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Mit Weihrauch wieder gehen können?

Stand:

Weihrauchextrakt soll bei entzündlichen Gelenkerkrankungen Schmerzen lindern. Ob Nahrungsergänzungsmittel helfen können, ist unklar.

Das Wichtigste in Kürze:
Achtung, kann der Gesunheit schaden!

  • In Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzte Weihrauch-Wirkstoffe dürfen keine arzneimittelähnliche Wirkung haben und nicht mit Krankheitsbezug beworben werden.
  • Nicht immer sind die beworbenen Boswelliasäuren des Weihrauchs im Produkt zu finden.
  • Menschen mit Beschwerden sollten Weihrauchpräparate nicht eigenständig ohne Rücksprache mit dem Arzt einnehmen; für Kinder sind die Produkte ungeeignet.
  • Es sind Wechselwirkungen mit Medikamenten und unerwünschte Wirkungen möglich.
Weihrauch
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Was steckt hinter der Werbung zu Weihrauchextrakt?

Weihrauchextrakte werden traditionell für religiöse Zeremonien als Räucherharze verwendet. Die darin enthaltenen Boswelliasäuren sollen aber auch vielfältige gesundheitliche Wirkungen aufweisen, beispielsweise Gelenk-Entzündungen und -Schmerzen lindern, das Immunsystem stärken oder gegen Stress und Angstzustände helfen – jedenfalls laut Werbung. Auch als "Anti-Krebs-Mittel" werden sie propagiert.

Die entzündungshemmende Wirkung von Weihrauchextrakten wurde bisher hauptsächlich in Tierversuchen getestet, es gibt nur wenige Untersuchungen am Menschen. Laut Arzneimittelkommission der Bundesärztekammer kann die Verwendung von Weihrauch aufgrund der unzulänglichen klinischen Datenlage nicht empfohlen werden.

Weihrauchpräparate sind nicht als Medikament in Deutschland zugelassen (lediglich als homöopathische Arzneimittel).

Vier Studien mit Arthrosepatienten aus Indien, mit niedriger Teilnehmerzahl, ergaben zwar Hinweise auf eine moderate Verbesserung von Schmerzen bei abgenutzten Gelenken - doch reichen diese Ergebnisse bisher nicht einmal aus, um auf eine sichere Wirkung eines bestimmten Extraktes mit einer entsprechenden Dosierung bei Gelenkerkrankungen zu schließen. Ein Wirknachweis ist aber Voraussetzung, um überhaupt eine Zulassung als Arzneimittel zu bekommen.

Viele Studien weisen Mängel auf, so dass deren Aussagekraft begrenzt ist. Es besteht noch einiger Forschungsbedarf – auch zu der Frage, ob Weihrauchextrakt herkömmlichen Schmerzmitteln wie Ibuprofen bei Arthrose überlegen ist.

Bei der EU wurde eine gesundheitsbezogene Wirkaussage (Health Claim) zu "Gelenkgesundheit" beantragt, über die bisher nicht entschieden wurde. Hierin geht es aber nicht um die Heilung oder Linderung von Gelenkproblemen, sondern um einen möglichen positiven Einfluss von Weihrauch auf die Gelenke („Helps keep joints cool and comfortable“).

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Weihrauch-Produkten achten?

Weihrauch ist hierzulande nur als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Verwendet wird das Gummiharz von afrikanischem (Boswellia carterii) oder indischem Weihrauch (Boswellia serrata) in Tabletten- oder Kapselform.

Weder die Art des Extraktes noch Inhaltsstoffe oder Dosierung sind standardisiert, so dass die Produkte der verschiedenen Anbieter kaum miteinander vergleichbar sind.

Ebenso wenig ist bekannt, mit welchen, auch langfristigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit Medikamenten zu rechnen ist.

  • Die Zusammensetzung der verschiedenen Produkte schwankt erheblich. Die in den wenigen klinischen Studien untersuchten Weihrauch-Spezialextrakte unterscheiden sich nach Angaben der Arzneimittelkommission der Bundesärztekammer von den in Deutschland erhältlichen weihrauchhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln. Eine Übertragung der Aussagen zu Dosierung und Wirkung dieser Extrakte auf hiesige Nahrungsergänzungsmittel ist daher nicht möglich.
     
  • Aussagen wie "enthält 85 % Boswelliasäuren" oder "400 mg Weihrauchextrakt" helfen nicht beim Produktvergleich. Achtung bei angeblichen Produkttests in Internetportalen, viele dienen vor allem der Verkaufssteigerung. Gleiches gilt für Sterne-Bewertungen angeblicher Käufer.
     
  • Einige Studien geben Hinweise auf unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen) wie Übelkeit, Magensäure-Reflux (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre) sowie allergische Reaktionen bei der Einnahme von Weihrauch-Extrakt.
     
