auf Basis offizieller Durchschnittszinsen der Deutschen Bundesbank: Familie M. hat ihr Haus im Jahr 2016 finanziert. Für die nun anstehende Anschlussfinanzierung verbleibt eine Restschuld von 150.000 Euro.
Bei einem damaligen durchschnittlichen Marktzins für zehnjährige Zinsbindungen von rund 1,6 Prozent und einer anfänglichen Tilgung von zwei Prozent lag die monatliche Rate bei rund 450 Euro. Bei einem aktuellen Durchschnittszins von rund 3,7 Prozent steigt die Rate bei gleichbleibender Tilgung auf rund 713 Euro. Damit erhöht sich die monatliche Belastung um rund 58 Prozent.
Frühzeitig Angebote vergleichen
„Die tatsächliche Höhe der Anschlussfinanzierung hängt allerdings vom jeweiligen Einzelfall ab. Entscheidend sind unter anderem die verbleibende Restschuld, der vereinbarte Tilgungssatz, die gewünschte Dauer der neuen Zinsbindung und die individuellen Konditionen des Kreditinstituts“, erklärt Paul Huber, Referent für Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Sachsen.
Eine niedrigere Restschuld kann die Zinsbelastung der Anschlussfinanzierung reduzieren. Wer bis zum Ende der laufenden Zinsbindung zusätzliche Tilgungen leisten kann, sollte daher prüfen, ob dies sinnvoll und laut Kreditvertrag möglich ist. Auch eine höhere Tilgung kann dazu beitragen, die Gesamtkosten des Darlehens zu senken.
Gleichzeitig sollte die eigene finanzielle Situation berücksichtigt werden: Die zusätzliche Tilgung sollte nicht dazu führen, dass für unvorhergesehene Ausgaben kein ausreichender finanzieller Spielraum mehr vorhanden ist.
„Verbraucher sollten das erstbeste Angebot ihrer bisherigen Bank keinesfalls ungeprüft unterschreiben“, rät Paul Huber. „Ein Vergleich verschiedener Anbieter kann sich lohnen und dazu beitragen, die monatliche Belastung und die Gesamtkosten der Anschlussfinanzierung zu reduzieren.“ Neben einer Verlängerung des Darlehens bei der bisherigen Bank kann beispielsweise auch ein Wechsel zu einem anderen Kreditinstitut infrage kommen.
Gut informiert in die Anschlussfinanzierung
Die Verbraucherzentrale Sachsen unterstützt Verbraucherinnen und Verbraucher bei Fragen rund um die Baufinanzierung. Dazu gehören unter anderem die Wahl einer geeigneten Darlehensform, die Prüfung von Fördermöglichkeiten sowie die Bewertung und Vorbereitung einer Anschlussfinanzierung. Termine können über das zentrale Termintelefon unter 0341 696 2929 oder online vereinbart werden.
Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes.