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Superfood: Hype um Früchte und Samen

Stand:

Açaí, Chia, Goji, Maqui oder Moringa. - Was steckt genau hinter den exotischen Früchten und Samen?

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung nicht bewiesen!

  • Superfoods zeichnen sich meist durch einen hohen Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen aus. Ein gesundheitlicher Mehrwert im Vergleich mit der Vielzahl heimischer Gemüse und Früchte ist allerdings nicht gegeben.
  • Behauptete gesundheitsfördernde Eigenschaften bestimmter Superfoods sind meist wissenschaftlich nicht belegt.
  • Häufig sind Superfoods mit Schadstoffen belastet und im Vergleich zu heimischen Gemüse und Früchten sehr teuer.
  • "Exotische" Lebensmittel bergen immer ein gewisses Risiko Überempfindlichkeitsreaktionen bzw. Allergien auszulösen, auch Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich.
  • Bei "Superfoods" in Kapselform ist Vorsicht geboten. Durch die Aufkonzentrierung bestimmter reizender oder toxischer Stoffe kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen.
Superfood: Früchte und Samen
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Was steckt hinter der Werbung zu Superfoods?

Superfoods werden allerlei gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Meist sollen sie verschiedenen Krankheiten vorbeugen und zudem satt und schlank machen. Besonders herausgestellt wird ihr antioxidatives Potential. Kein Wunder also, dass für 48 % der Bevölkerung Superfoods zu einer gesundheitsbewussten Ernährung dazugehören.

Für die beworbenen gesundheitsfördernden Eigenschaften fehlen weitgehend wissenschaftliche Nachweise. Die meisten Aussagen zu Superfoods stammen von gewerblichen Anbietern, einzelnen Beratern oder Interessengruppen. Dabei überwiegen Anekdoten und Erfahrungsberichte. Scharlatanerie ist weit verbreitet. Gesicherte Daten zu Enzym-Gehalten oder den Mengen einzelner sekundärer Pflanzenstoffe fehlen in der Regel, Folge: Superfoods sind oft einfach nicht ausreichend untersucht, um sie gesundheitlich bewerten zu können.

Auch bei Superfood-haltigen Nahrungs­ergänzungsmitteln ist der ausgelobte Gesundheits­nutzen meist nicht wissenschaftlich nachgewiesen und die genaue Zusammensetzung oft nicht bekannt. Die in den Produkten hervorgehobenen Vitamine und Mineralstoffe sind oft künstlich hinzugefügt.

Das Chemische und Veterinär­untersuchungsamt Stuttgart konnte bei Untersuchungen im Jahr 2017 zeigen, dass 90 % der überprüften Proben Mängel in der Kennzeichnung aufwiesen. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um fehlende Mengenangaben zu beworbenen Nährstoffen oder um die Verwendung unzulässiger nährwert- und gesundheitsbezogener Angaben.

Superfoods können ‒ sofern sie nicht gerade in Kapselform verzehrt werden ‒ den Speiseplan durchaus bereichern und ganz neue Geschmacks­erlebnisse vermitteln. Ein gesundheitlicher Mehrwert im Vergleich mit der Vielzahl heimischer Gemüse und Früchte ist aber nicht zu erwarten.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Superfoods achten?

Gegen Superfoods in Form von Früchten und Samen frisch, getrocknet oder als Püree ist ernährungsphysiologisch gesehen nichts einzuwenden. Allerdings bergen exotische Lebensmittel (egal ob pur oder als Extrakt) immer ein gewisses Risiko Überempfindlichkeits­reaktionen bzw. Allergien auszulösen.

Zudem sind Wechselwirkungen von Superfood mit Arzneimitteln möglich. So sollte, ähnlich wie bei der Grapefruit, auch zwischen dem Verzehr von Granatapfelprodukten und der Einnahme von Arzneien ein zeitlicher Mindestabstand eingehalten werden, um veränderte Wirkungen auszuschließen. Gojibeeren sind selbst in Form von Konfitüre gefährlich für Personen, die bestimmte Gerinnungshemmer ("Blutverdünner") einnehmen.

Vor allem bei Anreicherungen ist Vorsicht geboten. Für Extrakte und Zubereitungen im Lebensmittelbereich gibt es keine Standardisierungen wie bei Arzneimitteln. Mangostane-Extrakt A und Mangostane-Extrakt B sind also nicht mit einander vergleichbar. Und was als Lebensmittel in normalen Mengen kein Problem ist (etwa Zimt), kann durch die Aufkonzentrierung bestimmter reizender oder toxischer Stoffe (Zimtaldehyd, Cumarin) gesundheitlich problematisch werden. Dazu hat das Bundesinstitut für Risikobewertung schon vereinzelt Untersuchungen und Einschätzungen des Risikos vorgelegt und warnt in einer aktuellen Pressemitteilung: „Manche Superfood-Produkte, wie bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, bestehen […] aus Extrakten oder Zubereitungen aus pflanzlichen Superfoods, die möglicherweise gesundheitsschädigende Substanzen in konzentrierter Form enthalten können. Fehlende Standards bei Extraktionsverfahren bzw. teils unzureichende Daten aus Studien können die gesundheitliche Bewertung dieser Produkte erschweren. Sie sind daher nicht mit den pflanzlichen Superfoods gleichzusetzen, aus denen sie gewonnen wurden.“

Bei der Entscheidung für ein Superfood sollte man neben Aspekten der Gesundheit unbedingt auch den Einfluss von Superfood auf die Umwelt und Gesellschaft in den Anbauregionen bedenken. Die langen Transportwege, teilweise per Flugzeug oder (tief)gekühlt, sorgen für eine schlechte Klimabilanz zahlreicher exotischer Superfoods.

Was sind Superfoods?

Superfoods sind schon seit einiger Zeit auf dem Markt. Dennoch gibt es bisher keine offizielle Definition oder gesetzliche Regelung. Als "Superfoods" werden meist natürliche und exotische Lebensmittel mit größeren Mengen an Vitaminen und/oder Mineralstoffen sowie sekundären Pflanzenstoffen angeboten. Sie werden selten frisch, sondern meist getrocknet, als Püree oder Extrakt angeboten. Auch als Anreicherung in funktionellen Lebensmitteln (etwa Brötchen mit Chiasamen) oder in Kapsel- und Pulverform als Nahrungsergänzungsmittel sind sie auf dem Markt. Superfoods finden des weiteren Einsatz als Zutat für besonders "gesunde" Rezepte (zum Beispiel Müslis, Smoothies, Riegel).

Wer Superfoods ausprobieren möchte, sollte sich vorab vergewissern, ob es beim angepriesenen Produkt um die "echten" Früchte bzw. Samen geht, oder ob es sich lediglich um eine (meist nur in Kleinstmengen vorhandene) Zutat in einem Lebensmittel handelt. Oft waren zahlreiche Verarbeitungsschritte nötig, um das Superfood genießbar zu machen, etwa Extraktion, Trocknung, Zugabe von reichlich Zucker oder Aromen.

Welche Inhaltsstoffe sind in Superfoods enthalten?

Meist sind Superfoods pflanzliche Lebensmittel, die von Natur aus hohe Gehalte an einzelnen Mikronährstoffen, Enzymen und sekundären Pflanzenstoffen aufweisen. Die frischen Super-Beeren, -Körner oder -Blätter sind anfänglich meist reich an wertvollen Inhaltsstoffen, doch der Transportweg von den Anbaugebieten in exotischen Ländern bis in den deutschen Supermarkt ist lang. Die Produkte werden oft zu früh geerntet, teilweise stark verarbeitet oder liegen wochenlang in Schiffscontainern. Es ist daher fraglich, wie viel von den beworbenen Inhaltsstoffen tatsächlich noch beim Verbraucher ankommt.

Eine ausgewogene Nährstoffaufnahme lässt sich durch eine pflanzenbetonte vielfältige Ernährung sicherstellen. Es reicht nicht aus, sich in der Ernährung auf einige wenige Superfoods zu konzentrieren.

Können Superfoods mit Schadstoffen belastet sein?

Laut einer Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung glauben zwei von fünf Befragten, dass Superfood-Produkte auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit getestet werden, bevor sie in Deutschland erhältlich sind – das trifft so nicht zu.

Grundsätzlich ist der Hersteller dafür verantwortlich, dass sein Produkt sicher ist. Es kommt immer wieder vor, dass als Superfood verkaufte Beeren, Samen, Algen oder getrocknete Pflanzen mit Pestiziden, Schwermetallen (z.B. Arsen, Cadmium), mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Mineralöl oder krankmachenden Bakterien belastet sind. Bei Goji-Beeren werden regelmäßig Insektizide nachgewiesen,  Produkte mit Meeresalgen enthalten häufiger viel zu viel Jod.

Das Chemische und Veterinär­untersuchungsamt Stuttgart kommt in seinem aktuellen Bericht zu dem Fazit, dass in der Gesamtschau eine deutliche Verbesserung der Rückstandssituation zu verzeichnen ist, die Situation aber noch nicht zufriedenstellend ist. Nach wie vor gibt es Produkte, die als gesundheitsschädlich und als nicht sichere Lebensmittel eingestuft wurden.

Anstelle der Acai-Beere können heimische dunkle Beeren (Brom-, Holunder- Heidel- und Apfelbeere (Aronia) sowie Kirsche, rote Weintraube und Rotkohl gegessen werden, die ebenfalls mit hohen Gehalten an antioxidativ wirkenden Stoffen punkten. Leinsamen anstelle von Chia enthalten ebenfalls Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffe. Grünkohl, Spinat und Feldsalat ersetzen Spirulina und Moringa.

Besonders reich an sekundären Pflanzenstoffen sind auch Zwiebelgewächse (Zwiebel, Porree, Schnittlauch, Knoblauch), alle Kohlarten, Rettiche, Rote Bete, Hülsenfrüchte und Zitrusfrüchte, native Pflanzenöle, Kerne und Nüsse, aber auch Kartoffeln und (Vollkorn-)Getreide. Das meiste davon gibt es aus heimischem Anbau.

 

Quellen:


Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Chia, Goji & Co. - Superfoods gehören für etwa die Hälfte der Bevölkerung zu einer gesunden Ernährung, Presseinformation 39/2020 vom 18.11.2020. Abgerufen am 19.11.2020

CVUA. „Superfood“ – hält nicht, was der Name verspricht. Untersuchungsergebnisse 2017. Abgerufen 19.11.2020

Untersuchungsämter für Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit Baden Württemberg. Moringablattpulver - weiterhin mit Rückständen und unlauterer Bewerbung. Noch immer nicht super: das "Superfood" Moringa. Abgerufen am 19.11.2020

Gesundheitliches Risiko von Shiitake-Pilzen. Stellungnahme des BfR vom 23.06.14

García Jiménez S, Pastor Vargas C, de las Heras M, et al. (2015) Allergen Characterization of Chia Seeds (Salvia hispanica), a New Allergenic Food. J Investig Allergol Clin Immunol 25(1): 55-82

Larramendi CH, García-Abujeta JL, Vicario S, García-Endrino A, et al. (2012) Goji berries (Lycium barbarum): risk of allergic reactions in individuals with food allergy. J Investig Allergol Clin Immunol. 22(5):345-50

Smollich M, Podlogar J. Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Lebensmitteln. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. 2. Auflage, 2020

Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (2000). Gehalte an Cumarin, Safrol, Methyleugenol und Estragol in Lebensmitteln. Abgerufen am 19.11.2020

Ökotest (2016) Test Superfoods - Supertox. Ökotest 4, 29-36

Greenpeace (2013) Giftige Pestizidcocktails in traditionellen chinesischen Kräutern. Abgerufen am 19.11.2020

CVUA Stuttgart: Nachgefasst: Pestizide in Gojibeeren. Abgerufen am 19.11.2020

NDR Markt: Chia, Gojibeeren, Moringa: Was bringt Superfood? vom 21.06.2019.

Hacker K/ CVUA Baden-Württemberg (2009): Pestizide in Goji-Beeren? Abgerufen am 19.11.2020.