  • Weihrauch-Extrakte können Wechselwirkungen mit einer Vielzahl von Medikamenten haben (vor allem solche, die mittels P-Glycoprotein transportiert werden). Außerdem sollten Sie Weihrauchprodukte nicht verwenden, wenn Sie Blutgerinnungshemmer wie Warfarin (Coumadin®) einnehmen. Sprechen Sie also unbedingt vor der Nutzung mit Ihrem Arzt bzw. Apotheker, wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen.
     
  • Keine Kostenübernahme: Gesetzliche Krankenkassenübernehmen die Kosten für die Einnahme von Nahrungsergänzungen mit Weihrauch in der Regel nicht.
     

Die in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzte Art und Menge an Weihrauch-Extrakten darf keine arzneimittelähnliche (pharmakologische) Wirkung aufweisen, sonst werden die Produkte als nicht zugelassene Arzneimittel eingestuft.

In den letzten Jahren stuften die Lebensmitteluntersuchungsämter Kapseln mit Weihrauch-Extrakten immer wieder als (nicht zugelassene) Arzneimittel ein, da sie nach ihrer „objektiven Zweckbestimmung“, teilweise auch durch die Werbung der Vertriebsunternehmen, offensichtlich zur therapeutischen Anwendung bestimmt seien.

Krankheitsbezogene Werbung (z.B. hilft bei Arthritis) ist für Nahrungsergänzungsmittel jedoch generell nicht erlaubt. Gesundheitsbezogene Aussagen wurden bisher von der EU nicht zugelassen. Anbieter umgehen diese gesetzliche Regelung gerne, indem sie nur indirekt (z. B. mittels Buchtipp oder Hinweis auf entsprechende Internetforen) auf angebliche heilende oder lindernde Wirkungen verweisen.

Was ist Weihrauchextrakt?

Bei den verschiedenen Weihrauch-Arten handelt es sich meist um kleine, gedrungene Bäume mit buschähnlicher Wuchsform. Der afrikanische Weihrauch (Boswellia carterii) kommt aus Südarabien oder Afrika, der indische Weihrauch (Boswellia serrata) stammt vorwiegend aus Ostindien. Wird der Stamm des Baums verwundet, tritt eine klebrige Flüssigkeit aus, die nach einigen Tagen zu festem Gummiharz trocknet. Dieses wird abgeschabt, gesammelt und als Trockenextrakt weiter verwendet.

Welche Inhaltsstoffe sind in Weihrauchextrakt enthalten?

Das Gummiharz zeichnet sich durch einen hohen Anteil an ätherischem Öl (bis zu 10 %) aus. Als Hauptwirkstoffe enthält es verschiedene Boswelliasäuren wie die Alpha- und Beta-Boswelliasäure, die, abhängig von Extrakt und Dosierung, die Entstehung von Entzündungsreaktionen im Körper beeinflussen können.

Können Weihrauch-Produkte mit Schadstoffen belastet sein?

Bei Kontrollen durch die amtliche Lebensmittelüberwachung fallen immer wieder übermäßig belastete Nahrungsergänzungsmittel aus dem asiatischen Raum auf.

Sofern es sich um ayurvedische Nahrungsergänzungsmittel handelt, können diese - zum Teil absichtlich aus traditioneller Herstellungspraxis heraus - Schwermetalle enthalten, speziell Anteile von giftigem Blei, Quecksilber und Arsen.

 

Quellen:


Krebsinformationsdienst (2016): Weihrauch in der Krebstherapie - unbewiesen oder altbewährt?, Boswelliasäuren zur komplementären Behandlung, Stand: 26.01.2016 (abgerufen am 11.12.2020)

Heißmann N: Nahrungsergänzungsmittel (2014): Weihrauch gegen Entzündungen - sinnvoll oder nur teuer?, Stern.de, Stand: 25.01.2014 (abgerufen am 11.12.2020)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC): S2k-Leitlinie Gonarthrose. Seite 48, 5.5.5 Phytotherapie oral. Stand 18.01.2018 (abgerufen am 11.12.2020)

Weihrauch für die Gelenke: Schmerzlindernde Wirkung möglich. Medizin-transparent, Stand 22.12.2018, abgerufen am 11.12.2020

Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft

Wissenschaftlicher Fachausschuss der Bundesärztekammer/Steinmeyer, J: Weihrauch zur Behandlung der Arthrose? Arzneiverordnung in der Praxis. Band 44, Heft 3, 7/2017

Consolidated list of Article 13 health claims. List of references received by EFSA. Part 4IDs 3001 –4705, Stand: 05.04.2011 (abgerufen am 11.12.2020)

EFSA Register of Questions, Question Nr. EFSA-Q-2008-4714 (abgerufen 11.12.2020)

Memorial Sloan Kettering Cancer Center: Boswellia. Stand: 23.04.2020 (abgerufen am 11.12.2020)